Poker um Pleite-Airline
Lufthansa kauft Teile von Air Berlin – Easyjet-Deal in der Schwebe

Die Lufthansa übernimmt für 210 Millionen Euro große Teile der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin. Mit Easyjet laufen die Verhandlungen dagegen weiter. Scheitern sie, wäre das auch für die Lufthansa ein Problem.
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BerlinZwei Monate nach der Pleite ist die Übernahme eines großen Teils der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin durch die Lufthansa unter Dach und Fach. Man werde einen echten Meilenstein in der Geschichte von Lufthansa und Berlin sehen, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Donnerstag in Berlin. Die Lufthansa zahlt für die Übernahme voraussichtlich etwa 210 Millionen Euro, wie Air Berlin mitteilte. Der Preis könne aber noch angepasst werden, wenn der Kaufvertrag vollzogen wird.

Die Lufthansa übernimmt demnach die Tochtergesellschaften Niki und Luftfahrtgesellschaft Walter mit zusammen 1300 Beschäftigten sowie 20 weitere Flugzeuge der Air Berlin. Damit gehen voraussichtlich bis Jahresende 81 der zuletzt gut 130 Flugzeuge der Air-Berlin-Flotte an Eurowings, der Billigflugtochter des deutschen Branchenprimus. „Heute in wenigen Stunden mit der Unterschrift wird die Lufthansa-Gruppe endgültig wieder zum Heimatcarrier für Berlin“, sagt Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Schließlich sei die Kranich-Airline 1926 in Berlin gegründet worden.

Mit dem Deal sollte Air Berlin in der Lage sein, den Bundeskredit von 150 Millionen Euro zurückzuzahlen, der die Airline seit dem Insolvenzantrag vor zwei Monaten in der Luft hält. Die Gläubiger haben noch nicht über den Verkauf entschieden, zudem wird die europäische Wettbewerbsbehörde in Brüssel das Geschäft prüfen. „Jetzt wollen wir insgesamt 1,5 Milliarden Euro in das Wachstum der Eurowings investieren und damit 3000 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen“, hatte Spohr im Interview mit dem Handelsblatt erklärt.

Air Berlin hatte zuletzt mitgeteilt, die Airline sehe gute Chancen, dass etwa 80 Prozent der 8000 Mitarbeiter bei anderen Unternehmen einen neuen Arbeitsplatz erhalten könnten. Spohr setzt darauf, dass es bis Ende des Jahres grünes Licht von der EU-Kommission für die kartellrechtliche Prüfung gibt. Bei den Verhandlungen mit der britischen Fluggesellschaft Easyjet gibt es dagegen noch keine Einigung: „Wir verhandeln heute mit Easyjet weiter“, sagte ein Air-Berlin-Sprecher am Donnerstag. Nach früheren Aussagen der Air Berlin interessiert sich Easyjet für 27 bis 30 Mittelstreckenflugzeuge. Lufthansa-Chef Carsten Spohr sprach am Donnerstag von 20 bis 30 Flugzeugen, die Easyjet in Berlin und Düsseldorf stationieren wolle.

Spohr wollte im Handelsblatt-Interview Preiserhöhungen auf einzelnen Strecken nicht dezidiert ausschließen. „In unserer Branche sind die Preise wie in keiner anderen in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken“, sagte er: „Teilweise sind sie so niedrig, dass Airlines nicht mehr überleben konnten. Das zeigen die vergangenen Wochen sehr deutlich.“

Dennoch werde es auch künftig Wettbewerb geben, wenn auch nicht auf allen Strecken: „Monopole gibt es in unserer Branche nicht: Wenn eine Strecke mehr als 200.000 Passagiere pro Jahr hat, etabliert sich sehr schnell ein zweiter Anbieter“, sagte der Lufthansa-Chef: „Ich bin mir sicher, dass wir insgesamt einen noch härteren Wettbewerb von gesunden Airlines erleben werden. Und wenn Sie uns mit anderen Branchen vergleichen, werden Sie feststellen, dass der Wettbewerb unter den Airlines einer der härtesten überhaupt ist.“

Generell wird Air Berlin voraussichtlich ab Ende Oktober nicht mehr unter eigener Flugnummer fliegen, wie es in einem Brief der Firmenleitung an die Mitarbeiter vom Montag hieß. Der insolventen Gesellschaft sei ein eigenwirtschaftlicher Verkehr unter dem Airline-Code AB „nach gegenwärtigem Erkenntnisstand spätestens ab dem 28. Oktober nicht mehr möglich“. Tickets für spätere Flüge verlieren ihre Gültigkeit. Der Flugverkehr der nicht insolventen Töchter Niki und LG Walter soll weitergeführt werden

Wie Spohr am Donnerstag in Berlin erklärte, wird die Lufthansa während der Übernahme allerdings im Betrieb noch mindestens ein halbes Jahr improvisieren müssen. „Wir werden das irgendwie hinbekommen“, sagte der Lufthansa-Chef. Das werde aber nicht ohne „Ruckeleien“ gehen. Man habe Piloten aus dem Urlaub zurück geholt und fliege innerhalb Deutschlands auch mit Jumbo-Jets, um alle Passagiere aufnehmen zu können. Tausende Mitarbeiter müssten eingestellt werden, zugleich sei der Übergang der Air-Berlin-Flugzeuge beim Luftfahrbundesamt aufwendig. Ein stabiler Betrieb sei in sechs bis neun Monaten zu erwarten.

Spohr kündigte an, zum Teil auch bei der Langstrecke Lücken zu schließen, die Air Berlin hinterlassen hat. Demnach wird der Kranich-Konzern die Strecke Berlin-New York anbieten und möglicherweise auch eine zweite Langstrecke einrichten. Man freue sich auf die neue Rolle als Marktführer in Berlin, dem dynamischsten Markt in Europa, sagte Spohr.

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Kartellrechtler mit Bedenken

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