Playmobil Neue Marketingchefin soll Machtstreit beenden

Mit der Marketingchefin Judith Weingart forderte die hausgemachte Führungskrise bei Playmobil ihr erstes Opfer im Vorstand – nun soll es mit einem Firmen-Eigengewächs als Nachfolger wieder voran gehen.
Nach dem Tod des verstorbenen Alleineigentümers Horst Brandstätter war ein Machtkampf an der Spitze des Spielwarenherstellers ausgebrochen. Quelle: dpa
Machtkampf bei Playmobil

Nach dem Tod des verstorbenen Alleineigentümers Horst Brandstätter war ein Machtkampf an der Spitze des Spielwarenherstellers ausgebrochen.

(Foto: dpa)

ZirndorfMit der langjährigen Playmobil-Vertriebsexpertin Silke Heinrich als neuem Vorstandsmitglied soll bei dem fränkischen Spielwarenhersteller personell wieder Ruhe einkehren. Die 46-Jährige folge im dreiköpfigen Management auf die bisherige Marketingchefin Judith Weingart, wie die Playmobil-Herstellerfirma Geobra Brandstätter am Freitag mitteilte. Die langjährige Vertraute des verstorbenen Playmobil-Alleineigentümers Horst Brandstätter hatte ihren Hut wegen interner Querelen bei der geplanten Neuausrichtung des Konzerns nehmen müssen.

Heinrich arbeitet bereits seit 28 Jahren bei Geobra Brandstätter. Die gelernte Industriekauffrau habe in der Vergangenheit etwa den Vertrieb in Polen, der Schweiz und Österreich erfolgreich gesteuert. „Wir wollen neue Umsatzpotenziale erschließen und werden dafür unsere Vertriebsstruktur weiter ausbauen“, kündigte sie an. Auch das Lizenzgeschäft und neue digitale Angebote für die junge Zielgruppe wolle sie entwickeln. Dabei sehe sich Heinrich „klar in der Tradition“ des verstorbenen Inhabers Brandstätter.

So eroberten die Playmobil-Männchen die Welt
Der Vater der Playmobil-Figuren
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Horst Brandstätter ist am Mittwoch im Alter von 81 Jahren gestorben. Der Unternehmer ist der Vater der Playmobil-Figuren. 1952 trat Brandstätter in das Unternehmen Geobra Brandstätter ein. Der Name geht auf seinen Vater Georg Brandstätter zurück, der die Leitung der 1876 gegründeten Firma wiederum von seinem Vater Andreas übernommen hatte. Zunächst stellte das Unternehmen Schatullenbeschläge und -schlösser her, später dann diverse Metall- und Spielwaren. Ende der 1950er Jahre hatte Geobra Brandstätter großen Erfolg mit Hula-Hoop-Reifen – und setzte von da vor allem auf Kunststoff.

Idee aus der Not geboren
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Anfang der 70er-Jahre macht die Ölkrise dem Spielwarenhersteller schwer zu schaffen. Dazu kommt die zunehmende Konkurrenz aus Billiglohnländern bei Kunststoff-Spielzeug. Zusammen mit seinem Entwickler Hans Beck (Bild, 2009 verstorben) denkt sich Brandstätter das Playmobil-Konzept aus. Im Mittelpunkt stehen die 7,5 Zentimeter großen Figuren, die Brandstätter am Anfang gar nicht gefallen haben sollen. 1974 erfolgt die Markteinführung.

Produktion auf Malta
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Die Playmobil-Figuren werden anfangs ausschließlich per Hand montiert – ab 1976 auf Malta. Dort baut Brandstätter eine Fabrik auf.

Sieben Teile pro Figur
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Die Playmobil-Figuren bestehen aus sieben Einzelteilen. Der Erfolg stellt sich bereits unmittelbar nach der Markteinführung ein: Die Nachfrage kann kaum gedeckt werden.

Weniger Handarbeit
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Die Produktionskapazität wird im Laufe der Jahre immer weiter erhöht. Die Endmontage per Hand ist heute eher die Seltenheit, Figurenautomaten haben diesen Arbeitsschritt übernommen. Allein die Fabrik auf Malta (im Bild) hat heute eine Kapazität von 100 Millionen Figuren pro Jahr.

Weltweite Expansion
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In den 1980er-Jahren verbreitet sich Playmobil weltweit. Zahlreiche Vertriebsgesellschaften werden gegründet.

Milliarden-„Population“
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Bis 2015 werden insgesamt 2,8 Milliarden Playmobil-Figuren produziert. Seit 1974 entstehen knapp 4700 verschiedene Varianten. Es gibt kaum eine Figur, die es nicht gibt...

Der Tod des Firmen-Patriarchen im vergangenen Juni hatte im Unternehmen jüngst eine Führungskrise ausgelöst. Dem Vorstand gehören außer Heinrich noch der für Personal und Finanzen zuständige René Feser und der Technische Leiter Robert Benker an. Da alle Vorstandsmitglieder gleichberechtigt sind, sei der Konzern zuletzt gelähmt worden, heißt es im Unternehmensumfeld.

Geobra Brandstätter mit Sitz im fränkischen Zirndorf bei Nürnberg ist mit weltweit mehr als 4100 Mitarbeitern nach eigenen Angaben Deutschlands größter Spielwarenhersteller. Playmobil wird derzeit in rund 100 Ländern weltweit vertrieben. 2015 erzielte die Firma einen Gesamtumsatz von 616 Millionen Euro.

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  • dpa
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