Preisdumping befürchtet
Geldtransporteure klagen gegen Bundesbank

Die Geldtransporteure in Deutschland fürchten um ein einträgliches Geschäft, da die Bundesbank neue Serviceleistungen für das Sortieren und Zählen von Bargeld - angeblich zu "Dumpingpreisen" - anbieten will. Aus diesem Grund hat der Branchenverband BDGW am Dienstag vor dem Landgericht Frankfurt Klage eingereicht.

HB FRANKFURT. Die Deutsche Bundesbank will von Februar an das Sortieren und Zählen von Bargeld für nur einen Euro pro Paket anbieten, was Handel und Banken freut. Gegen das neue Angebot zu „Dumpingpreisen“ geht die Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste (BDGW) nun gerichtlich vor. Beim Landgericht Frankfurt reichte sie am Dienstag einen Antrag auf einstweilige Verfügung wegen Wettbewerbsverzerrung ein. In den kommenden Tagen soll eine Kartellrechtsklage folgen. Auch das Bundeskartellamt und die EU-Kommission sollen sich mit dem Fall befassen.

Bislang nahm die Bundesbank nur vorsortierte und gezählte Bündel mit Banknoten an. Von Februar 2006 an können Banken und der Handel auch unsortierte, gemischte Pakete mit Geldscheinen einliefern und dann von der Bundesbank prüfen und zählen lassen. Das Angebot, das durch neue Maschinen ermöglicht wird, startet zunächst nur in fünf Filialen (Flensburg, Hamburg, Oldenburg, Bayreuth und Leipzig), doch bis Ende 2008 soll es flächendeckend in allen 47 Filialen eingeführt sein. Der neue Service soll nur einen Euro pro Einzahlung und einen Euro pro Abrechnungseinheit wie Filialen oder Märkte kosten. Ursprünglich wollte die Bundesbank ihn sogar kostenlos anbieten.

„Das ist nur ein symbolischer, politischer Preis“, kritisiert BDGW-Geschäftsführer Harald Olschok. Selbst bei einer Laufzeit der neuen Multistückelungs-Maschinen von zwölf Stunden, dem Einsatz von nur zwei Mitarbeitern und der Bearbeitung von 40 Wertpaketen (Safebags) pro Stunde, müsste der Service mindestens vier Euro kosten, rechnet Olschok vor. Die privaten Unternehmen verlangen eine Gebühr in Höhe von 0,4 Promille der zu zählenden Geldmenge - bei einer Million Euro kostet die Bearbeitung damit 400 Euro. Der BDGW will nun die Bundesbank gerichtlich zwingen, ihre Kalkulation offen zu legen und den marktüblichen Preis von 0,4 Promille der Zählsumme nicht zu unterschreiten.

Die Bundesbank will sich zu den Vorwürfen erst im Verfahren äußern. Sie verweist aber auf ihren Auftrag, die reibungslose Bargeldversorgung sicherzustellen und Falschgeld auszusortieren. „Die Bundesbank muss in der Geldbearbeitung angemessen vertreten sein“, betont Sprecher Johannes Korz. Die neuen Maschinen ermöglichten es, das Geld auch unsortiert anzunehmen. Dadurch falle eine Bearbeitungsstufe bei den Wertunternehmen weg. Die Bundesbank wolle sich keineswegs ein neues Geschäftsfeld eröffnen, um das verbleibende Personal möglichst gut zu beschäftigen, wie vom BDGW behauptet. „Wir haben schon beträchtlich Personal in diesem Bereich abgebaut und Filialen geschlossen“, sagt Sprecher Korz.

Vor einem Stellenabbau in großem Stil fürchten sich nun die Geldtransporteure. In der Branche tobt ohnehin schon ein harter Verdrängungswettbewerb. Gerade erst hat das größte deutsche Geldtransport-Unternehmen Heros den verlustreichen Konkurrenten Securitas übernommen. Nach Verbandsangaben gibt es rund 200 Unternehmen mit 10 000 Mitarbeitern, davon ein Drittel in der Geldbearbeitung. Der Branchenumsatz liegt bei 420 Mill. Euro. Tag für Tag sind durchschnittlich 2500 Panzerfahrzeuge im Einsatz. Doch der Transport ist nicht lukrativ. Nur die Geldbearbeitung wirft noch Gewinne ab, wie der BDGW offen zugibt. Wenn dieses Standbein mit wegbreche, drohe vielen Unternehmen die Insolvenz und tausenden Mitarbeitern der Verlust ihres Arbeitsplatzes.

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