Portrait
Klaus Zumwinkel: Vom Wunderkind zum Buhmann

Zuletzt stand er schon in den Schlagzeilen, weil er unmittelbar nach Einführung eines Mindestlohns in der Postbranche seine Aktien gewinnbringend verkauft hatte. Jetzt aber soll es Post-Chef Klaus Zumwinkel endgültig zu weit getrieben haben. Die Vorwürfe der Steuerhinterziehung könnten das tragische Ende einer langen Karriere sein.

spr/ HB DÜSSELDORF. Klaus Zumwinkel ist lange so etwas wie ein heimlicher Star in der deutschen Wirtschaft gewesen. Still, unauffällig, aber auch durchsetzungsstark und erfolgreich. Als der Chef der Deutschen Post zur Jahrtausendwende aus dem ehemaligen Staatsbetrieb einen Weltkonzern formte und diesen an die Börse brachte, erntete der deutsche Manager national wie international viel Lob für seine Arbeit. Es war der Gipfel einer Karriere, die bis vor kurzem nur eine Richtung kannte: nach oben.

Die Grundlagen für seine Managerlaufbahn wurden Klaus Zumwinkel quasi zur Geburt 1943 in die Wiege gelegt. Seinem Vater gehörten die Zumwinkel-Handelsunternehmen. Der Sohn übernahm die Kette nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Münster und anschließender Promotion. 1971 verkaufte er die zehn Kaufhäuser und 50 Discounter mit Gewinn an Rewe. Wenig später fing er als Berater bei McKinsey an, erst in Düsseldorf, dann in New York. 1979 wurde Zumwinkel Partner, 1984 stieg er in die weltweite Geschäftsführung auf.

An der Spitze des Versandhauses Quelle sammelte Zumwinkel ab 1985 die Managementerfahrungen, die ihn 1989 für den Job als Vorstandsvorsitzender der "Deutschen Bundespost Postdienst" qualifizierten - als erster Post-Chef, der nicht im Rang eines Bundesministers rangierte. Aus dem Staatsbetrieb hat er seitdem den größten Logistikkonzern der Welt gebaut. Die Deutsche Post World Net, wie sich die Post heute nennt, ist mit einer halben Million Beschäftigten der sechstgrößte Arbeitgeber weltweit, der Konzern hat in mehr Ländern Niederlassungen als die katholische Kirche. 1989 machte die Behördenpost jeden Tag eine Million Mark Verlust, heute wird das Unternehmen an der Börse mit 35 Milliarden Euro bewertet. Das alles ist Zumwinkels Werk.

Niemand steht länger an der Spitze eines Dax-Konzerns, kaum ein deutscher Manager gilt als besser vernetzt, vor allem in die Spitzen der Politik. Ob Post, Telekom oder Lufthansa - in den privatisierten Staatsbetrieben sitzt Zumwinkel an entscheidenden Posten, in Vorstand oder Aufsichtsrat. Aber der Post-Chef hat sich vor allem in letzter Zeit nicht nur Freunde gemacht. Im Gegenteil. Gerade in den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft wurde Zumwinkel zunehmend unbeliebter.

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