Praktiker- und Bahr-Insovenz Jeder dritte Baumarkt-Job wackelt

Viele Mitarbeiter der insolventen Baumarktketten Praktiker und Max Bahr bangen um ihre Arbeitsplätze. 4.000 von 12.000 Jobs könnten verloren gehen. Derweil zeichnen sich erste Filial-Schließungen ab.
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Die Baumarkt-Kette Max Bahr mit 132 Standorten ist nach der Insolvenz des Mutterkonzerns Praktiker ebenfalls zahlungsunfähig. Praktiker hatte vor zwei Wochen Insolvenz beantragt. Quelle: dpa

Die Baumarkt-Kette Max Bahr mit 132 Standorten ist nach der Insolvenz des Mutterkonzerns Praktiker ebenfalls zahlungsunfähig. Praktiker hatte vor zwei Wochen Insolvenz beantragt.

(Foto: dpa)

Nach den Insolvenzanträgen der Baumarktketten Praktiker und Max Bahr befürchten Arbeitnehmervertreter den Verlust von insgesamt bis zu 4.000 Jobs. „Wenn man ehrlich ist und nichts schönreden will, muss man von der Größenordnung 80 bis 100 Märkten reden, die sich im Moment ernsthaft Sorgen machen müssen“, sagte Max-Bahr-Gesamtbetriebsratschef Ulrich Kruse am Samstag auf dpa-Anfrage. Dabei ging er von einer durchschnittlichen Mitarbeiterzahl pro Markt von 35-40 aus. Zuvor hatte die „Bild“-Zeitung (Samstag) darüber berichtet. „Das ist eine erschreckende Zahl und eine Menge Holz“, sagte er dem Blatt mit Blick auf den drohenden Jobverlust.

Es werde davon ausgegangen, dass von 280 Praktiker- und Max-Bahr-Märkten nur etwa 180 eine Perspektive hätten, sagte Kruse, der auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender von Praktiker ist. Das könne sich noch positiv drehen, wenn man auch Praktiker-Märkte, die nicht zu Max Bahr wechseln können oder sollen, an jemanden verkaufen könne. Aber das seien eben Märkte, die nicht „unbedingt die Top-Baumarkt-Voraussetzungen haben“. Da sei die Frage, was man mit diesen Märkten alternativ machen könne.

Auch die Zentrale in Hamburg müsse wohl bei einer Reduzierung der Märkte mit Einschnitten rechnen, wenn sie überhaupt bestehenbleibe „und der Verkauf nicht an jemanden geht, der schon eine Zentrale hat“. Insgesamt sind nach Konzern-Angaben bei den beiden Baumarktketten in Deutschland 12.000 Menschen beschäftigt, davon 6.775 bei Max Bahr.

Die Praktiker AG wollte zu möglichen Jobverlusten am Samstag nicht Stellung nehmen. „Kein Kommentar zu solchen Spekulationen“, sagte Konzernsprecher Harald Günter auf Anfrage. Er verwies aber darauf, dass das Insolvenzverfahren auch dazu diene, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten und ein Investorenprogramm einzuleiten, das das Unternehmen voranbringe.

Ein Sprecher der Insolvenzverwaltung sagte: „Zu Arbeitsplätzen können wir derzeit gar nichts sagen.“ Dazu müsse der Investorenprozess abgewartet werden. Die Gewerkschaft Verdi hatte am Freitag vor einer drohenden Zerschlagung des gesamten Konzerns gewarnt.

Unterdessen berichtete die „Wirtschaftswoche“, dass sich erste Schließungen von Filialen abzeichneten. Es gehe um rund ein Dutzend Praktiker-Standorte, die kurz vor der Umstellung auf die Schwestermarke Max Bahr standen, hieß es in dem Bericht. Der Sprecher der Insolvenzverwaltung bestätigte am Samstag die Schließungen, betonte aber, dass damit keine endgültige Entscheidung über die Zukunft der betroffenen Standorte gefallen sei.

