Preisstreit: Amazon knickt vor US-Verlag MacMillan ein

Preisstreit
Amazon knickt vor US-Verlag MacMillan ein

Der kurze Sommer der Anarchie ist vorbei: Erst wirft Amazon Bücher des US-Verlags MacMillan aus dem Angebot – jetzt kommt die kleinlaute Kehrtwende. Für die Verlagsbranche ist es womöglich ein vorentscheidender Etappensieg.
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DÜSSELDORF. Verlage und Internetdienste streiten heftig um die Herrschaft im Medienvertrieb der Zukunft. Jetzt hat die Verlagsbranche überraschend einen vielleicht vorentscheidenden Etappensieg verbuchen können. Der Internet-Gigant Amazon hat nach nur knapp 24 Stunden einen Boykott des US-Buchverlags MacMillan wieder beendet. Er lässt sich nun doch auf die Preisvorstellungen ein, die MacMillan für seine online verkauften Werke hat.

Zuvor hatten sich beide Parteien einen Schlagabtausch geliefert: Sie konnten sich nicht einigen, wer die Preise der elektronische Bücher zu bestimmen habe. Es gipfelte darin, dass im Amazon-Webshop die „Kaufen“-Knöpfe für Werke des Verlags deaktiviert wurden.

Der Streitpunkt: MacMillan will höhere Preise durchsetzen – im Schnitt 12,99 bis 14,99 Dollar für Bestseller. Amazon hingegen beharrt auf dem von ihm festgelegten Einheitspreis von 9,99 Dollar. Der niedrige Preis soll helfen, möglichst schnell möglichst viele von Amazons E-Book-Reader „Kindle“ zu verkaufen. Dies aber, so ärgern sich Verlagsmanager, gehe auf Kosten der Autoren und Verlage.

Ende voriger Woche scheiterten die Gespräche endgültig, und Amazon zeigte am Samstag mit dem Sperren des Angebots seine Muskeln. Doch am Sonntagabend ruderte Gründer Jeff Bezos plötzlich zurück und ging auf die Forderungen von McMillan ein. Bezos tritt jedoch ordentlich nach und profiliert sich als Verbraucherschützer: „Wir haben mit der zeitweiligen Auslistung unmissverständlich klar gemacht, dass wir nicht mit dieser Politik einverstanden sind. Da MacMillan ein Monopol auf seine eigenen Werke besitzt, müssen wir aber vor den Forderungen kapitulieren.“ Man werde nun den Kunden die E-Bücher auch zu Preisen anbieten, die „unserer Meinung nach völlig unnötig überhöht sind“.

John Sargent, CEO von MacMillan, versuchte in einer Stellungnahme die Wogen zu glätten: „Wir sind in Gesprächen, wie wir das Dilemma auflösen können. Amazon war, ist und wird hoffentlich immer einer unserer geschätztesten Kunden sein.“ Amazon werde ein Zwischenhändler wie jeder andere auch sein und höchstens 30 Prozent Provision erhalten.

Hinter dem Streit steckt weitaus mehr: Aus Sicht von Experten kämpfen Verlage und Onlineanbieter um die Hoheit beim Vertrieb elektronischer Bücher steckt – und insbesondere darum, wer die Preismodelle bestimmen darf.

„Das ist ein knallharter Krieg“, sagt Carl Howe, Analyst bei der Yankee-Group in Boston. „Und wer ihn gewinnt, beherrscht die Industrie.“ Der Sieger werde bestimmen, nach welchen Regeln Bücher vertrieben werden. Die Buchverlage wollen dem Schicksal der Musikindustrie entgehen: Sie unterliegt längst dem Preisdiktat von Marktführern wie dem Online-Musikshop iTunes von Apple. Setzen sich die Verlage bei E-Books mit ihren Preismodellen durch, erwarten Experten, dass auch Musikunternehmen das Thema wieder auf den Verhandlungstisch bringen werden.

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