Pilot in Not
Der Lufthansa-Kapitän und die Autopiloten

Die Lufthansa hat groß zugekauft, ihr Chef darf für 2008 gute Zahlen vorlegen. Aber die Zukunft sieht trüb aus, und die Krise ist nicht Wolfgang Mayrhubers einziger Gegner. Im eigenen Haus begehren immer mehr Enttäuschte auf.

FRANKFURT. In zehn Tagen wird er 62 Jahre alt, nächstes Jahr will er sich in Ruhestand verabschieden. Gerade hat er sich eine Wohnung in Salzburg gekauft. Er will zurückgehen in seine Heimat und nach fast acht Jahren im Amt eine der weltweit angesehensten und erfolgreichsten Airlines in perfektem Zustand übergeben. Das war der Plan.

An diesem Mittwochmorgen aber sitzt Wolfgang Mayrhuber in einem großen Saal aus viel Glas und Stahl im Lufthansa Aviation Center am Frankfurter Flughafen auf einem Podium und will klare Sicht auf etwas herstellen, das selten so schwer auszumachen war wie derzeit: die Zukunft. Er steht vor den schwierigsten Wochen und Monaten seiner Laufbahn.

Er wisse um die gegenwärtige und "vor uns liegende Rüttelstrecke", sagt Mayrhuber. "2009 wird uns fordern, keine Frage." Er zieht es vor, das Gute herauszustellen.

Er spricht vom "zweitbesten Ergebnis in der Unternehmensgeschichte", operatives Ergebnis: 1,35 Milliarden Euro, und man kann den Stolz in seiner Stimme hören. So weit der Blick zurück.

Das, was auf die Lufthansa zukommen wird, überlässt Mayrhuber an diesem Tag seinem Finanzchef. "Wir teilen die Einschätzung, dass die Talsohle noch nicht erreicht ist", sagt Stephan Gemkow.

Die Konkurrenz von British Airways und Air France-KLM ist Ende vergangenen Jahres in die roten Zahlen gerutscht. So gesehen hat Mayrhuber noch eine Mut-Infusion für die Seinen bereit. Die Lufthansa, sagt er schließlich noch, plane "ein deutlich positives Ergebnis, das allerdings unter dem Vorjahr liegen wird".

Das wäre schon was, vielleicht genug, damit die Lufthansa die Nummer eins in Europa bliebe. Doch Mayrhuber steht in einem Kampf, in dem es nicht nur den einen Gegner gibt: die Krise. Mayrhuber hat in den eigenen Reihen eine Menge Konflikte.

Das Unternehmen ist zuletzt in kurzer Zeit stark gewachsen, das hat Mayrhuber scharfe Kritik eingebracht. So mancher zweifelt intern, ob der Lufthansa-Chef die Zukäufe integrieren und der Konzern in neue Dimensionen vorstoßen kann. Einzelinteressen haben zudem den Korpsgeist ziemlich gefleddert.

Der Kapitän hat es mit einer Reihe von Autopiloten zu tun. Das ist der wunde Punkt. Mayrhuber hat noch einiges zu tun, bevor er seinen Ruhestand antreten kann.

"Das Lufthansa-Management verlagert zunehmend Aufgaben. Das können und werden wir so nicht akzeptieren", schimpft ein Mann Mitte 40 in Pilotenuniform. Es ist laut in diesem Restaurant im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens. Alle Tische sind belegt, gerade hat die Bedienung einen Latte Macchiato gebracht.

Ein schneller Schluck, der Pilot streicht sich mit der Hand über das kurzgeschorene Haupthaar. Sein Name, sagt er noch, möge bitte anonym bleiben. Müde sieht er aus, er kommt gerade von einem internen Treffen der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit, kurz VC, und wartet jetzt auf seinen Flug in seine Heimatstadt. Dieses Mal wird er geflogen.

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