Preiskampf
Sporthändler bleiben auf Winterware sitzen

Die Schneefälle in dieser Woche können auch nichts mehr ändern: Der vergangene Winter war für die Sportbranche eine Katastrophe. Denn es trifft nicht nur die Händler ins Mark. Auch die Skihersteller sind stark unter Druck. Viele Anbieter sind schon seit Jahrzehnten wirtschaftlich angeschlagen. Und es wird noch schlimmer kommen.

STUTTGART / MÜNCHEN. Weil selbst im Hochgebirge nur wenig Schnee gefallen ist, bleiben die Händler auf Massen von Wintersportausrüstung sitzen. Branchenkenner schätzen, dass rund 40 Prozent weniger Ski verkauft wurden als vorige Saison. „Das wird dem einen oder anderen Sporthändler das Genick brechen“, fürchtet Bernd Kullmann, Chef des Augsburger Rucksackherstellers Deuter.

„Momentan sind manche Händler so verzweifelt, dass sie Ware unter dem Einkaufspreis verkaufen, nur um Geld in die Kasse zu bekommen“, warnt der Manager. Ganz so dramatisch drücken es die großen Einkaufsverbünde der Händler nicht aus. Doch auch sie wissen, dass ihre oft schon seit Jahren wirtschaftlich schwachen Mitglieder zu kämpfen haben. „Es werden manche Händler in erhebliche Schwierigkeiten kommen“, sagt Andreas Rudolf, Geschäftsführer der Händlervereinigung Sport 2000.

Betroffen sind vor allem Ladeninhaber in Süddeutschland, für die Wintersportausrüstung viel wichtiger ist als für ihre Kollegen im Norden. Damit die Händler jetzt nicht unter die Räder kommen, unterstützt Sport 2000 besonders von der Winterflaute betroffene Mitgliedern mit abgemilderten Zahlungsbedingungen.

In den meisten Regionen der Alpen und in den Mittelgebirgen ist im letzten Winter kaum Schnee gefallen. Niedrig gelegene Skigebiete wie im Schwarzwald oder in Oberbayern waren deshalb nur an wenigen Tagen geöffnet. Doch auch im Hochgebirge waren die Liftbetreiber oft auf Kunstschnee angewiesen. Angesichts der grünen Hänge haben viele Sportler darauf verzichtet, sich neue Ausrüstung zu kaufen.

Das trifft nicht nur die Händler ins Mark. Auch die Skihersteller sind stark unter Druck. Viele Anbieter sind schon seit Jahrzehnten wirtschaftlich angeschlagen. Und es wird noch schlimmer kommen: „Vielen weniger bekannten Marken droht die Auslistung, wenn für den nächsten Winter vorsichtig geordert wird“, sagt Hartmut Fröhlich, Chef des in Deutschland führenden Händlerverbunds Intersport.

Schon allein wegen der wirtschaftlichen Not vieler Händler ist zu erwarten, dass sie weniger bestellen werden. „Dass sich der Winterverlauf auf die Vororder der Saison 2007/08 auswirken wird, ist naheliegend“, ahnt Gregor Dietachmayr, Chef der österreichischen Skifabrik Fischer.

Doch das ist noch nicht alles: Deuter-Chef Kullmann, ein langjähriger Kenner der Branche, geht fest davon aus, dass die überschüssige Ware aus diesem Winter auch das Geschäft in der nächsten Saison beeinflussen wird. „Im Herbst wird gewaltig unter Preis verkauft werden“, sagt Kullmann.

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