Plagiate
Fälscher kennen keine Grenzen

Dubiose Importeure schleusen Plagiate in die Bundesrepublik ein und setzen sie über ein undurchsichtiges System mit mehreren Vertriebskanälen ab. Die meisten Produkte verkaufen sie über Internetplattformen oder Kataloge. Die betroffenen Firmen, wie etwa der traditionsreiche Maschinenbauer Stihl, sind meist machtlos.
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DÜSSELDORF. Auf den braunen Kartons sind mit blutrotem Filzstift chinesische Schriftzeichen geschrieben. Darunter steht in krakeligen Versalien "STIHL". Es zischt, kracht und rumpelt. Gelbe Walzen lassen den Kartonberg unter sich verschwinden, zerquetschen die verpackten Motorsägen.

Die traditionsreiche deutsche Maschinenbauer Stihl aus Waiblingen lässt wieder einmal Plagiate seiner weltweit bekannten Produkte entsorgen. Von den Kopien tauchen immer mehr auf: Seit dem Spätsommer wurden einzig im Hamburger Hafen mehrere Tausend gefälschte Sägen beschlagnahmt, die ein Importeur nach Deutschland bringen wollte. Die Namen der Importgesellschaften wechseln und sind den deutschen Herstellern oft bekannt. Ihr Zweck ist, Fälschungen in China in Auftrag zu geben, um sie dann in Deutschland anzubieten.

Die dubiosen Importeure schleusen Plagiate in die Bundesrepublik ein und setzen sie über ein undurchsichtiges System mit mehreren Vertriebskanälen ab. Die meisten Produkte verkaufen sie über Internetplattformen oder Kataloge, aber auch an fliegende Händler, die direkt zum Kunden fahren.

Das hat eine neue Qualität, glaubt Rüdiger Stihl, Mitgesellschafter des Familienunternehmens Stihl und Vorsitzender des Aktionskreises Deutsche Wirtschaft gegen Produkt- und Markenpiraterie. Zwar gab es schon früher solche Fälle in Osteuropa und Italien, berichtet er. Doch heute treten sie gehäuft in Deutschland auf. Stihl: "Der Feind steht nun auf der Türschwelle."

Stihl ist selbst Opfer: 14 000 gefälschte Motorsägen im Wert von 1,7 Millionen Euro wurden in diesem Jahr bei Razzien und Kontrollen entdeckt und beschlagnahmt, beispielsweise an der deutsch-polnischen Grenze. 33 Strafanträge hat der Sägenhersteller in Deutschland im vergangenen Jahr gestellt, in diesem Jahr sind es sogar 67.

Aber nicht nur Maschinenbauer wie Stihl haben gegen Plagiate zu kämpfen. Mehr als drei Viertel der deutschen Unternehmen sind Opfer von Produkt- und Markenpiraterie, belegt eine Umfrage der Kommunikationsagentur Fischer-Appelt. Allein 2009 beschlagnahmten deutsche Zollbehörden fast 10 000 gefälschte Produkte.

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