Poker um Kosmetikhersteller bleibt spannend
Tchibo will Beiersdorf-Mehrheit wohl schon bis Ende 2003

Die Tchibo-Holding will sich den Beiersdorf-Anteil der Allianz sichern. Neu ist das Interesse von Tchibo nicht – jetzt soll das Geschäft aber womöglich schon zum Jahresende endgültig abgeschlossen werden.

HB HAMBURG. Der Kaffeeröster Tchibo bekräftigte am Freitag sein Interesse an einer Aufstockung seiner Beteiligung an Beiersdorf. „Wenn Anteile von Beiersdorf auf den Markt kommen, werden wir unsere Beteiligung aufstocken,“ sagte ein Tchibo-Sprecher. Er ließ allerdings offen, ob darüber noch in diesem Jahr eine Entscheidung fallen könne. Nun sei die Allianz am Zuge, die knapp 44 % an Beiersdorf hält und mehrfach Bereitschaft zum Verkauf hat erkennen lassen.

Weder Tchibo noch der Münchener Allfinanzkonzern wollten Stellung zu einem Bericht des „Wall Street Journal“ nehmen, wonach Tchibo angeblich noch vor Jahresende ein Angebot für Teile oder den kompletten Allianz-Anteil an Beiersdorf vorbereiten will. Die Aktien von Beiersdorf verloren am Freitag 1,7 % auf 108,60 €, während der MDax 0,3 % nachgab.

Der Tchibo-Sprecher gab Aussagen von Vorstandschef Dieter Ammer wieder, der bereits mehrfach wie auch schon sein Vorgänger Reinhard Pöllath Interesse an einer Aufstockung des Beiersdorf-Anteils bekundet hat. Tchibo sei sehr zufrieden mit seiner Beteiligung an dem hoch profitablen Kosmetikunternehmen, sagte der Sprecher. Die Strategie des Managements verspreche auch in Zukunft Wachstum. „Wenn Anteile auf den Markt kommen, dann dürfte es niemanden überraschen, wenn wir unsere Anteile erhöhen wollen“, sagte der Sprecher. Dabei sehe sich Tchibo aber nicht unter Zeitdruck. „Wir haben nie gesagt, dass es bis zum Jahresende ein Zeitfenster gibt.“ Der Tchibo-Sprecher bezog sich damit auf Spekulationen, die Allianz wolle sich bis zum Jahresende von Industriebeteiligungen trennen.

Die Allianz möchte ihren Beiersdorf-Anteil nach früheren Angaben zwar verkaufen, sieht sich dabei aber ebenfalls nicht unter Zeitdruck.

Als weiteres Unternehmen hatte kürzlich der US-Konsumgüterhersteller Procter & Gamble sein Interesse an Beiersdorf bekräftigt. Vorstandschef Alan Lafley hatte dabei allerdings erklärt, er sei gar nicht sicher, ob der Kosmetikkonzern überhaupt zum Verkauf stehe. Dem P&G-Konzern, der jüngst bereits den Darmstädter Haarpflegespezialisten Wella für sechs Mrd. € gekauft hatte, wird seit längerem ein Kaufinteresse an Beiersdorf nachgesagt. Dabei scheuen die Amerikaner aber offenbar davor zurück, bei einer Übernahme des Allianz-Anteils mit Tchibo einen weiteren Großaktionär mit am Tisch sitzen zu haben, der im Aufsichtsrat Entscheidungen blockieren kann. Tchibo hält mit 30,4 % eine Sperrminorität an Beiersdorf.

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