Porträt
Goldene Zeiten bei Karstadt-Quelle lange vorbei

Die Krise bei Europas größtem Warenhaus- und Versandhandelskonzern Karstadt-Quelle hat sich lange angebahnt. Seit Jahren tritt der Einzelhandel auf der Stelle. Besonders die Innenstädte spüren die Kaufzurückhaltung der Verbraucher, die überdies bevorzugt bei Discountern oder in großen Einkaufszentren ihre Besorgungen machen.

HB ESSEN. Das klassische Warenhauskonzept als Anbieter nahezu aller Produkte unter einem Dach hat sich längst überlebt. Vor allem die schwache Auslandspräsenz und die Expansionswut des Managements im Inland wurde dem Essener Traditionshaus zum Verhängnis. Gegründet wurde das Unternehmen am 14. Mai 1881 vom Einzelhandelskaufmann Rudolph Karstadt im mecklenburgischen Wismar. Die 20-er Jahre im Wiederaufbau des vom Ersten Weltkrieg gebeutelten Deutschland wurden dann die goldenen Jahre der Warenhäuser.

1923 ging Karstadt an die Börse, vier Jahre später wurde Quelle gegründet. Die Wirtschaftskrise Ende des Jahrzehnts und zu Beginn der 30er Jahre stürzte auch Karstadt in eine Krise, ein Bankenkonsortium half aber. Im Zweiten Weltkrieg zerfiel ein Großteil der Warenhäuser in Trümmer, in Ostdeutschland wurden nach dem Krieg zudem 22 Filialen enteignet. Doch bereits 1956 zählte der Konzern wieder 49 Häuser. In den 70er Jahren wagte der Konzern den Einstieg in das Touristikgeschäft mit Neckermann und Reisen (NUR).

Verzettelung in jüngster Vergangenheit

Seit Ende der 70er Jahre gingen Umsatzsteigerungen vornehmlich nur noch auf neue Filialen und Übernahmen zurück. 1977 stieg Karstadt mehrheitlich bei Neckermann und damit in das Versandgeschäft ein, 1984 wurde Neckermann in den Konzern eingegliedert. Seitdem wuchs das Unternehmen vor allem durch die Übernahme von Konkurrenten im Inland, die selbst ihre besten Zeiten hinter sich hatten, wie Hertie 1994. Die heutige Struktur entstand 1999 mit der Fusion von Karstadt und Quelle.

Die von Branchenexperten kritisierte Verzettelung geht auf die jüngste Vergangenheit zurück. So gründete Karstadt 1997 mit der Lufthansa ein Touristik-Gemeinschaftsunternehmen, den heutigen Thomas-Cook-Konzern, der zuletzt herbe Verluste brachte. 2001 erwarben die Essener die Textilkette SinnLeffers, eine Beteiligung an den Golf-House-Filialen und gründeten ein Joint Venture zum Betrieb der US-Kaffeehauskette Starbucks in Deutschland. Später kamen sogar Fitness-Center hinzu. Insgesamt gehörten Ende vergangenen Jahres 368 in- und 92 ausländische Firmen zum Konzern.

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