Politiker fordern Wiederholung der Aktion
Billige Bahn-Billetts machen Lust auf mehr

Politiker haben Bahn-Chef Mehdorn nach der Lidl-Aktion aufgefordert, vermehrt günstige Tickets anzubieten, auch im Nahverkehr. Doch der stellt sich taub.

HB BERLIN. „Die Aktion ist aus Verbrauchersicht sehr zu begrüßen. Sie zeigt, dass man mit geschicktem Marketing Bahnfahren attraktiv und populär machen kann“, sagte Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) der „Berliner Zeitung“ (Freitagsausgabe).

Mit dem Verkauf von mehr als einer Millionen Billigtickets für 49,90 Euro hatte die Bahn am Donnerstag einen Ansturm auf den Discounter Lidl ausgelöst. Jeder Kunde konnte bis zu fünf Hefte mit je zwei Tickets erwerben. In die Fahrkarten müssen nur Start- und Zielbahnhof sowie Reisedaten eingetragen werden. Viele Kunden waren aber leer ausgegangen.

Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Michael Müller appellierte an die Bahn, aus dem Fernverkehrs-Experiment auch Lehren für den Regional- und Nahverkehr zu ziehen: „Auch im Nahbereich ließe sich ein Mehraufkommen von Fahrgästen durch billigere Tarife erreichen.“ Niedrigere Preise und eine höhere Taktfrequenz könnten viele Menschen zur Bahn locken.

Wie es scheint, werden nach dem preisgünstigen Ticket-Verkauf bei Lidl die Bahnfahrer in absehbarer Zeit aber kein zweites Mal Fahrscheine zum Schnäppchenpreis beim Discounter erwerben können. „Das war eine einmalige Werbemaßnahme“, sagte Bahn-Chef Hartmut Mehdorn am Donnerstagabend im ZDF. Ziel sei gewesen, ein Bewusstsein für billiges Bahnfahren zu schaffen und vor allem Nicht-Bahnfahrer anzulocken.

Nur jeder zweite Deutsche fahre Bahn und es gebe noch viel Platz in den Zügen. „Wir haben festgestellt, dass bei solchen Aktionen 40 Prozent von denen, die sich eine Fahrkarte gekauft haben, wiederkommen und sagen, es war doch toll mit der Bahn.“ Er glaube, dass mit der Werbemaßnahme viele Neukunden gewonnen werden konnten.

Einen Beleg dafür, dass die Bahn ihr Preissystem ändern und mehr günstige Tickets anbieten müsse, war der Ansturm auf die günstigen Fahrkarten aus Mehdorns Sicht aber nicht. Die Menschen seien durchaus bereit, mehr Geld für Fahrkarten auszugeben, sagte er. Das zeige sich auch in den Internet-Auktionen, in denen manche Bieter ein Mehrfaches des Verkaufspreises von 49,90 Euro für die Schnäppchen-Ticktes böten.

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