Prall gefüllte „Kriegskasse“
Eon greift nach schwedischem Energieversorger

Deutschlands größter Energiekonzern Eon setzt trotz Konjunkturflaute weiter auf Expansion. Das Unternehmen plant offenbar, den schwedischen Energieversorger Graninge komplett zu übernehmen. Dies erfuhr das Handelsblatt am Donnerstag aus Verhandlungskreisen. Eon hält bereits rund 36 % der Anteile an Graninge. Branchenkreise schätzen den Wert des Deals auf etwa 900 Mill. Euro.

DÜSSELDORF/LONDON. Eon biete für das 36-Prozent-Paket, das Electricité de France (EdF) verkaufen will, und für die 17-Prozent-Beteiligung zweier schwedischer Familien an Graninge, hieß es in den Verhandlungskreisen. Allerdings gebe es auch noch andere Interessenten. EdF hatte vor wenigen Monaten die Investmentbank Merrill Lynch beauftragt, Käufer für die Graninge-Beteiligung zu finden. Eon wollte die Verhandlungen nicht kommentieren.

Trotz milliardenschwerer Zukäufe in den vergangenen Jahren hat Eon im Gegensatz zu anderen Konkurrenten eine prall gefüllte Kriegskasse: Auf der letzten Bilanzpressekonferenz im März sprach Finanzvorstand Erhard Schipporeit von „10 bis 15 Mrd. Euro“. Der Ende April 2003 ausgeschiedene Vorstandschef Ulrich Hartmann hatte den Konzern vom Mischkonzern zu einem reinen Energieunternehmen umgebaut. Er kaufte unter anderem die Ruhrgas AG und den britischen Energieversorger Powergen. Gleichzeitig stieß Eon Randbeteiligungen ab – darunter Traditionsunternehmen wie Degussa und Stinnes. In den vergangenen Jahren zählte Eon zu den wenigen Unternehmen, die das Mergers-&-Acquisitions-Geschäft belebten.

Obwohl Eon die Zeit der großen Zukäufe vorerst für beendet erklärt hat und der neue Konzernchef Wulf Bernotat sich vor allem auf die Integration der Zukäufe konzentrieren will, hat das Unternehmen keinen Zweifel daran gelassen, günstige Kaufgelegenheiten weiter zu nutzen. „Es überrascht nicht, dass Eon zukauft“, sagte Analyst Philip Bonhöffer von dem Bankhaus Merck Finck. „Der Konzern nimmt ja auch viel Geld aus Verkäufen ein.“ Tatsächlich stößt Eon zurzeit im Zuge der Übernahme von Ruhrgas mehrere Beteiligungen ab. Das hatte der Bundeswirtschaftsminister zur Voraussetzung für die Ministererlaubnis gemacht. In der vergangenen Woche etwa verkaufte Eon denWasserversorger Gelsenwasser für 835 Mill. Euro. „Eon hat die Finanzkraft für neue Investments“, bestätigte Frank Laser von der Hamburger Berenberg Bank. „Der Konzern steht bei der Verschuldungsquote wesentlich besser da als RWE.“

Die Essener RWE hat in den vergangenen Jahren ebenfalls den Konzern umgebaut und Unternehmen zugekauft. Ende 2002 saß RWE allerdings auch auf einem Schuldenberg von 25 Mrd. Euro. Der neue Konzernchef Harry Roels hat deshalb einen strikten Sparkurs verordnet. Zwar sind Zukäufe weiter möglich, sie müssen aber immer mit Verkäufen in gleicher finanzieller Höhe gegenfinanziert werden. Jüngst musste sich RWE aus dem Bieterverfahren um Gelsenwasser zurückziehen, weil RWE den Kaufpreis für zu hoch hielt. Auch Eon hat 14 Mrd. Euro Schulden, dem stehen jedoch 25 Mrd. Euro Eigenkapital gegenüber.

Eon führt die Graninge-Verhandlungen offenbar über seine schwedische Versorgertochter Sydkraft. Sydkraft ist bislang die Nummer drei auf dem schwedischen Markt hinter Vattenfall und Fortum. Mit der Übernahme von Graninge, der Nummer fünf, würde der Konzern zu den beiden Marktführern aufschließen.

Chronik eines Umbaus

Juni 2000: Die Mischkonzerne Veba und Viag fusionieren zu Eon. Mit Eon entsteht ein Energieriese und die größte Spezialchemiegruppe der Welt (Degussa).
Juli 2000: Im Zuge der Konzentration auf das Kerngeschäft verkauft Eon die 73-%ige Beteiligung an Gerresheimer Glas an die britische Investmentgruppe Investcorp.
Januar 2001: Eon veräußert seine 45-%ige Beteiligung am Mobilfunkunternehmen Viag Interkom an British Telecom.
Juli 2001: Eon und BP vereinbaren einen Beteiligungstausch: Veba Oel geht an BP, Eon erhält den BP-Anteil an Ruhrgas von 25,5 %.
August 2001: Eon verkauft den Stahlhändler Klöckner & Co. an die britische Balli-Gruppe. 2001: Eon meldet die Übernahme von 60,3 % an Ruhrgas beim Bundeskartellamt an. Juli 2002: Eon übernimmt für insgesamt 15,3 Mrd. Euro den britischen Energieversorger Powergen.
Januar 2003: Nach langem juristischem Streit übernimmt Eon für 10 Mrd. Euro Ruhrgas komplett. Im Gegenzug wird Degussa an den RAG-Konzern verkauft.

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