Poker um Pleite-Airline Lufthansa kauft Teile von Air Berlin – Easyjet-Deal in der Schwebe

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Kartellrechtler mit Bedenken

An der Börse ließ der Deal zwischen Lufthansa und Air Berlin die Anleger jubeln. Die Aktien der Lufthansa kletterten um 3,2 Prozent auf 25,34 Euro, das war der höchste Stand seit Anfang 2001. Die Papiere der insolventen Rivalin schossen um fast die Hälfte auf 23 Cent in die Höhe. Die Investmentbanken Bernstein und HSBC stuften die Aktien der Lufthansa herauf und trauen ihr jetzt einen Kursanstieg auf bis zu 30 Euro zu. „Der Air-Berlin-Deal macht die Lufthansa in ihrem Heimatmarkt stärker, was in den kommenden Jahren zu steigenden Erträgen führen sollte“, schrieben die Analysten von HSBC. Das und die jüngste Einigung mit den Piloten auf den Tarifvertrag seien fast „zu gut aus, um wahr zu sein“.

Air Berlin – die nach Lufthansa bisher zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft – hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Der Flugbetrieb seitdem war nur durch einen Kredit des Bundes über 150 Millionen Euro gesichert. Die Geschäftsführung hatte drei Wochen lang exklusiv mit dem deutschen Marktführer Lufthansa sowie mit dem britischen Billigflieger Easyjet über den Verkauf von Teilen des hoch verschuldeten Unternehmens verhandelt. Spohr geht nach eigenen Worten aber nicht davon aus, dass es heute weitere Abschlüsse gibt. Easyjet lehnte einen Kommentar dazu ab.

Bei Kartellrechtlern trifft insbesondere die Ankündigung des Lufthansa-Chefs auf Skepsis, auf bestimmten Strecken eine konzerninterne Konkurrenz zwischen Lufthansa und Eurowings zu organisieren „Konzerne werden aus kartellrechtlicher Sicht als ein Unternehmen angesehen“, sagte der Düsseldorfer Kartellrechtler Martin Gramsch von der Kanzlei Simmons & Simmons am Donnerstag.

Der Luftverkehrsberater Gerald Wissel erwartet eine vertiefte kartellrechtliche Überprüfung der EU-Kommission. Dabei würden die Marktverhältnisse auf einzelnen Strecken überprüft. Es könne dann gut sein, dass Lufthansa Start- und Landerechte (Slots) auf einzelnen Verbindungen freigeben müsse und diese dann an Konkurrenten verteilt würden.

Mit welchen Airlines Sie pünktlich landen – und mit welchen nicht
Platz 10: Qantas (Australien)
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Aus über 500 Quellen haben die Experten von Flightstats ausgewertet, wie viele Flüge der internationalen Airlines im Jahr 2016 mit Verspätung gelandet sind. In der Rangliste der großen Fluggesellschaften kommt die australische Qantas mit 15,7 Prozent unpünktlichen Flügen auf Platz zehn.

Quelle: Flightstats/Bloomberg

Platz 9: TAM Linhas Aéreas (Brasilien)
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Die Airline ist die brasilianische Tochter des südamerikanischen Luftfahrtkonzerns Latam. 2016 waren 14,93 Prozent der Landungen verspätet.

Platz 8: Delta Air Lines (USA)
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Die größte Airline der USA fliegt von ihrem Knotenpunkt Atlanta aus Ziele weltweit an. Das Unternehmen führte 2016 rund 1,9 Millionen Flüge an – nur 14,83 Prozent davon kamen verspätet an.

Platz 7: Singapore Airlines (Singapur)
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Die Fluglinie aus dem ostasiatischen Stadtstaat fliegt Ziele auf der ganzen Welt an. Von den gut 85.000 Flügen im Jahr 2016 kamen 14,55 Prozent unpünktlich an.

Platz 6: ANA (Japan)
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All Nippon Airways ist die größte japanische Airline. Im vergangenen Jahr landeten 14,46 Prozent der Flüge mit Verspätung.

Platz 5: Austrian (Österreich)
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Die Lufthansa-Tochter aus Österreich hat es mit ihrer Pünktlichkeitsbilanz auf den fünften Platz geschafft. 14,26 Prozent der Ankünfte waren 2016 verspätet.

Platz 4: Qatar Airways (Katar)
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Von den angriffslustigen Airlines vom persischen Golf hat es nur die Fluggesellschaft aus dem Emirat Katar in die Spitze geschafft. Hier kamen vergangenes Jahr 13,66 Prozent der Flüge zu spät an.

Durchaus nachteilig für die Lufthansa könnte sich ein Scheitern der Übernahmeverhandlungen mit dem zweiten Bieter Easyjet auswirken. „Falls Easyjet aussteigt, wird die kartellrechtliche Genehmigung für Lufthansa noch schwieriger zu bekommen sein“, sagte Wissel. Auch Anwalt Gramsch sieht zusätzliche Probleme, weil die EU-Kommission letztlich immer den Gesamtmarkt im Blick haben müsse. „Das Wegfallen eines weiteren Bieters ist schlecht für die Marktstruktur.“ Er rechne mit einem halben Jahr Verfahrensdauer.

Trotz kartellrechtlicher Bedenken bei Air Berlin plant Lufthansa-Chef Spohr weitere Zukäufe und zieht ein Engagement bei der insolventen Alitalia nach einem möglichen Umbau in Betracht. „Italien ist ein wichtiger Markt für uns. Und die Alitalia, wie sie heute existiert, ist kein Thema“, sagte Spohr am Donnerstag. Sollte es jedoch einen Neustart des nationalen italienischen Carriers geben, sähe die Sache anders aus.

Eine neue Alitalia gebe es noch nicht. „Aber wenn es eine Chance gibt, eine neue Alitalia zu kreieren, dann wird die Lufthansa-Gruppe als Nummer eins in Europa an den Gesprächen interessiert sein“, sagte Spohr. Am Montag läuft die Bieterfrist für die angeschlagene Alitalia ab. Ryanair hatte kürzlich sein Übernahmeangebot zurückgezogen. Ob die Lufthansa bis Montag ein Gebot abgeben wird, ließ Spohr offen.

Lufthansa schnappt sich große Teile von Air Berlin

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  • dpa
  • rtr
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