Post als grüner Logistiker
Auf die Kuh gekommen

Was hat die schwarz-weiße Kuh auf den Internetseiten der Deutschen Post World Net verloren? Die Antwort: Die Kuh, genauer ihre gasförmigen Hinterlassenschaften, sind Gegenstand einer neuen Marketing-Kampagne der Post: Unter dem Markennamen GoGreen verkauft der gelbe Riese den „klimaneutralen“ Transport „grüner Pakete“ in alle Welt.

DÜSSELDORF. Methangas, also das, was dem Wiederkäuer während der Verdauung vorne und hinten entweicht, ist der mit Abstand größte Klimakiller. Ein Thema für die Post – den größten Logistikkonzern der Welt und nun wohl auch der grünste. Angesichts der erwarteten Klimakatastrophe frei nach dem Motto „Holland in Not“ trifft die Post mit dem grünen Paket „just in time“ den Zeitgeist. Weitere Ideen sind zu erwarten, denn heute eröffnet die Post in Troisdorf bei Bonn ein Innovation Center.

Allerdings: Bezahlen müssen nach wie vor die Kunden. Öko kostet extra – auch bei der Post. Gegen einen Aufpreis von zwei Prozent oder einen Zuschlag von zehn Cent pro Paket können Geschäfts- wie Privatkunden ihr schlechtes Umwelt-Gewissen beruhigen. Zwar unterscheidet sich die Transportweise des „grünen Pakets“ nicht von der eines herkömmlichen Pakets. Beide werden mit Kerosinfressern weiter um den Globus geflogen und per Dieselschlucker bis in den letzten Winkel der Erde gekarrt, Emissionen hin oder her. Ein Verzicht wird erst gar nicht erwogen. Der wäre schlecht fürs Geschäft. Doch steckt die Post das zusätzliche Öko-Geld in Umweltprojekte, um die bei der Beförderung emittierten CO2-Werte nachträglich zu kompensieren – sozusagen ein ökologischer Kuhhandel.

Ganz konkret: Rindergülle wird in Gundorf in einer Biomethanisierungsanlage zu Methan vergoren. Daraus wird Strom und Wärme gewonnen. Das Umweltprojekt mit der Kuh wird von der Post gefördert und werbewirksam auf ihren Internetseiten präsentiert. Unterstützt werden auch die Aufforstung von Regenwäldern oder Solarprojekte. Neben den (wenigen) Vorzeige-Projekten rüstet die Post mit dem Öko-Geld ihre Fahrzeugflotte um. Kurierfahrzeuge erhalten alternative Antriebe. Staatliche Förderung nimmt die Post dabei gerne mit. So schaffte sie kürzlich 21 besonders schadstoffarme und leise Lieferfahrzeuge (VW Caddys mit Erdgasantrieb) an, die vom Bundesumweltministerium gefördert werden.

Gegenwärtig setzt die Post weltweit rund 250 mit alternativen Kraftstoffen wie Erdgas, Biogas oder Pflanzenöl betriebene Fahrzeuge ein – von insgesamt 120 000 Fahrzeugen. Eher ein ökologischer Tropfen in der heißen Klimadebatte.

Und was passiert mit der Kuh? Die gehört als Methanproduzent eigentlich in die Wurst. Denn nur weniger Kühe stoßen weniger Methan aus. Bei der Post geht die Rechnung offenbar anders auf: Mehr Pakete bringen weniger CO2.

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