Post-Rivale
TNT trennt Expressgeschäft ab

Der Deutsche-Post-Rivale TNT reagiert auf die Rückgänge in der Briefsparte. Der niederländische Logistikkonzern löst sein Expressgeschäft von der Sparte ab, trennt sich aber nicht völlig davon.
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HB AMSTERDAM. Der vom Staatskonzern zum Logistikriesen avancierteDeutsche-Post-Rivale TNT kehrt zu seinen Wurzeln als Briefdienstleister zurück. Das niederländische Unternehmen trennt sein Expressgeschäft von der traditionellen Briefsparte ab. Grund für die Aufspaltung in zwei börsennotierte Unternehmen seien unterschiedliche Strategien und begrenzte Synergien zwischen beiden Geschäften, teilte TNT am Donnerstag mit.

Das Expressgeschäft der Niederländer gilt als Übernahmeziel, auf das Analysten zufolge die beiden Weltgrößen FedEx und UPS ein Auge werfen könnten. Für die Briefsparte gelte auch nach der Aufspaltung weiter das Ziel der Umstrukturierung, sagte TNT-Chef Peter Bakker. Der Briefbereich umfasst die Geschäfte in den Niederlanden, Deutschland, Italien und Großbritannien. TNT Brief will vor allem im Ausland und mit dem Paketdienst wachsen.

Das Expressgeschäft konzentriere sich auf die besonders schnelle Zustellung von Sendungen sowie auf Fracht und Mehrwertangebote, teilte das Unternehmen weiter mit. Die seit längerem erwartete Umstrukturierung soll bis Anfang kommenden Jahres abgeschlossen werden. Damit reagieren die Niederländer auf das rückläufige Postgeschäft mit dem klassischen Brief. Der stetig wachsende Gebrauch elektronischer Post macht vielen Anbietern traditioneller Briefdienste zu schaffen.

Die Aufspaltung ist eine neue Wendung in der wechselvollen Geschichte des Unternehmens. Aus der Privatisierung des niederländischen Post- und Telefondienst ging 1994 das Unternehmen KPN hervor. Mit dem Kauf des damals australischen Konzerns TNT 1996 wagte sich KPN ins Expressgeschäft vor. Zwei Jahre später wurde die Postsparte vom KPN-Telekommunikationskonzern abgespalten und 2005 in TNT umbenannt.

Der Expressbereich werde wohl vom 1. Juni an der Börse gehandelt, sagte TNT-Chef Bakker. TNT behalte aber zunächst noch einen knapp 30-prozentigen Anteil. So könne verhindert werden, dass TNT für die Aufspaltung zunächst noch sein Kapital erhöhen müsste. Der Anteil von 29,9 Prozent könne verkauft werden, wenn ein von den Aktionären gutgeheißenes Übernahmeangebot eingehe.

Laut ING-Analyst Axel Funhoff könnte TNT Express für insgesamt etwas weniger als zehn Milliarden Euro den Besitzer wechseln. Das TNT-Briefgeschäft bewertet Funhoff zwischen drei bis vier Milliarden Euro. Der Preis hänge davon ab, ob dieser Bereich an der Börse bleibe oder vorher von Finanzinvestoren übernommen werde. Derzeit beläuft sich der Marktwert von TNT auf sieben Milliarden Euro (neun Milliarden Dollar). UPS wird mit 70 Milliarden Dollar und Fedex mit 28 Milliarden Dollar bewertet. Mit den Einnahmen könnte TNT seine Schulden abbauen.

Bis die Aufspaltung abgeschlossen ist, bleibt Bakker den Angaben zufolge Chef des Unternehmens. Die Führung des Expressgeschäfts übernehme Marie-Christine Lombard, das Briefgeschäft Harry Koorstra. Die Expressabteilung solle bis 2015 einen Vorsteuergewinn (Ebit) von 900 Millionen bis 1,0 Milliarden Euro erreichen. Das Briefgeschäft peilt 300 bis 370 Millionen Euro an.

Die Details der Aufspaltung trieben TNT-Aktien kräftig in die Höhe. Erleichtert zeigten sich die Anleger vor allem, dass TNT für die Trennung keine Kapitalerhöhung für notwendig erachte. Die Papiere starteten 6,5 Prozent höher in den Handel und notierten später noch gut fünf Prozent im Plus.

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