„Preise zu niedrig“
Taxiverband will Zahl der Lizenzen drastisch verringern

Die Konkurrenz auf dem Taxi-Markt ist groß: Aus Sicht von Verbandspräsident Müller sitzen immer mehr unqualifizierte Fahrer hinter dem Steuer und der Service sei schlecht. Jedes vierte Taxi sei überflüssig.
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FrankfurtDer Präsident des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbandes (BZP) hält nahezu jedes vierte Taxi in Deutschland für überflüssig. „Es gibt eine Überkapazität auf dem Markt“, sagte Michael Müller in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Frankfurt. Dadurch würden die Einnahmen sinken und das drücke die Qualität. „Schlechter Service, dreckige Sitze und billigere Autos sind die Folge“, betonte Müller. Für gute Leute sei der Job oft nicht mehr attraktiv - das müsse sich wieder ändern.

Um den Konkurrenzdruck erträglich zu machen, müsste die Zahl der rund 50 000 Taxis um 20 bis 25 Prozent verringert werden, auch wenn das für die Kunden längere Wartezeiten bedeute. Müller rief die Kommunen dazu auf, die Hürden für Taxi-Konzessionen zu erhöhen. Gleichzeitig plädierte er für höhere Fahrpreise - auch das wäre eine Aufgabe der kommunalen Behörden. „Die Taxitarife sind gemessen an der Dienstleistung zu niedrig“, sagte der Verbandspräsident.

In den vergangenen 20 Jahren hätten sich die Kosten durch teureren Sprit und höhere Versicherungsprämien zwar verdoppelt, die Kunden zahlten aber im Schnitt nur 40 Prozent mehr. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes arbeiteten im Jahr 2010 fast neun von zehn Taxifahrern im Niedriglohnbereich und verdienten weniger als 10,36 Euro brutto pro Stunde.

Um die Sicherheit der Fahrer zu gewährleisten, forderte Müller eine flächendeckende Videoüberwachung von Taxis. Dagegen sperren sich bislang aber die Datenschützer. Müller hält dagegen: „In vielen Bussen gibt es mittlerweile Kameras - warum nicht auch im Taxi?“ Außerdem wolle man die Bilder nach 24 Stunden sowieso wieder löschen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Weniger als 10,36 Euro? Demnach ist 10,36 die Grenze zum Niedriglohn. jeder als Hilfsarbeiter eingesetzte Leiharbeiter mit Ausbildung wird sich freuen, das er fette 8,19 Euro pro Stunde bekommt.

  • Falls die Zahl der Taxi-Lizensen verringert wird, bekommen wir Verhältnisse wie in den USA. Dreckigige, schäbige Autos, die zum Einsatz kommen, da bei Kosten für eine Lizenz leicht ein/zwei hundert tausend Dollar betragen können und kein Geld für Service, Gehalt der Taxifahrer oder einen vernünftigen Fuhrpark übrig bleibt.

  • Leben wir im Sozialismus? Das ist die Art von Lobby, die kein Fahrgast will.
    Guter Service ist, wenn möglichst schnell ein Taxi verfügbar ist und nicht erst nach einer halben Stunde.
    Dann fahre ich auch gerne in einem VW Caddy statt einem Mercedes, solange der Sauber ist. Für die technische Sicherheit gibt es Kontrollen!

    "Schlechter Service, dreckige Sitze und billigere Autos sind die Folge" Ich verstehe nicht, warum die Sitze bei niedriger Auslastung dreckig sein müssen, da hat der Fahrer mehr Zeit sie sauber zu halten.

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