Preiskampf im Handel
Gucci auf dem Grabbeltisch

Theoretisch existiert der Sommerschlussverkauf seit zwei Jahren nicht mehr. In der Praxis aber tobt in diesen Wochen einmal mehr die Schnäppchenschlacht – und das sogar in edlen Modehäusern wie dem Theresa in der Münchner Maffeistraße.

HB DÜSSELDORF. Prada und Dolce & Gabbana gibt es dort zu Spottpreisen. Kostüme, die sonst rund 3 000 Euro kosten, gibt es für rund 200 Euro. Auch Peek & Cloppenburg in Frankfurt handelt Mode von Strenesse, Gil Sander oder Hugo Boss zum halben Preis.

Das Prinzip Schlussverkauf hat mittlerweile auch das Premiumsegment erreicht, das lange vor Preisschlachten sicher war. Online-Shops wie „Dress for Less“ locken mit Luxus für jedermann – bis zu 70 Prozent des Einkaufspreises sollen die Kunden sparen. Und wer im stationären Handel auf Luxusschnäppchenjagd ist, kann mit Nachlässen von 31 Prozent rechnen. Das ermittelten aktuell die Unternehmensberater von Booz Allen Hamilton in München. Selbst Topmarken wie Gucci, Dolce & Gabbana oder Dior entkommen dem Discountfieber nicht. Sogar in den eigenen Nobelgeschäften gewähren sie bis zu 50 Prozent Nachlass.

Kunden empört, Luxusimage in Gefahr

Viele Edelanbieter tun sich damit keinen Gefallen. „Die Gefahr ist, dass durch die massiven Rabatte das Luxusimage verwässert“, warnt Gregor Harter, Experte für Marketing- und Vertriebsstrategien bei Booz Allen. Ein treuer Kunde einer Nobelmarke ist – zurecht – empört, wenn ein Kleid, für das er im Frühling 4000 Euro bezahlt hat, nun für ein Zehntel zu haben ist. Und dass sich nicht jeder solchen Luxus leisten kann, macht ja einen Teil des Reizes aus.

Doch das Geschäft ist auch für Luxusanbieter härter geworden. „Vor zehn Jahren war es undenkbar, dass jemand, der 250 Euro für eine Gucci-Sonnenbrille ausgibt, ein T-Shirt bei H & M kauft und umgekehrt“, beobachtet Behdad Shahsavari, Einzelhandelsexperte bei Booz Allen. Heute sind die Grenzen zwischen Topkunden und Gelegenheitsgenießern fließend. Zudem: Auch renommierte Labels können es sich nicht mehr leisten, die Kollektionsreste im Lager vergammeln zu lassen. Sie rechnen fest mit Zusatzumsätzen. Wegen hoher Ausgangspreise lohnt es gerade für Hochpreisanbieter, Waren mit 50 Prozent Abschlag zu verkaufen. Nur einige wenige Premium-Marken wie Louis Vuitton entziehen sich dem Schnäppchenrausch total. „Wir stellen langlebige Produkte her, die nicht an eine Saison gebunden sind und sich über zehn und mehr Jahre verkaufen“, erklärt eine Sprecherin.

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