Pleite-Immobilien
Hertie-Standorte wecken Begehrlichkeiten

Einkaufscenter-Entwickler ECE bekundet Interesse an den Immobilien der Pleitefirma Hertie, doch noch gibt sich Insolvenzverwalter Bähr nicht geschlagen. Von einer Zerschlagung der in Schieflage geratenen Warenhauskette will der Anwalt der Sozietät White & Case nichts wissen: "Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir Hertie als Ganzes erhalten können."

DÜSSELDORF. Die Hoffnungen vieler mittelgroßer Städte, die nach der Hertie-Pleite auf eine Umwandlung der Häuser in Einkaufscenter setzen, könnten sich als trügerisch erweisen. "Egal wer die Häuser übernimmt, Hertie bleibt weiterhin dort Mieter, wenn wir das wollen", sagte Insolvenzverwalter Biner Bähr im Gespräch mit dem Handelsblatt selbstbewusst.

Von einer Zerschlagung der in Schieflage geratenen Warenhauskette will der Anwalt der Sozietät White & Case nichts wissen. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir Hertie als Ganzes erhalten können", sagte er. Schon in den vergangenen Tagen hätten sich sowohl strategische als auch Finanzinvestoren gemeldet, die Interesse am Unternehmen bekundeten. Mit der Präsentation eines Käufers sei aber frühestens im November zu rechnen.

Zahlreichen mittelgroßen Städten in Deutschland, die nach der Hertie-Pleite um den Verlust ihres Einkaufsmagneten bangen, hatten neue Meldungen Hoffnung gegeben. Nach Plänen des Hamburger Centerbetreibers ECE nämlich könnten an einigen Standorten attraktive Einkaufszentren entstehen - falls die Hertie-Immobilien auf den Markt kommen.

"In manchen dieser Städte hat Hertie Top-Lagen", meint ein ECE-Sprecher. "Und Shoppingcenter gibt es in vielen Städte noch gar nicht." Am operativen Betrieb von Hertie mit seinen 4 100 Mitarbeitern sei man aber nicht interessiert. Auch andere Entwicklungsfirmen, so ist man sich zumindest bei ECE sicher, hätten inzwischen ein Auge auf die Hertie-Standorte geworfen.

Der Hamburger Marktführer, der 78 der rund 400 deutschen Einkaufscenter betreibt und aktuell neun zusätzliche baut, hat bereits in der Vergangenheit gezeigt, wie man heruntergekommene Warenhäuser in glitzernde Einkaufstempel umbaut. In Erfurt verwandelte ECE im September 2000 ein ehemaliges Karstadt-Haus in eine Ladengalerie mit 50 Fachgeschäften; an Essens Limbecker Platz ließen die Hamburger ein komplettes Warenhaus abreißen, um an dessen Stelle vor wenigen Wochen ein gigantisches Einkaufscenter zu eröffnen.

"Wir beobachten schon länger, dass Center-Entwickler in die mittelgroßen Städte drängen", berichtet Markus Danneck von der Düsseldorfer Immobilienberatung Kemper's. "Für viele kleine Warenhäuser könnte ein solcher Umbau ein gangbarer Weg sein." Die 72 Standorte von Hertie bezeichnet auch er als "teilweise hervorragend". In ihnen stecke viel Potenzial.

Auf den Markt kommen die Häuser aber nur dann, wenn Hertie zerschlagen wird und damit als Mieter ausfällt. Teil der Insolvenzmasse sind sie nicht. Nach dem Verkauf der Warenhauskette durch Karstadt-Quelle (heute Arcandor) hatte Erwerber Dawnay Day das Immobilienportfolio vom operativen Betrieb abgetrennt. Seither zahlt Hertie an den Finanzinvestor enorm hohe Mieten.

Wem die Immobilien inzwischen gehören, ist allerdings unklar. Die Dawnay Day Group, die sich seit Anfang Juli selbst in Schieflage befindet, hatte sie an diverse Unternehmen der Gruppe weitergereicht. Für Hertie-Insolvenzverwalter Bähr spielen die Besitzverhältnisse nach eigener Aussage aber keine Rolle.

In den betroffenen Städten selbst wird die Hertie-Pleite unterdessen mehr und mehr zum Politikum. Eine bundesweite Initiative der Bürgermeister wurde bei Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) vorstellig, der sich für den Erhalt der Standorte einsetzen soll.

Die Stadtverwaltungen üben sich in Aktivismus. Man habe Hinweistafeln auf Hertie ins städtische Wegeleitsystem aufgenommen, bekundete eine der betroffenen Kommunen. Ein Bürgermeister ließ die Blumenbeete um das Warenhaus neu bepflanzen, eine andere Stadt verweist stolz auf die neu eingekehrte Sauberkeit: Die Papierkörbe vor dem Hertie-Haus, heißt es aus dem Rathaus, würden nun zweimal täglich geleert.

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