Planungen
Mehdorn trimmt Konzern auf Profit

Innerhalb der letzten zehn Jahre konnte die Bahn AG eine beachtliche Umsatzsteigerung verzeichnen. Sollten die Planungen des Konzerns aufgehen, dann steht der Bahn ein Betriebsergebnis in Milliardenhöhe bevor. Die Bahnkritiker hingegen sprechen von völlig überzogenen Erwartungen.

DÜSSELDORF. Das Schaubild gehört zu jeder Grundsatzrede von Bahnchef Hartmut Mehdorn: 17 rote Säulen – eine neben der anderen – zeigen das jährliche betriebliche Ergebnis der Bahn AG nach Zinsen ab dem Gründungsjahr und über die Gegenwart hochgerechnet bis 2010. 1994 lag das Betriebsergebnis noch mit drei Milliarden Euro im Minus. Seitdem wurden die Ausschläge unterhalb der Null-Linie immer kürzer – bis 2003. Seit 2004 nun wachsen sie wieder, aber in umgekehrter Richtung ins Plus. 2005 schon höher als im Vorjahr, mit einem positiven Ergebnis von fast 450 Millionen Euro. Tendenz für die nächsten Jahre: Die Kolumnen werden immer länger.

So wäre es, wenn die Planungen des Konzerns Realität würden. Der Bahnchef sieht sich jedenfalls auf einem geradezu linearen Wachstumskurs mit Ergebnissen, die schnell Milliarden-Dimensionen erreichen. Er sieht seine Erwartungen auch durch die Energiepreissituation bestätigt, weil die Bahn pro Kopf und Tonne günstiger sei als andere Wettbewerber: „Verkehrsleistungszuwächse wie 2005 – im Personenverkehr mit 3,5 Prozent und im Schienengüterverkehr mit fünf Prozent – werden der Normalfall“, kündigte Mehdorn vergangene Woche an.

Der stets große Kreis der Bahnkritiker ist da weitaus skeptischer und spricht von völlig überzogenen Erwartungen. Auch in der Vergangenheit habe der Bahn-Konzern optimistische Planungen zurücknehmen müssen, heißt es immer wieder in der Politik und bei Wettbewerbern. Die mit der Bahnreform beabsichtigte Verkehrsverlagerung von der Straße auf die Schiene habe nicht stattgefunden, urteilte jüngst sogar der Bundesrechnungshof. Er kritisiert, dass der Weg der Bahn bisher den Bundeshaushalt nicht entlastet habe. Mehdorns Zahlen sprechen eine andere Sprache: 1993 hatten die damalige Bundesbahn und Reichsbahn das letzte Geschäftsjahr mit einem Riesenfehlbetrag von umgerechnet rund acht Milliarden Euro abgeschlossen. Seitdem habe sich der Konzern mit einem finanziellen Kraftakt nach vorn gebracht: 90 Milliarden Euro seien geflossen, um die Investitionsrückstände aus der Behördenzeit zu beseitigen – davon kam fast die Hälfte aus der Konzernkasse. Die Modernisierung trage Früchte: Die Bahn wachse schneller als der Verkehrsmarkt, sie habe 2005 so viele Menschen und Güter transportiert wie nie zuvor.

Von 2000 bis 2005 hat der Bahnkonzern seinen Umsatz um über 60 Prozent auf 25 Milliarden Euro gesteigert. Dieser Anstieg ist auf den Weg der Bahn zum internationalen „Mobilitäts- und Logistikdienstleister“ zurückzuführen. Entscheidender Schritt war dazu der Erwerb des Logistikkonzerns Stinnes mit der weltweit erfolgreich operierenden Spedition Schenker. Die Bahn als Kerngeschäft, integrierte Dienstleistungen wie Reisen oder Logistik drumherum – das ist Mehdorns Börsenstory.

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