Primark Billig-Mode bleibt ein Renner

Der Siegeszug von Primark scheint weiter unaufhaltsam: Im vergangenen Halbjahr steigerte der britische Mode-Discounter den Umsatz um über 20 Prozent. Auch in Deutschland hat die Billigkette noch viel vor.
Update: 19.04.2017 - 12:00 Uhr Kommentieren
Die Billigmode-Tochter von AB Foods sorgt für einen deutlichen Gewinnsprung. Quelle: dpa
Primark

Die Billigmode-Tochter von AB Foods sorgt für einen deutlichen Gewinnsprung.

(Foto: dpa)

DüsseldorfJohn Bason gefällt es, wenn es so richtig voll ist in den Primark-Läden. Für den Finanzvorstand des britischen Mischkonzerns Associated British Foods (ABF), zu der auch die Teemarke Twinings und der Zuckerriese AB Sugar gehören, ist die Billigkette für Textilien eine der wichtigsten Beteiligungen. Sie verhalf dem Mutterkonzern im ersten Geschäftshalbjahr zu einem überraschenden Gewinnsprung.

Das bereinigte Betriebsergebnis legte um 36 Prozent auf 652 Millionen Pfund (rund 780 Millionen Euro) zu, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Der Umsatz stieg um 19 Prozent auf 7,3 Milliarden Pfund. Dazu trug auch das Betriebsergebnis der Textilkette Primark bei, dass in diesem Zeitraum von 313 auf 323 Millionen britische Pfund stieg. Der Umsatz der Textilkette kletterte sogar um 21 Prozent auf 3,2 Milliarden Pfund.

Auch in Deutschland hat Bason noch viel vor mit Primark. „Wir wollen sieben neue Läden eröffnen, in Berlin, München, Stuttgart, Bielefeld, Wuppertal, Ingolstadt und Bonn“, sagte er kürzlich dem Handelsblatt. So steigt die Zahl der Filialen in Deutschland in diesem und im kommenden Jahr von 22 auf 29.

Deutschland ist verglichen mit Primarks größtem Absatzmarkt Großbritannien noch ein Entwicklungsland. Dort betreibt die Kette bereits 176 Läden. Angesichts des viel größeren Filialnetzes in Großbritannien und der mit 65 Millionen Einwohnern gegenüber rund 80 Millionen in Deutschland sieht er von Flensburg bis München noch „ein enorm großes Potenzial für uns“.

So steigt der Konkurrenzdruck im deutschen Textilmarkt, der im vergangenen Jahr um ein Prozent auf 62,7 Milliarden Euro schrumpfte. Vor allem die Modemarken in der Mitte des Marktes bekommen den Erfolg von Primark zu spüren. Aber auch andere Discounter oder Value Retailer, wie sie sich auch nennen, wie der Düsseldorfer Konzern C&A oder der schwedische H&M, leiden unter der Marktmacht des Konkurrenten.

Primark verzichtet weitgehend auf Werbung, lässt seine Kleidung schon in den Fabriken in Fernost verkaufsfertig mit Etiketten herstellen und arbeitet mit einer Flachen Hierarchie. So versucht die Primark-Mutter ABF die Kosten niedrig zu halten.

Das sind Europas größte Modekonzerne
Platz 10: Calzedonia
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Die Fachzeitschrift „TextilWirtschaft“ untersucht jedes Jahr die Umsätze der größten europäischen Bekleidungshersteller. Die Analyse zeigt: Der Markt steht vor großen Herausforderungen. Zwar konnten die meisten Konzerne wie zum Beispiel Calzedonia wachsen, doch die Krise in Russland und der Ukraine dürfte sich früher oder später in den Bilanzen niederschlagen.

Umsatz 2013: 1,60 Milliarden Euro
Umsatz 2014: 1,85 Milliarden Euro
Veränderung: + 15,4 Prozent

Platz 9: Giorgio Armani
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1975 gründete Georgio Armani das Modelabel Armani. Mittlerweile gehört der Konzern zu den Größten der Modebranche. Für Armani arbeiten rund 6500 Menschen. Neben Kleidungsstücken vertreibt Armani außerdem Home-Artikel und Parfüms. Seit 2002 verkauft der Konzern auch Konfiserie-Artikel sowie verschiedene Honig- und Marmeladensorten. Acht Jahre später entstand im Burj Khalifa in Dubai das erste Hotel im Armani-Stil.

