Preisrunden
Preiskampf der Discounter vor dem Ende

Die deutschen Konsumenten können auf weiter sinkende Nahrungsmittelpreise hoffen. Doch die Industrie, die vom Handel in immer neue Preissenkungsrunden gezwungen wird, ist offenbar an die Grenzen ihrer Leidensfähigkeit gestoßen.

KÖLN/FRANKFURT. "Der Spielraum vieler Hersteller ist ausgereizt", sagte Sabine Eichner-Lisboa, Geschäftsführerin der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), am Dienstag bei der Pressekonferenz anlässlich der Welternährungsmesse Anuga in Köln, die am 10. Oktober ihre Pforten öffnet. Wenn das so weiterginge, müssten wohl bald die ersten Hersteller Insolvenz anmelden, prognostizierte Eichner.

Auf insgesamt 1,5 Mrd. Euro beziffert der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BLV) den Umsatzrückgang von rund zwei Prozent bis einschließlich Juli 2009, der fast ausschließlich auf den Preiskampf zurückzuführen ist, den die Discounter derzeit führen. Inzwischen befinde man sich in der neunten Preissenkungsrunde seit Jahresbeginn, bestätigte BVL-Hauptgeschäftsführer Michael Gerling, der keine Aussage über ein Ende des Preiskampfes treffen wollte.

Doch auch die Händler lassen bei ihrem Kampf um Marktanteile Federn. Der Fehlbetrag gehe eindeutig auf Kosten der Handelsmarge, erläuterte Gerling. Die Industrie setzte in den ersten sieben Monaten des Jahres rund 85 Mrd. Euro um - ein Umsatzrückgang von vier Prozent.

Markenhersteller haben es in den Verhandlungen mit dem Handel generell leichter, weil die Filialisten auf viele Produkte wie Mars-Riegel oder Ferrero-Küsschen nicht verzichten können. Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé will deshalb eine neue Runde beim Preiswettkampf nicht mitmachen. "Sie haben und werden von uns keine Äußerungen hören, dass wir die Preise senken", sagte Peter Brabeck-Letmathe, der Chef des Nestlé-Verwaltungsrates, am Montagabend vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten.

Vor wenigen Tagen hatte Paul Polman, der Chef des Rivalen Unilever, angekündigt, im deutschen Markt stärker auf den Absatz als auf die Marge setzen zu wollen. Dahinter steht die Strategie, die Konsumenten daran zu hindern, zu billigeren Handelsmarken abzuwandern. So wurde der Preis für die Margarine Homa Gold um die Hälfte reduziert.

Der Nestlé-Chefkontrolleur, der selbst viele Jahre an der Spitze des Unternehmens gesessen hat, machte deutlich, dass Zukäufe auch künftig zur Strategie der Schweizer gehören. Grundsätzlich werde man sich bei strategischen Entscheidungen nicht von Finanzanalysten treiben lassen, sagte Brabeck-Letmathe. Seit Wochen tobt ein Übernahmekampf zwischen Kraft und Cadbury. Cadbury-Chef Todd Stitzer setzt auf einen "weißen Ritter" und hat dabei jüngst auch den Namen Nestlé ins Spiel gebracht. Brabeck-Letmathe wollte das nicht kommentieren. Aus Branchenkreisen ist allerdings zu hören, dass Nestlé sich nicht in die Übernahme einmischen wolle. jkn/ire

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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