Praktiker: Die Nachwehen der Pleite

Praktiker
Die Nachwehen der Pleite

Die Praktiker-Pleite hat bis heute Spuren hinterlassen. Die ehemaligen Konkurrenten der Baumarkt-Kette haben das seitdem entstandene Umsatzloch nicht füllen können. Doch für 2015 gibt sich die Branche optimistisch.
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FrankfurtDie Sonne scheint, die Blumen blühen – die Gartensaison hat wieder begonnen. Nutznießer des guten Wetters wollen die Baumärkte sein. Für sie beginnt jetzt die wichtigste Verkaufsphase des Jahres. 2014 gab es in der Baumarktbranche „einen fantastischen Frühling“, sagte Peter Wüst, Geschäftsführer des Handelsverbands Heimwerken, Bauen und Garten (BHB), in Frankfurt. Der Umsatz im März 2014 war wetterbedingt um ganze 40 Prozent höher als im Vorjahresmonat.

Insgesamt aber verlief das vergangene Jahr nicht so blühend: Der Umsatz der deutschen Baumärkte fiel um 6,2 Prozent. Ab dem zweiten Quartal blieben die Baumärkte hinter ihren Vorjahreswerten zurück. Flächenbereinigt hätten die Baumärkte ihren Umsatz aber um fünf Prozent steigern können, sagte ein Verbandssprecher.

Die Branche ist noch heute von der Pleite der Baumarktkette Praktiker geprägt. Das preisaggressive Unternehmen, das durch seinen Werbeslogan „20 Prozent auf alles“ bekannt geworden war, musste im Herbst 2013 Insolvenz anmelden. Praktiker war bis zu seinem Austritt die Nummer drei am Markt, sorgte für 12 Prozent des Gesamtumsatzes.

Wegen dieses besonderen Umstands lässt der BHB eine weitere Umsatzzahl errechnen. Das Ergebnis: Hätte es die Praktiker-Pleite nicht gegeben, wäre der Umsatz 2014 um 8,8 Prozent gestiegen.

Faktisch aber ist Praktiker pleite. Und das hat in der Branche ein großes Umsatzloch hinterlassen. Jenes konnten die verbleibenden Baumärkte 2014 nicht komplett füllen. „Die Praktiker-Pleite bedeutet nicht, dass die ehemaligen Kunden jetzt automatisch zu anderen Baumärkten gehen“, sagte Wüst. Sie haben im Internet und bei Discountern Alternativen gefunden.

Heute steht fast die Hälfte der ehemaligen 301 Verkaufsstellen von Praktiker und dessen Ableger Max Bahr noch leer. Praktiker investierte in viele unattraktive Standorte. Die will die Konkurrenz nicht haben. 132 Standorte (44 Prozent) hat bislang die Konkurrenz gekauft, jede zehnte Filiale haben Modehäuser, Fahrzeugläden oder Lebensmittelgeschäfte übernommen.

Insgesamt ging die Zahl der Filialen um 80 auf 2118 zurück. In nächster Zeit werden 25 ehemalige Praktiker-Standorte wieder eröffnen. Die Umbaumaßnahmen erwiesen sich dort als langwierig. Zum Ende des Jahres soll der Umbruch der Branche dann abgeschlossen sein, sagte der Manager der Baumarktkette Globus, Erich Huwer.

Mit Blick auf die anstehenden Eröffnungen gibt sich der Verband für 2015 optimistisch. Der BHB rechnet mit einem Wachstum von 4,1 Prozent (flächenbereinigt geht er von bis zu 2,5 Prozent aus). Um das Geschäft anzukurbeln, setzen die Baumärkte aufs altersgerechte Wohnen. Mit Komfortartikeln, etwa barrierefreien Badewannen, sollen die Wünsche der finanzstärkeren Kunden ab 50 Jahren angesprochen werden.

Der Verband verspricht sich auch durch die günstige Zinslage Investitionen ins Eigenheim. Für den Onlinehandel mit den Do-it-yourself-Artikeln wird 2015 ein überproportionales Umsatzplus von knapp elf Prozent erwartet. Noch ist der Anteil relativ gering.

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