Plus.de
Online ersetzt Discount

Im Herbst 2007 trennte sich der Mülheimer Handelsriese Tengelmann von der Billigkette Plus. Einen kleinen Teil der Kette haben sie allerdings behalten: Wie aus dem kleinen Online-Versender Plus.de ein ernstzunehmender Spieler im deutschen Internethandel aufgebaut werden soll.

MÜLHEIM/RUHR. Lange Jahre vertraute der Handelsriese Tengelmann auf den Discount. Mit der Billigkette Plus hängten sich die Mülheimer nicht nur in Deutschland an die Fersen von Aldi und Lidl, auch im Ausland - vorzugsweise in Spanien, Portugal und auf dem Balkan - bauten sie auf die Anziehungskraft der kleinen Preise.

Im Spätherbst 2007 zerplatzte der Traum. Die Märkte mit dem orange-blauen Logo schrieben so tiefrote Zahlen, dass sich Konzernchef Karl-Erivan Haub entnervt von Deutschlands drittgrößtem Discountfilialisten trennte.

Einen vergleichsweise winzigen Teil der Billigfirma aber gab er nicht her, wie sich jetzt herausstellt: den unter selber Flagge segelnden Online-Versender Plus.de. Ihn will Haub nun zu einem ernstzunehmenden Spieler im deutschen Internethandel ausbauen. "Derzeit wächst der Markt um zehn bis 15 Prozent", sagt Plus.de-Geschäftsführer André Kiefermann. "Dieses Tempo wollen wir in den nächsten Jahren deutlich übertreffen." Die 2002 gestartete Online-Firma setzte im vergangenen Jahr knapp 100 Mio. Euro um. Rote Zahlen gebe es bei Plus.de nicht, berichtet Geschäftsführer Kiefermann.

Von dem ursprünglichen Konzept, den Verkauf einzelner Artikel aus den Plus-Filialen zu unterstützten, hat sich die Tengelmann-Tochter weit entfernt. Längst ist Plus.de ein veritables Billigkaufhaus, das jeden Donnerstag wochenweise neue Aktionsware auf die Verkaufsreise schickt. Hometrainer für den Fitnessfan im Winter, Gewächshäuser und Gartenmöbel im Frühjahr - und das alles beworben mit Tengelmanns "kleinen Preisen". Selbst rezeptfreie Medikamente bietet Plus.de seit Oktober und unterbietet Apotheken um bis zu 70 Prozent.

4 000 Artikel umfasst das Sortiment. 10 000 sollen es bis zum Jahresende werden. Bietet ein Wettbewerber wie Tchibo oder Schlecker einzelne Teile günstiger, wird beim Preis nachjustiert. "Wir sind auf Plus.de immer günstiger", heißt Kiefermanns Leitspruch. Auf diese Weise will er sich als "Deutschlands führender Online-Discounter" von den Verfolgern absetzen. Automatische Kaufempfehlungen ("Recommendations"), hinterlegte Vorlieben der Kunden und zielgruppengenaue Newsletter sollen ab Sommer für einen zusätzlichen Schub sorgen.

Dabei soll es nicht bleiben. Seit anderthalb Jahren arbeiten die Mülheimer an einem zweiten Shop, der sich - im Gegensatz zum Online-Discounter - auf Markenware spezialisieren wird. Im neuen Markenshop ist der Preis nicht der USP. Geplant ist der Verkauf hochwertiger Textilien, Accessoires, Möbel und Unterhaltungselektronik. "Markenhersteller erkennen inzwischen, dass sie diesen Vertriebskanal nicht vernachlässigen dürfen", berichtet Kiefermann. Für den traditionellen Vertriebsweg sieht er daher schwarz: "Es wird bald keine Marke mehr geben, die vom Fachhandel regiert wird."

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