Preis-Konflikt Edeka-Chef sieht sich im Streit mit Nestlé „noch nicht am Ziel“

Nach monatelangen Verhandlungen wollen sich Nestlé und die Einkaufsgemeinschaft Agecore offenbar einigen. Damit könnte der Boykott enden.
Update: 17.04.2018 - 18:46 Uhr Kommentieren

Ob Maggi oder Nescafé – Edeka boykottiert Nestlé-Produkte

Ob Maggi oder Nescafé – Edeka boykottiert Nestlé-Produkte

ZürichBeim Streit um Einkaufskonditionen zwischen dem Nahrungsmittelriesen Nestlé und der Einkaufsgemeinschaft Agecore rückt eine Einigung in greifbare Nähe: Nach Handelsblatt-Informationen haben sich Unterhändler beider Lager auf einen grundsätzlichen Kompromiss verständigt.

Aber in Verhandlungskreisen heißt es, die Vereinbarung sei noch nicht in trockenen Tüchern. „Nichts ist vereinbart, bis alles vereinbart ist“.

Zuerst hatte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ über die nahende Einigung berichtet. Demnach sei Nestlé in zentralen Positionen zu Konzessionen an Agecore bereit. Die Einkaufsallianz vertritt sechs Einzelhändler, darunter Edeka in Deutschland sowie den schweizerischen Einzelhändler Coop.

Um den Druck auf Nestlé zu erhöhen, hatten die Einzelhändler bestimmte Nestlé-Produkte aus den Regalen genommen. Der schweizerische Einzelhändler Coop, der an dem Boykott teilgenommen hatte, wollte den Bericht nicht kommentieren. Auch Nestlé wollte sich nicht dazu äußern.

Das ist das Marken-Imperium von Nestlé
Die Gründung
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1866 gründete Henri Nestlé, ein Schweizer Apotheker deutscher Herkunft, die Farine Lactée Henri Nestlé lk.A.. Als Logo wählte er sein eigenes Familienwappen, den Vogel bei der Brutpflege – Nestlé bedeutet im Schwäbischen „kleines Nest“. Unternehmensname und -logo blieben in der gesamten Firmengeschichte, über alle Fusionen und Zukäufe hinweg, unverändert.

Säuglingsnahrung
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1867 erfand Nestlé ein Verfahren, um ein lösliches Milchpulver herzustellen, welches als Muttermilchersatz verwendet werden konnte. Der Vertrieb als „Nestle's Kindermehl“ lief an. Dem Geschäft mit Säuglingsnahrung bleibt der Konzern bis heute treu: 2007 übernahm Nestlé für 5,5 Milliarden US-Dollar den US-amerikanischen Kindernahrungshersteller Gerber vom Pharmakonzern Novartis. Damit stieg Nestlé im Bereich Säuglingsnahrung vom Marktführer in den USA auch zur weltweiten Nummer eins auf.

Milchprodukte
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Auch das Geschäft mit Milchprodukten begleitet Nestlé bis heute. Die erste Übernahme war 1898 ein Milchpulverwerk in Norwegen, 1905 fusionierte Nestlé mit der Anglo-Swiss Condensed Milk Company. Zum Jahresende 2006 begann Nestlé ein Joint Venture mit dem französischen Milchkonzern Lactatis, Hersteller von Marken wie Le Président. Nestlé behauptete sich durch diesen Schachzug als Nummer eins der weltweiten Milchindustrie.

Kaffee und andere Getränke
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Ein weiterer Durchbruch gelang Nestlé 1938: Das Unternehmen erfand ein Verfahren zur industriellen Herstellung löslichen Kaffees und begann diesen unter der Marke Nescafé zu vertreiben. Der Vertrieb der seit 2010 boomenden Kaffeekapseln und Kapselmaschinen fällt dem innerhalb des Nestlé-Konzerns eigenständig agierenden Unternehmen Nespresso zu. Das Geschäft mit „Getränken in flüssiger und Pulverform“ macht heute den größten Anteil am Unternehmensumsatz Nestlés aus. Das Gemeinschaftsunternehmen Beverage Partners Worldwide (BPW) mit Coca-Cola ist für den Vertrieb von Tee-Getränken mit Fokus auf Europa und Kanada zuständig.

