Preiskampf
Angriff auf die Billigflieger

Der Preisrutsch im europäischen Linienflugverkehr verschärft sich weiter. Europas drittgrößter Flugkonzern British Airways (BA) teilte gestern mit, die Preise im Kontinentalverkehr radikal zu senken, ohne dabei die Servicequalität einzuschränken.

FRANKFURT. "Wir haben unsere Tarife um bis zu 50 Prozent gesenkt und werden mehr als sieben Millionen Tickets pro Jahr zu diesen neuen Preisen anbieten", sagte BA-Verkaufschef Martin George. Dies sei kein PR-Gag, sondern "ein langfristiges Preisversprechen", betonte der Manager. Im Heimatmarkt Großbritannien sollen einfache Flüge künftig mit dem Einstiegspreis ab 29 Pfund beworben werden. Strecken von Deutschland nach London-Heathrow bietet BA künftig ab 44 Euro inklusive Steuern und Gebühren an.

Nach Lufthansa versucht damit auch der britische Rivale, den Vormarsch von Ryanair, Easyjet und Air Berlin über ein breites Angebot eigener Billig-Tickets zu bremsen. Der deutsche Marktführer hatte vor wenigen Wochen angekündigt, Flugziele innerhalb Europas flächendeckend ab 99 Euro anzubieten (hin und zurück, inkl. Steuern, Gebühren und Kerosinzuschlägen). Dieser Tarif reicht unterm Strich an die preiswertesten Konditionen der Billigflieger heran. Mitte April zog auch die Lufthansa-Beteiligung Swiss nach und stutzte ihren Einstiegstarif auf Strecken zwischen der Schweiz und Deutschland auf 99 Euro für Hin- und Rückflug.

Was Kunden begeistert, entwickelt sich für die Fluglinien zu einem ruinösen Preiskampf. Das spüren insbesondere deutsche Anbieter, die zwischen Hamburg und München im halben Dutzend Billigflüge unters Volk streuen und mit Lufthansa zudem einen finanzkräftigen Platzhirsch vor der Nase haben. Air Berlin, DBA, Germanwings und HLX sowie die auf Ferienziele spezialisierten Condor, Hapagfly und LTU geraten unter Druck. "Fast alle haben aktuell Mühe, Durchschnittspreise von 70 Euro für den einfachen Flug zu erreichen", räumt ein Airline-Chef gegenüber dem Handelsblatt ein. Das erste Quartal 2006 sei branchenweit schwach ausgefallen - "deutlich schwächer jedenfalls als 2005".

Dass Lufthansa inzwischen gezielt gegen expandierende Wettbewerber wie Air Berlin oder DBA vorgeht und seine Flugzeuge auf Konkurrrenzstrecken mit zuvor nie angebotenen Billigpreisen füllt, ist in der Branche ein offenes Geheimnis: "Wenn man in den Wettbewerb eintritt, muss man ihn auch aushalten können", betonte Konzernchef Wolfgang Mayrhuber auf der Bilanzpressekonferenz im März.

Die 99-Euro-Kampagne der Lufthansa werde "zu einem erheblichen Ratenverfall in Deutschland führen", warnt der Unternehmensberater und frühere HLX-Chef Wolfgang Kurth. Ohnehin würden die Ticketpreise in der Luftfahrt seit Jahren um rund zwei Prozent per anno fallen. Billig-Marktführer Ryanair treibt es wieder mal besonders skurril: Die irische Fluglinie stellt ab dem heutigen Freitag Europaflüge zu einem Preis ab 0,14 Euro ins Netz - allerdings zuzüglich Steuern und Gebühren.

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