Pläne der Deutsche Börse entfachen Debatte um Finanzplatz
Was sich am Finanzplatz Frankfurt ändert

Finanzmetropolen sind bekannt für ihre Symbole und Klischees - gehetzte Geschäftsleute mit Nadelstreifenanzug und Handy, Wolkenkratzer für die Großbanken und eine ehrwürdige Börse als Mittelpunkt. Dies mag auch der Grund dafür sein, dass in Frankfurt seit der Ankündigung der Deutschen Börse, nach London expandieren zu wollen, die Angst umgeht.

HB FRANKFURT. Zwar soll im Fall einer Fusion mit der London Stock Exchange (LSE) der Sitz des neuen Börsenkonzerns in Frankfurt bleiben. Doch Kritiker wehren sich dagegen, dass wichtige Kompetenzen im Wertpapierhandel vom Main an die Themse verlagert werden. Inzwischen hat sich die Debatte verselbstständigt. Um die Diskussion einordnen zu können, hilft eine nüchterne Bestandsaufnahme: Das Börsenparkett, das Fernsehzuschauer jeden Abend vor der „Tagesschau“ sehen können, ist längst nicht mehr das Zentrum des Finanzplatzes Frankfurt. Die Zahl der Journalisten übertrifft zu jeder Tageszeit die der Händler auf dem Parkett. Beinahe der gesamte Handel wird über die elektronische Plattform XETRA abgewickelt, die ebenso wie der Vorstand der Deutschen Börse AG und fast alle der 1700 Frankfurter Mitarbeiter (von insgesamt 3250) in einem Industrieviertel im Außenbezirk Hausen untergebracht ist.

Damit nicht genug: Die Deutsche Börse wickelt längst wichtige Teile ihres Geschäfts in London und sogar in Luxemburg ab. Börsenchef Werner Seifert beteuerte in dieser Woche, dass im Fall einer Übernahme der LSE bei der Deutschen Börse vielleicht „drei Dutzend Jobs“ in die britische Hauptstadt abwandern würden. Und wie es seine Art ist, warf er den Bedenkenträgern provozierend vor, sie seien von „Orts- Chauvinismus“ und „Finanzplatz-Romantik“ getrieben. Hessens Finanzminister Karlheinz Weimar (CDU), der bisher die Börsenpläne grundsätzlich unterstützt hatte, fand das gar nicht witzig und konterte am Freitag: „Die hessische Landesregierung kann Seifert damit nicht ruhig stellen.“

Vage Befürchtungen

Welche konkreten negativen Auswirkungen die Kritiker befürchten und was sie darüber hinaus als die eigentlichen Vorteile Frankfurts im globalen Wettbewerb ansehen, bleibt allerdings meist vage. Die Finanzbranche ist heute in die unterschiedlichsten Spezialgebiete aufgeteilt. Längst machen die großen Banken nicht mehr alles von der Wartung ihrer Computer bis zur Kreditbearbeitung selbst. Zum Beispiel werden Wertpapierorders bei der Deutschen Börse häufig nicht mehr direkt von den Finanzhäusern, sondern von so genannten Transaktionsbanken, von denen der Bankkunde noch nie etwas gehört hat, aufgegeben. Genau wie andere Branchen und Standorte muss sich also auch die Finanzbranche in Frankfurt auf ihre Stärken besinnen.

Der frühere Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer, der heute unter anderem dem Aufsichtsrat der Deutschen Börse vorsteht, entwarf eine Zukunftsvision für den Finanzplatz am Main, die sich von den alten Symbolen löst. Der Handel selbst sei nie dessen eigentliche Stärke gewesen und möglicherweise in London - der Heimat großer Investmentbanken - sogar besser aufgehoben, analysierte Breuer vor einigen Tagen. Deshalb expandierte die Deutsche Börse AG auch schon in neue Bereiche wie Abwicklung und IT-Dienstleistungen und stellte sich international auf.

Als große Chance für Frankfurt sehe er die Vermögensverwaltung, betonte Breuer. In diesem Bereich sei beispielsweise die Fondsgesellschaft DWS, eine Deutsche-Bank-Tochter, europaweit führend. Reaktionen auf Breuers Idee waren zunächst nicht zu vernehmen. Stattdessen gingen die gegenseitigen Vorwürfe weiter.

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