Politiker fordern Rückzahlung liquider Mittel
DSD-Aktionäre votieren für Verkauf an KKR

Die 553 Aktionäre des Dualen Systems Deutschland (DSD) haben dem Verkauf der Grüne-Punkt-Gesellschaft gestern in Köln mit großer Mehrheit zugestimmt. Rund 99,9 Prozent von ihnen sprachen sich dafür aus, den Entsorger von Verpackungsmüll der US-Beteiligungsgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) zu überlassen.

cs HB DÜSSELDORF. Sie bietet ihnen bis 23. Dezember für ihre jeweils fünf Aktien, die 1997 zum Wert von 5 000 Mark gezeichnet wurden, nun 468 250 Euro.

Die US-Beteiligungsgesellschaft macht mit der Übernahme kein schlechtes Geschäft. Für den Aktienkauf und die zusätzlichen Ausgleichszahlungen sollen 807 Mill. Euro fließen. Dafür erhält die Gesellschaft ein Unternehmen, das mindestens 836 Mill. an Geldreserven besitzt. Zwar ist davon ein Teil für Unternehmensrisiken reserviert, die liquide Ausstattung bleibt aber komfortabel: Wertpapiere und Barmittel entsprechen in ihrer Höhe rund der Hälfte des DSD-Jahresumsatzes – eine Risikovorsorge, die mit der des Atomkraftwerkbetreibers Eon vergleichbar ist.

Weil das Finanzpolster in der Vergangenheit durch möglicherweise überhöhte Lizenzzahlungen für den Grünen Punkt gebildet wurde, schalteten sich inzwischen mehrere Politiker in die Diskussion ein. NRW-Verbraucherministerin Bärbel Höhn und die Umweltexpertin der Grünen, Antje Vogel-Sperl, verlangten, dass diese „Zwangsabgabe für die Bürger“ wieder an sie zurückgezahlt werden solle.

KKR-Projektleiter Reinhard Gorenflos hält dem entgegen, dass der Liquidität von 836 Mill. Euro Rückstellungen für Risiken aus dem laufenden Geschäft von 661 Mill. Euro gegenüberstünden, davon 372 Mill. Euro für Risiken aus der Verwertung und Entsorgung und 176 Mill. Euro für „spezielle Risiken“. Sie seien zwar möglicherweise „konservativ“ angesetzt, von den Wirtschaftsprüfern aber testiert worden, sagte er dem Handelsblatt.

Wie Gorenflos ausführte, wird KKR selbst lediglich 260 Mill. Euro für den Aktienkauf bezahlen. Die 75 Mill. Euro, die man den eigenen Kunden als zusätzliche Preissenkung versprochen hat, zahle das DSD aus seinem Cash-Flow. Die Rückvergütungen über 160 Mill. Euro, Auszahlungen der stillen Gesellschafterdarlehen über 122 Mill. Euro und die Umstellungsprämie von 190 Mill. Euro sollen aus den Barreserven des DSD gezahlt werden.

In einer Presseerklärung wies das DSD darauf hin, dass den 836 Mill. Euro Liquidität Verbindlichkeiten von 814 Mill. Euro gegenüberstünden. Außer den Rückstellungen seien dies die Darlehen der stillen Gesellschafter, rechnet DSD vor. Durch die KKR-Übernahme für den Kaufpreis von 807 Mill. Euro werden die Forderungen der stillen Gesellschafter jedoch bereits abgelöst.

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