Pläne von Hauptaktionär Fresenius ungewiss
Eichborn-Verlag gibt sich optimistisch

Der einzige börsennotierte deutsche Buchverlag Eichborn erwartet entgegen dem allgemeinen Branchentrend in diesem Jahr wieder ein leichtes Umsatzplus. "Wir verspüren in diesem Jahr keine Krise und wollen im nächsten Jahr noch etwas drauflegen“, sagte Verlagschef Matthias Kierzek am Donnerstag.

HB FRANKFURT. „Wir liegen beim Umsatz im Moment über dem Vorjahr und werden 20 Mill. Euro wohl auf jeden Fall erreichen,“ sagte Kierzek am Donnerstag auf der Buchmesse. Bislang hatte der Verlag für 2003 einen Umsatz auf Vorjahresniveau (19,6 Mill. Euro) prognostiziert. Kierzek bekräftigte zudem, 2003 wieder einen Gewinn ausweisen zu wollen: „Ich sehe keinen Grund, unsere Gewinnprognose zurückzunehmen.“ Innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre strebt die Eichborn AG Kierzek zufolge an, den Umsatz insgesamt etwa um 25 Prozent zu steigern.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hatte am Dienstag seine Umsatzprognose wegen der anhaltend schwachen Konjunktur für das laufende Jahr gesenkt und erwartet nunmehr wie 2002 einen Rückgang von etwa 2 Prozent statt der ursprünglich prognostizierten schwarzen Null.

Nach Trennung von Töchtern setzt allmählich Erholung ein

Eichborn war im vergangenen Jahr mit einem Konzernverlust von knapp 5 Mill. Euro in eine tiefe Krise geraten, hauptsächlich verursacht durch Tochtergesellschaften aus den Bereichen Film, Musik und Geschenkartikel. Bis zum Januar hat sich Eichborn dann von all seinen Töchtern bis auf den Schweizer Pendo-Verlag getrennt. Zum ersten Halbjahr 2003 konnte die Eichborn AG wieder einen leichten Gewinn von 7 000 Euro ausweisen, der Konzernverlust lag noch bei 254 000 Euro. „Spätestens 2005 wird Pendo schwarze Zahlen schreiben“, sagte Kierzek. Eichborn hält mehr als 90 Prozent an Pendo.

"Bohlen brauchen wir nicht"

Im Rahmen des Sanierungsplanes werden 2003 Kierzek zufolge nur noch etwa 200 Bücher verlegt. 2004 sollen es noch rund 170 werden. Zu den Bestsellerhoffnungen auf der Buchmesse gehören Wolfgang Joops „Im Wolfspelz“, „Eismond“ von Jan Costin Wagner oder „Karneval der Tiere“ von Roger Willemsen. „Wir haben viele starke Titel, so etwas wie Bohlen brauchen wir nicht“, sagte Kierzek. Im nächsten Jahr werde Eichborn unter anderem ein neues Buch von Element-of-Crime-Sänger Sven Regener herausbringen. Zu den großen Hoffnungsträgern bei Eichborn gehören dem Verlagschef zufolge die Hörbücher. „Das Geschäft mit den Hörbüchern läuft sehr gut und ist für uns unverzichtbar geworden.“ 2003 habe sich der Hörbuchumsatz verdoppelt und liege inzwischen bei über fünf Prozent des Gesamtumsatzes.

Betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen

Nach der von Kierzek so genannten „Schreckensbilanz“ 2002 hatte Eichborn angekündigt, sich im Rahmen des Sanierungsplanes betriebsbedingt von Mitarbeitern zu trennen. „Wir haben zum 30. September sechs betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen“, sagte Kierzek. Derzeit habe der Konzern 75 Vollbeschäftigte, und wolle auf „60 Vollbeschäftigte bis Ende 2005“ kommen.

Zu Gerüchten, wonach Eichborn-Hauptaktionär, der Laborant Ludwig Fresenius, möglicherweise die gesamten Eichborn-Anteile erwerben und diese dann an einen Verlag oder Investor verkaufen wolle, sagte Kierzek: „Dass es für Fresenius eine gewisse Logik hat, seinen Anteil aufzustocken, liegt ja auf der Hand. Nach meinem Kenntnisstand will er aber seinen Anteil behalten.“ Die Fresenius-Familie hält bereits knapp 42 Prozent an Eichborn. Sollte Fresenius das Aktienpaket der insolventen Eichborn-Tochter Achterbahn AG übernehmen, würde er 75 Prozent von Eichborn kontrollieren.

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