Der Insolvenzantrag von Max Bahr sei bei einigen Filialen mitten in den Umflaggungsprozess von Praktiker- in Max-Bahr-Märkte gekommen. Da dieser Vorgang aber Investitionsmittel erfordere, sei er im Insolvenzverfahren erst mal gestoppt worden.

Zwei Wochen nach der Baumarktkette Praktiker hatte am Freitag auch deren Tochtergesellschaft Max Bahr in Hamburg Insolvenzanträge für mehrere Firmen eingereicht. Nach dem Rückzug eines Warenkreditversicherers sei die Versorgung der Max-Bahr-Märkte nicht mehr gesichert und es gebe keine positive Prognose für die Fortführung des Unternehmens, hatte Praktiker den Schritt begründet.

Die 132 Märkte bleiben jedoch geöffnet und sollen ihren Geschäftsbetrieb stabilisieren. Max Bahr ist höherwertig positioniert als Praktiker und sollte in Deutschland zur Hauptvertriebslinie der Gruppe ausgebaut werden.

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16 Kommentare zu "Praktiker- und Bahr-Insovenz: Jeder dritte Baumarkt-Job wackelt"

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  • Wo bleibt denn Frau von der Leyen mit ihrem Vorschlag alle Praktiker Angestellten zu Erziehern / Innen umzuschulen? Was bei den "Schlecker Frauen" nicht funktionierte, könnte doch bei Baumarkt Angestellten super klappen.

  • Wenigstens verdienen die Manager Millionen bzw. bekommen für ihre "Leistung" eine Millionen-Abfindung.
    Wo sind die klassischen Betriebswirte, die den dt. Mittelstand "geschaffen" haben? Nur noch Flachzagen auf Egotripp.

  • Mit "dieses kranken Europas" haben Sie aber auch vollkommen überzogen.
    Schade eigtl und sowas von laaaangweilig.

  • Angesichts all dieser Insolvenzen (Quelle, Schlecker, Praktiker etc. etc), der zunehmenden prekären Jobs, der sich weiter entwickelnden Automatisierung/Rationalisierung von Arbeitplätzen (Scannerkassen ohne KassiererInnen, CallCenter über Sprachcomputer etc.), der steigenden Energiepreise (und sonstiger nichtamtlicher Inflation), der Euro- und Schuldenkrise, der Überalterung der Gesellschaft etc. etc. stellt sich doch die Frage, wer in Zukunft all die tollen BMW i3 und sonstigen hochpreisigen deutschen Qualitätsprodukte überhaupt noch kaufen soll?

    Das wird alles noch sehr, sehr lustig.

  • @Klaes: Sauber analysiert, aber vielleicht auch der "Entleihbetrieb" (auch als Sklaventreiber bezeichnet.) Vermutlich hat der Arbeitgeber eine "entgeltgerechte Minderleistung" während seines Sklavensparprogrammes erleben dürfen. Motto: fällt mir für 8,19 irgendwas ein oder auf, ruf ich lieber in China an, beiße mir auf die Lippen, oder belächle den Infarktbedrohten Vorarbeiter.
    Haarig ist die dahinter stehende Tendenz und nicht die einzelne Insolvenz.
    Aber der 08:19 Wonneproppen war doch ein wenig zu eklig.

  • Das Urteil über die Praktikerinsovenz ist ein typisches Bürokratenurteil. Wer soll den ganzen Heimwerkermist denn kaufen? Wer hat ständig was zu nageln?
    Die in den Mietsblöcken fallen per se schon mal als Kunden raus.
    Und ob man sein Brett bei Praktiker kauft oder bei Max Bahr. Oder sein Werkzeug. Und Werkzeug kauft man sowieso nur ein mal im Leben. Das alles kostet überall dasselbe. Deshalb einen Markt weiter zu fahren, das ist Shopping, aber kein Heimwerken.

