Porzellan-Manufaktur Meissen: Chef Christian Kurtzke geht

Porzellan-Manufaktur Meissen
Chef Christian Kurtzke geht

Der Chef der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen, Christian Kurtzke, verabschiedet sich aus dem Traditionsunternehmen. Der selbsterklärte Pionier will sich anderen Aufgaben zuwenden. Der Schritt kommt überraschend.
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MeißenDer 45-Jährige wolle zu einem großen deutschen Unternehmen wechseln, sagte Sprecherin Elena Kleiber auf Anfrage. Zuvor hatte die „Sächsische Zeitung“ über den Personalwechsel berichtet. Kurtzke sehe das Unternehmen für die Zukunft gerüstet und gut aufgestellt. „Pioniere ziehen weiter, die Siedler bauen aus“, zitierte die Sprecherin den bisherigen Chef der Porzellanmanufaktur. Laut Finanzministerium wird Kurtzke die Manufaktur in den kommenden Wochen verlassen.

Zunächst führt der kaufmännische Geschäftsführer Tillmann Blaschke die Geschäfte, laut Ministerium soll aber wieder ein weiterer Geschäftsführer berufen werden. „Es soll, unter Fokussierung auf das Kerngeschäft, der Wachstumskurs fortgesetzt werden“, hieß es. Aufsichtsratschef Kurt Biedenkopf wollte sich nicht äußern.

Kurtzke, der die Manufaktur seit 2008 führte, war umstritten. Er hat das 300 Jahre alte Unternehmen in den vergangenen Jahren einem radikalen Wandel unterzogen. Unter der Dachmarke Meissen Couture baute Kurtzke die Manufaktur mit rund 650 Arbeitsplätzen zu einem internationalen Luxuskonzern um. Produkte wie Mode, Schmuck und Möbel wurden ins Programm genommen. Erst im Januar hatte die Manufaktur ihre erste große Filiale in China, in Peking, eröffnet, im April soll die nächste in Shanghai folgen. Über Franchise-Partner werden auch Shops in London, in Japan, Aserbaidschan und Taiwan betrieben.

Weil es Differenzen über den Umbau gab, hatte der Freistaat das Konzept von einer Wirtschaftsberatungsgesellschaft prüfen lassen. Danach bekam Kurtzke einen kaufmännischen Geschäftsführer an die Seite gestellt. Zudem wurde ein Beirat ins Leben gerufen, der das Unternehmen künftig bei strategischen Fragen beraten soll.

Kurtzke gilt auf der einen Seite als Modernisierer des Traditionsunternehmens, andererseits geriet er immer wieder in die Kritik: 2010 hatte die Manufaktur in einer nächtlichen Aktion einen Teil ihrer alten, unverkäuflichen Bestände zertrümmert und entsorgt. Im selben Jahr wurden 180 Mitarbeiter entlassen. Lange hatten die Stadt Meißen und die Manufaktur um die Nutzung der Marke „Meissen“ gestritten. Ende 2014 einigten sich beide Seiten darauf, dass alle Unternehmen der Stadt das Recht haben sollen, die Ortsbezeichnung in ihrem Namen zu führen - direkte Wettbewerber ausgenommen.

Der Staatsbetrieb ist noch nicht rentabel: 2013 wies das Unternehmen einen Fehlbetrag von 2,2 Millionen Euro aus. Die Manufaktur erhielt 2013 ein Gesellschafterdarlehen von 12,2 Millionen Euro. 2014 kamen laut Finanzministerium weitere Kredite von 9,8 Millionen Euro dazu.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ein großer Tag für den Freistaat Sachsen!

    Passt ins Gesamtbild dieses Mannes.
    Lesen Sie die Vita von Herrn Kurtzke.

    Immer auf der Flucht.

    Lange hat es der feine Herr nirgendwo ausgehalten.

    Unterm Strich wieder mehr Schaden als Nutzen, diesmal für Meissen.

    Danke, für nichts, auch an seinen "Ziehvater" König Kurt.

    Finanziell gesehen hat der Um- und Ausbau des Staatsbetriebes das Unternehmen stark belastet.
    Zeitweise musste ein Ausgabenstopp verhängt werden, um die Geldprobleme in Griff zu bekommen.

    Der Freistaat sprang mehrmals mit Steuergeldern ein.

    So erhielt die Manufaktur 2013 ein Gesellschafterdarlehen von 12,2 Millionen Euro. 2014 kam ein weiterer Kredit von 9,8 Millionen Euro dazu.

    Die letzte veröffentlichte Bilanz von 2013 weist einen Fehlbetrag von 2,2 Millionen Euro aus.

    Aufsichtsratschef Kurtz Biedenkopf geht davon aus, dass spätestens 2019 wieder ein Gewinn zu verzeichnen sein sollte.
    Aktuell ist die Finanzierung über den Verkauf des gesamten Museums- und Formenbestandes an eine neue Stiftung des Freistaates gesichert.
    Als Kaufsumme stehen insgesamt 26 Millionen Euro im Raum.

    In der Stadt Meißen und Sachsen wird Kurtzkes Wirken zwiespältig beurteilt.

    Eine Erneuerung in der Manufaktur sei zwar überfällig gewesen, allerdings habe Kurtzke diese mit wenig Feingefühl für die Befindlichkeiten der Mitarbeiterschaft durchgezogen.

    Herr Kurtzke war und ist kein Pionier, er ist ein systemkonformer Blender!

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