Pleitewelle
Indischen Airlines droht Bruchlandung

Indiens Fluggesellschaften stürzen ab. Weil die Passagierzahlen dramatisch sinken und die Schulden gleichzeitig steigen, werden wohl nur zwei der drei indischen Fluggesellschaften mit vollem Service überleben, vermuten Experten. Indien sei das "Krisenzentrum der Weltluftfahrt".

NEU-DELHI. Nach dem rasanten Aufstieg folgt jetzt der steile Absturz: Alle indischen Fluggesellschaften schreiben tiefrote Zahlen, nur die Hälfte von ihnen wird wohl die Krise als eigenständiges Unternehmen überleben. „Indien ist neben den USA das Krisenzentrum der Weltluftfahrt“, sagte Wolfgang Prock-Schauer, Geschäftsführer von Marktführer Jet Airways, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

2008 machten Indiens Fluggesellschaften umgerechnet 1,5 Mrd. Dollar Verlust, das sind laut Dachverband IATA rund 30 Prozent der weltweiten Verluste. Der weitere Rückgang der Passagierzahlen zuletzt lässt befürchten, dass 2009 trotz gesunkener Treibstoffkosten noch schlimmer wird. Von den drei Fluggesellschaften mit vollem Service würden nur zwei die Krise überstehen, prognostiziert Prock-Schauer.

Seine eigene, Jet Airways, sieht der Österreicher für den Überlebenskampf am besten aufgestellt. Ein drastisches Restrukturierungsprogramm werde dazu führen, dass das Ergebnis vor Steuern im gerade begonnen Geschäftsjahr zumindest wieder eine schwarze Null erreiche, sagt er voraus. In den ersten neun Monaten des abgelaufenen Geschäftsjahrs machte Jet Airways bei einem Umsatz von 1,88 Mrd. Dollar einen Vorsteuerverlust von 125 Mio. Dollar. Um 30 Prozent hat das Unternehmen in den vergangen Monaten die Kapazitäten zwischen Indien, seinem internationalen Drehkreuz Brüssel und den USA reduziert. Neun von 22 Langstreckenflugzeugen hat Jet an andere Airlines vermietet. Bei den Inlandsflügen beträgt der Kapazitätsabbau laut Prock-Schauer bisher 20 Prozent. Weitere zehn Prozent würden zurzeit geprüft.

Deutlich schlechter steht es um Indiens 2005 gegründete Nummer zwei Kingfisher. Die Airline des Biermilliardärs Vijay Mallya schreibt sehr viel höhere Verluste, sitzt auf riesigen offenen Treibstoffrechnungen und hat ihre internationalen Ambitionen bis auf zwei Strecken nach London Heathrow komplett eingestellt. Zaghafte Kooperationsversuche von Kingfisher und Jet Airways blieben bisher im Anfangsstadium stecken. Abgeschlagen auf Platz drei schließlich rangiert Indiens finanzschwache Staatslinie Air India. Mit ihren betagten Maschinen und schlechtem Service ist sie kaum konkurrenzfähig. Aus Prestigegründen dürfte die Regierung aber ihre schützende Hand über das Unternehmen halten.

Am größten freilich ist der Konsolidierungsdruck bei Indiens Billigfluggesellschaften Indi-Go, Spice Jet und Go Air. Nur eine von ihnen werde übrig bleiben, erwartet Prock-Schauer. Auch Spice-Jet-Geschäftsführer Sanjay Aggarwal räumt ein, dass nicht alle überleben. Im Februar startete seine Airline denn auch mit Wettbewerber Go Air Gespräche über einen Zusammenschluss, herausgekommen ist bisher nichts.

Die globale Rezession ist einer der Gründe für Indiens Luftfahrtkrise, der Terroranschlag Ende November in Bombay ein weiterer. Doch der Großteil der Probleme ist hausgemacht: Nach der Marktöffnung durch die Regierung 2003 explodierte das Angebot. Immer neue Fluggesellschaften wurden gegründet, die Zahl der Flugzeuge stieg von 150 auf heute mehr als vierhundert.

Seite 1:

Indischen Airlines droht Bruchlandung

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%