Preisdruck
Billigflieger steuern in turbulenten Sommer

Billigflieger wie Easyjet und Ryanair erobern unaufhaltsam den europäischen Luftraum. Je mehr Flugzeuge sie jedoch haben, desto härter wird der Kampf, sie ausreichend zu füllen. Nutznießer der Entwicklung sind die Kunden.

LONDON. Wachsender Druck auf die Preise trübt das Sommergeschäft der Billigflieger. Die beiden führenden Anbieter Ryanair und Easyjet rechnen für die kommenden Monate mit sinkenden Durchschnittspreisen. Die Auslastung ihrer Flugzeuge lässt bereits nach. Der Preisrückgang lasse sich jedoch durch weitere Kostensenkungen und höhere Einnahmen aus Zusatzleistungen ausgleichen, sagte Easyjet-Chef Andy Harrison am Mittwoch dem Handelsblatt. Er halte an seiner Prognose fest, dass der Gewinn im Geschäftsjahr zum 30. September um 40 bis 50 Prozent steigen werde.

An der Börse sind die Aktienkurse der beiden führenden Billigflieger jedoch um je ein Achtel abgerutscht, seit sie sinkende Auslastungswerte für April gemeldet haben. Bei Ryanair waren 83 Prozent der Sitze belegt, nach 85 Prozent im Vorjahresmonat. Bei Easyjet sank die Auslastung von 86 auf 83 Prozent. Bei Air Berlin, der Nummer drei der Branche, nahm sie von 78 auf 75 Prozent ab. Die Passagierzahlen stiegen aber: Bei Ryanair um 19 Prozent, bei Easyjet um zehn und bei Air Berlin um acht Prozent. Easyjet kündigte Preissenkungen an, um mehr Passagiere anzulocken. Ryanair begründete den Rückgang auch mit steigenden Flughafengebühren und der Verdoppelung der Flugverkehrsabgabe in Großbritannien. Laut Harrison macht die Abgabe auf Inlandsflügen nun schon bald die Hälfte des Flugpreises aus.

„Ich glaube nicht, dass sich der Markt fundamental verändert hat“, sagt Analyst Gert Zonnveld vom Brokerhaus Panmure Gordon. Die Airlines glichen sinkende Ticketpreise aus, in dem sie Geld für bevorzugtes Einchecken und aufgegebenes Gepäck kassierten. Chris Avery von JP Morgan sagte, wenn sich die Nachfrage ein, zwei Monate lang stabilisiere, bekämen die Optimisten an der Börse wieder die Oberhand. Andrew Evans von Dresdner Kleinwort traut den Billigfliegern weitere Kostensenkungen und Margensteigerungen zu.

Easyjet gelang es in den sechs Monaten zum 31. März, den für das erste Halbjahr üblichen Verlust vor Steuern auf 17 Mill. Pfund (25 Mill. Euro) zu halbieren. Während der Umsatz um 14 Prozent auf 719 Mill. Pfund stieg, legte er pro Sitz nur um 0,8 Prozent zu. Die Zusatzeinnahmen, zu denen auch der Verkauf von Getränken und Snacks an Bord und die Vermittlung von Mietwagen und Reiseversicherungen zählen, machen inzwischen zwölf Prozent am Umsatz aus. Tendenz: steigend. Ryanair hat sogar das Ziel, langfristig ausschließlich von den Zusatzeinnahmen zu leben.

Die sinkenden Auslastungsgrade sind nach Einschätzung Harrisons kein Zeichen für Überkapazitäten auf dem europäischen Luftfahrtmarkt. „Es ist kein Problem, wenn das Angebot um drei oder vier Prozent im Jahr wächst“, sagte er. Auch Fusionen zwischen großen traditionellen Fluggesellschaften seien keine Bedrohung. Sie seien nicht in der Lage, die Kostenstrukturen von Easyjet zu erreichen. Die Billigflieger seien noch lange nicht am Ende ihrer Möglichkeiten angelangt, was die Kosten anbelange. Die Kostensenkung von zwei Prozent je Sitz im ersten Halbjahr habe Easyjet überwiegend durch die Inbetriebnahme weiterer Airbus A 320 erreicht. Vor kurzem hat Harrison im Hamburger Werk den hundertsten Jet dieser Baureihe in Empfang genommen.

In Deutschland will Easyjet die Passagierzahlen bis 2010 auf zehn Millionen verdoppeln. In Air Berlin sieht Harrison keinen ernsthaften Gegner: „Sie sind keine richtige Low-Cost-Airline, sondern eine Art billigere Lufthansa.“ Die Ticketpreise lägen im Schnitt um die Hälfte höher als die rund 60 Euro bei Easyjet. Durch die Zukäufe sei die Struktur von Air Berlin sehr komplex geworden. „Das Management dort steht vor einer großen Herausforderung.“

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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