Premiumreisen
Die neue Lust auf Luxusurlaub

Premiumreisen sind gefragt wie lange nicht mehr. Trotz anhaltender Finanzkrise sind viele Urlauber bereit, wieder mehr Geld für ihre Luxustrips auszugeben.
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HannoverMit seinen 26 Jahren würde Timo Kohlenberg gut auf jeden Hochschul-Campus passen. Doch das hat er schon hinter sich. Er ist bereits erfolgreicher Unternehmer. Mit seiner jungen Firma hat er einen Markt betreten, auf dem neben etlichen Nischenanbietern heute die großen Konzerne dominieren: den Tourismusmarkt.

Allerdings hat er ein Segment ausgewählt, in dem man trotz scharfem Wettbewerb richtig Umsatz machen kann: Kohlenberg tritt als Premium-Reiseveranstalter auf, der teure Pauschalreisen und individuelle Luxustrips anbietet. Sein Unternehmen in Hannover hat er auf den Namen „Feinreisen“ getauft.

Mit seiner Mutter und der jüngeren Schwester übernahm er einst vom Vater den kleinen Spezialreiseveranstalter America Unlimited. Die Firma setzte auf erschwingliche Standardreisen, etwa den Trip nach Florida für 899 Euro. Doch dann kam der „100.000-Euro-Kunde“, der für seine vierköpfige Familie zehn Tage Kalifornien wollte, exquisit und individuell. Das junge Geschwisterpaar entdeckte für sich den neuen Geschäftszweig mit kleiner, aber finanzkräftiger Kundschaft.

„Die Schere zwischen arm und reich wird auch bei der Touristik immer größer. Diesem Trend sind wir gefolgt und haben unsere Luxusmarke Feinreisen gegründet“, beschreibt Kohlenberg. Nur 15 Mitarbeiter hat die Firma, verfügt aber über exzellente Netzwerke mit Partnern und Agenten.

Die junge Firma setzt auf eine Entwicklung, die die gesamte Branche erfasst hat. Volker Böttcher, Chef der Tui Deutschland, beobachtet schon seit geraumer Zeit die Neuausrichtung des Reisemarkts und spricht von „Polarisierung“: auf der einen Seite die Schnäppchen-Klientel, die mit möglichst wenig Geld überwiegend preiswerte Pauschalreisen bucht, auf der anderen eine Zielgruppe, die lieber individueller reist und dafür mehr zahlt.

„Die Gesellschaft spaltet sich immer mehr“, sagt ein Tui-Sprecher. „Und wir profitieren von der Erben-Generation, die über reichlich Geld verfügt.“ Zwar ist nicht jede individuelle Reise gleich ein Luxustrip, aber der Veranstalter Airtours – die Luxusreisemarke der Tui – erzielt zweistellige Zuwachsraten bei Fernreisen in gehobener Qualität. Airtours bietet Reiseluxus schon seit den 60er-Jahren in mit Sternen gekrönten Hotels, Kreuzfahrtschiffen, auf Rundreisen, mit individueller Betreuung und vielen teuren Extras an – etwa Schiffstouren auf Privatjachten, Ausflüge mit Chauffeur, Dienstleistungen vom Butler bis zum Babysitter.

Die Lust auf Luxus ist auch für den Rewe-Veranstalter Dertour „eines der auffälligsten Merkmale des bisherigen Reisejahres“. Und der aus der Frosch-Touristik entstandene Münchner Reisekonzern FTI lässt für gut zahlende Kunden sogar den Katalog gülden glänzen. „Gold by FTI“ nennt sich die Marke, die ausgewählte Top-Hotels und exquisite Feriendomizile anbietet. „Unser neues Luxusprogramm wird sehr gut angenommen“, berichtet FTI-Chef Dietmar Gunz. „Wir verzeichnen derzeit ein sehr hohes prozentuales Wachstum im Vergleich zum Vorjahr.“ Neben hochwertigen Hotelaufenthalten werde auch wirklicher Luxus gewählt: „Wir haben Buchungen für Privatinseln wie North Island von den Seychellen, wo die Gäste 5.000 Euro pro Tag zahlen“, sagt Gunz.

Bei Ferienhaus-Immobilien ist Luxus ebenfalls im Trend. Ob Lofts mit Blick auf die Champs-Elysee oder Liegenschaften im Chianti – die Buchungszahlen bei Feriendomizilen mit Vier- und Fünf-Sterne-Qualitäten wachsen deutlich schneller als in preiswerteren Segmenten, beobachtet der zum Schweizer Hotelplan-Konzern gehörende Reiseveranstalter Interhome. Die feinsten Adressen listet er im Katalog „Selection“ auf. Es gibt, so Deutschland-Geschäftsführer Jörg Herrmann, „Objekte mit privatem Golfplatz, eigenem Strandzugang oder die Möglichkeit, sich von einem Koch im eigenen Urlaubszuhause das Abendessen zubereiten zu lassen.“ Das Premium-Segment werde wegen der anhaltend hohen Nachfrage konsequent ausgebaut.

Auch Herrmann kennt die von Tui-Deutschlandchef Böttcher beobachtete Polarisierung des Urlaubermarkts: Bei der übers Internet verkauften Marke „Cheep-Cheep“ bekommen auch die ein Ferienhaus, die mehr aufs Geld gucken müssen. Neu im Luxussegment taucht eine ganz spezielle Zielgruppe auf – die Smart-Shopper. Sie buchen, so stellen Tui, FTI und andere fest, im Luxuskatalog, weil sie auf kleine, aber feine Annehmlichkeiten aus sind – auf den kostenlosen Zugang zur Executive Lounge im Hotel, den Limousinen-Transfer von und zum Flughafen oder die Gratis-Behandlungen im Spa.

 

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