    In manchen Ecken stehen im Umkreis von 300 Metern 3, 4 Baumärkte! Und alle haben haargenau denselben Sch**ss in den Auslage mit haargenau denselben Preisen.
    Was ich bei Praktiker nicht bekommen habe, habe ich bei Max Bahr un Obi auch nicht bekommen. Das probiert man einmal und dann kauft man bei dem, der am nächsten ist.

    Praktiker ist einfach über. Das Markt ist restlos überstopft mit diesen schwachsinnigen Baumärkten. Genauso wie mit Supermärkten.
    Und die meisten Heimwerker können ihre Bohrmaschinen nicht mal richtig halten. Die kaufen die für ein Loch. Den Hammer für einen Nagel. Dazu 3 Schrauben.

    Da geht noch mehr den Bach runter. Der Zenit dieses kranken Europas ist lange überschritten.

  • Stimmen Angebot und Nachfrage nicht, müssen Unternehmen auch in Deutschland viele Beschäftigte entlassen.

    Die Nachfrage von sämtlichen Produkten in den Südländern bricht seit Jahren ein. Zudem haben ¼ der Beschäftigten in Deutschland einen Lohn der weit unter 9,56 € liegt. Die Kaufkraft in Deutschland ist erbärmlich schwach.

    Der Wettbewerbseinbruch und damit die steigende Arbeitslosigkeit in den Südländern, wirkt sich allmählich auch in Deutschland aus.

    Die Bankenzockerei und das abstürzende Wirtschaftswachstum in den Südländern ist das Produkt der Gemeinschaftswährung. Die europäische Wirtschaft kommt erst mit der Einführung von nationalen Währungen wieder in Schwung.

    Die Politiker der Altparteien haben sich vor den Karren spannen lassen. Wenn der Mut fehlt, wird die europäische Wirtschaft schneller kollabieren als uns lieb ist.

  • @DagmarK

    Da die erste Übertragung fehlerhaft und unvollständig war, hier nochmals vollständig:

    Sie Glückliche! Wer es sich dieser Tage leisten kann nur wegen des Betriebsklimas arbeiten zu gehen, der hat ausgesorgt. Sie gehen wohl nur zum Zeitvertreib arbeiten, weil es zu hause zu langweilig wird. Allerdings sind die meisten Anderen auf das Einkommen angewiesen. Und von € 8,19 pro Stunde lässt sich einfach nicht gesund leben und ernähren. Fein für Sie dass der Ex Ihren Arbeitsluxus mit Alimenten fördert. Schlecht für alle anderen die von dieser Sauerei leben müssen. Lassen Sie mich einmal raten: Sie sind gar keine Leiharbeiterin (Sklavenarbeit) sondern eine Politsuse die anderen Drecksarbeit zu Dumpinglöhnen schmackhaft machen will. Jede Wette.

  • @DagmarK

    Sie Glückliche! Wer es sich dieser Tage leisten kann nur wegen des Betriebsklimas arbeiten zu gehen, der hat ausgesorgt. Sie gehen wohl in nur zum Zeitvertreib arbeiten, weil es zu hause zu langweilig wird. allerdings auf das Einkommen angewiesen. Und von € 8,19 pro Stunde lässt sich einfach nicht gesund leben und ernähren. Fein für Sie dass der Ex Ihren Arbeitsluxus mit Alimenten fördert. Schlecht für alle anderen die von dieser Sauerei leben müssen. Lassen Sie mich einmal raten: Sie sind gar keine Leiharbeiterin (Sklavenarbeit) zu Dumpinglöhne schmackhaft machen will. Jede Wette.

  • Ja, höre ich auch zum ersten mal.., aber ich werde es bei zukünftigen Einkäufen berücksichtigen. Krass , wo es heute überall Sklaven gibt. Kann mir kaum vorstellen, dass Baumärkte Produktionsspitzen haben!!!

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