Kritik an Nespresso
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Die NGO Solidar Suisse kritisierte Nespresso 2011 dafür, als größter Kaffeehändler der Welt keinen fair gehandelten Kaffee anzubieten und parodierte die populären Werbevideos mit George Clooney. Nespresso wies die Vorwürfe zurück.

Cerealien
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Mit dem US-Lebensmittelhersteller General Mills gründete Nestlé in den 1990er-Jahren das 50/50-Joint-Venture Cereal Partners Worldwide (CPW). Das Gemeinschaftsunternehmen bedient den Markt für Frühstücksgetreideprodukte außerhalb der USA.

Fertigprodukte
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1947 fusionierte Nestlé mit der Maggi AG. Neben Brühwürfeln und Flüssigwürze werden unter dem Namen Maggi bis heute vor allem Instantsuppen- und Gerichte vertrieben. Andere bekannte Nestlé-Marken der Fertigsparte sind beispielsweise der Nudelproduzent Buitoni und die Öl- und Soßenmarke Thomy.

Edeka-Chef Markus Mosa sagte am Dienstag bei einer Pressekonferenz zu den Verhandlungen mit Nestlé: „Wir sind in der letzten Woche vorangekommen, aber wir sind noch lange nicht am Ziel.“

Nestlé habe ein neues Angebot vorgelegt, das von den sechs Agecore-Partnern individuell geprüft werde. Allerdings entspreche das verbesserte Angebot nicht den Vorstellungen von Edeka.

Auch Nestlé dementierte am Dienstagabend, dass eine rasche Einigung absehbar sei. „Die Verhandlungen mit AgeCore/Edeka gehen weiter, solange nicht die entsprechenden Gegenleistungen für jeden Cent, den Nestlé gibt, von Edeka als Teil der Vereinbarung vorliegen. Das ist gut gelernte Verhandlungspraxis und es wird keine Vereinbarung geben, solange hierüber keine Übereinstimmung vorhanden ist“, sagte ein Sprecher von Nestlé in Frankfurt.

Edeka-Chef Mosa verwies darauf, Nestlé wolle seine Umsatzrendite auf 18,5 Prozent steigern. „Unsere Rendite liegt weit darunter“, argumentierte er. Angesichts der Größe von Konzernen wie Nestlé sei der Handel gezwungen, internationale Bündnisse zu schließen.

So stehe Edeka allein nur für 0,8 Prozent des Nestlé-Umsatzes, der Verbund Agecore für 2,6 Prozent. „Wir sind für Nestlé praktisch nicht wahrnehmbar“, beklagte sich Mosa. Allerdings sei Edeka bereit, den Bestellstopp noch länger aufrecht zu halten. Einen Druck von Kunden oder Kaufleuten verspüre er nicht, sagte Mosa.

„Für mich ist nicht ersichtlich, weshalb diesmal so ein Streit in der Öffentlichkeit skizziert wird“, sagte Mosa. Edeka sei öfter in ähnliche Auseinandersetzungen verwickelt.

So habe der Verbund im vergangenen Jahr etliche Pepsi-Artikel ausgelistet, davor mehrere Monate L’Orréal abgestraft. „Unser Anteil am Pepsico-Umsatz liegt bei 0,18 Prozent. Wenn Sie den CEO von Pepsico fragen, wer Edeka ist, werden Sie hören: Weiß ich nicht“, stellte Mosa die vermeintliche Schwäche des Handels dar.

Schließlich stünden die Händler im Wettbewerb und könnten daher weniger politische Lobbyarbeit leisten als die Lebensmittelhersteller.

Dabei seien auch die Methoden der Hersteller rabiat. Preise würden ohne Absprache erhöht – und Edeka sei ebenso häufig Opfer von Lieferstopps. „Darüber berichtet nur keiner“, klagte Mosa.

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