Postdienstleister
Deutsche Post baut Dominanz im Briefmarkt aus

Eine der letzten großen Projekte von Klaus Zumwinkel, dem ehemaligen Chef der Deutschen Post, war, sich die kleinen Konkurrenten im Briefgeschäft vom Hals zu halten. Das hat offenbar geklappt: Die Deutsche Post hat trotz völliger Öffnung des Markts bei der Briefzustellung ihre dominante Position noch ausgebaut.

DÜSSELDORF. Wettbewerb auf dem Briefmarkt ist weiterhin nicht in Sicht. Die Deutsche Post baut trotz der vollständigen Marktöffnung ihre dominante Stellung aus. Ein funktionsfähiger und chancengleicher Wettbewerb habe sich bislang nicht eingestellt, lautet das Fazit im Jahresbericht der Bundesnetzagentur. Das Briefmonopol der Post war Ende 2007 endgültig ausgelaufen.

Der Briefmarkt habe bei einem Umsatzvolumen von knapp zehn Mrd. Euro stagniert, sagte Behördenpräsident Matthias Kurth. Im ersten Jahr der vollständigen Marktöffnung sei die Liberalisierung, die zu einem verbesserten Dienstleistungsangebot, sinkenden Preisen und neuen Arbeitsplätzen geführt habe, gebremst worden. Auswirkungen der Finanzkrise auf den Briefmarkt sieht die Behörde im Gegensatz zum Paketmarkt dagegen bisher nicht.

Die Bundesnetzagentur macht vor allem die Hängepartie um den Post-Mindestlohn und das schwebende Verfahren zur Neuregelung der einseitigen Umsatzsteuerbefreiung der Post für die Entwicklung verantwortlich. Die Verminderung dieser Marktunsicherheiten könne dem Wettbewerb neue Impulse verleihen, heißt es in dem Bericht.

Der bundesweit geltende Mindestlohn von acht beziehungsweise 9,80 Euro pro Stunde wird von den Konkurrenten als zu hoch kritisiert. Zwar hat das Oberverwaltungsgericht Berlin im Dezember 2008 in zweiter Instanz erklärt, dass der Mindestlohn rechtswidrig ist.

Daraufhin hatte die Branche aufgeatmet und das Urteil als Sieg des Wettbewerbs gefeiert, denn viele Postunternehmen nutzen das starke Lohngefälle zum Marktführer für den Preiswettbewerb. Gegen das Urteil hat Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) aber Berufung eingelegt. Damit ist das Verfahren weiterhin offen.

Die Post kam in Deutschland 2008 nach Umsatz auf einen Marktanteil von 89,3 Prozent, nach 88,7 Prozent im Vorjahr. Beim Sendungsaufkommen ist ihr Anteil von 91,3 auf 91,6 Prozent gestiegen. Bei den rund 800 Wettbewerbern haben sich Umsatz und Sendungsaufkommen dagegen leicht verringert und die Betriebsergebnisse wesentlich verschlechtert. Nur 39 Prozent der Post-Konkurrenten erzielen einen Gewinn, 2007 waren es noch 48 Prozent. 38 Prozent arbeiten mit Verlust, gegenüber 22 Prozent 2007.

84 Wettbewerber der Post sind 2008 in die Insolvenz gegangen oder haben das Geschäft aufgegeben, darunter die Pin Group des Verlages Axel Springer. Der zweite große Konkurrent TNT Post, eine Tochter des niederländischen Postkonzerns TNT, wartet noch ab. Das Unternehmen hat aber schon einen Rückzug ins Auge gefasst.

Die Liberalisierung sollte für mehr Beschäftigung sorgen, doch das Gegenteil ist eingetreten: 2008 zählte die Bundesnetzagentur 29 000 Arbeitsplätze bei den Wettbewerbern der Post – rund 19 000 weniger als Anfang 2007. Auch bei der Deutschen Post ging die Beschäftigung um 1 500 auf 166 000 Mitarbeiter zurück.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%