Umsatz 2013: 1,75 Milliarden Euro
Umsatz 2014: 2,00 Milliarden Euro
Veränderung: + 14,2 Prozent

Platz 8: Esprit
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Ehemals etablierte Marken sind zu teuren Restrukturierungen gezwungen. So muss sich Esprit auf die Ansprüche der Kunden im digitalen Zeitalter einstellen, heißt es in der Studie von „TextilWirtschaft“. Auch Gerry Weber ist davon betroffen. Darüber hinaus leiden die Modekonzerne auch unter dem starken Dollar, der die Beschaffung verteuert. Esprit trifft es besonders hart. Bei keinem anderen Modekonzern in den Top-20 ist der Umsatz derart stark geschmolzen.

Umsatz 2013: 2,35 Milliarden Euro*
Umsatz 2014: 2,10 Milliarden Euro**
Veränderung: - 10,7 Prozent

*Geschäftsjahr 2013/14
**Geschäftsjahr 2014/2015

Platz 7: Kering
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Das französisch-italienische Modeunternehmen Kering dürften nur den Wenigsten bekannt sein. Doch mit Labels wie Puma oder Gucci erreicht der Konzern ansehnlich Umsätze. 2014 konnte Kering seinen Umsatz um knapp zwölf Prozent erhöhen.

Umsatz 2013: 2,13 Milliarden Euro
Umsatz 2014: 2,38 Milliarden Euro
Veränderung: + 11,6 Prozent

Platz 6: Hugo Boss
5 von 10

damDie Edelmarke Hugo Boss ist das zweitgrößte Modeunternehmen Deutschlands. Gegründet wurde es 1924 in Metzingen durch Hugo Ferdinand Boss. Ursprünglich stellte Hugo Boss Berufskleidung her. Unrühmlich ist die Vergangenheit des Konzerns. Im Zweiten Weltkrieg stellte der Konzern die Uniformen für SA, SS und die Wehrmacht her. Dafür wurden unter anderem Zwangsarbeiter aus West- und Osteuropa eingesetzt. Erst nach dem Krieg und dem Tod des Gründers 1948 wurde Hugo Boss zum Modekonzern. Unter der Leitung von Hugo Ferdinand Boss' Schwiegersohn Eugen Holy begann das Unternehmen damit, Herrenanzüge herzustellen.

Umsatz 2013: 2,43 Milliarden Euro
Umsatz 2014: 2,57 Milliarden Euro
Veränderung: + 5,8 Prozent

Platz 5: Tommy Hilfiger
6 von 10

Modedesigner Tommy Hilfiger rief 1984 in New York sein eigenes Modelabel ins Leben. Dass der Konzern im Ranking europäischer Modekonzerne gelistet ist, hat er seinem Firmensitz zu verdanken. Tommy Hilfiger sitzt seit 1997 in Amsterdam. 13 Jahre später wurde das Unternehmen durch den US-Konzern Phillips-Van Heusen übernommen.

Umsatz 2013: 2,56 Milliarden Euro*
Umsatz 2014: 2,70 Milliarden Euro*
Veränderung: + 5,3 Prozent

*Geschäftsjahr 2013/14
**Geschäftsjahr 2014/15

Platz 4: Christian Dior
7 von 10

Direkt nach dem Krieg gegründet, trug Christian Dior maßgeblich dazu bei, dass sich Paris als Modehauptstadt der Welt etablieren konnte. Insgesamt beschäftigt das Unternehmenskonglomerat über 100.000 Mitarbeiter. Für die Modesparte von Dior arbeiten knapp 3600 Menschen.

Umsatz 2013: 2,26 Milliarden Euro
Umsatz 2014: 2,70 Milliarden Euro
Veränderung: + 19,6 Prozent

Es gibt immer wieder Kritik an der Qualität der Hosen, Jacken oder T-Shirts. Bason verweist dann darauf, dass die Textilien in ihrer Preisklasse zu den besten gehören. Außerdem gibt es Vorwürfe, Primark lasse zu schlechten Arbeitsbedingungen in den Entwicklungsländern fertigen. Doch Bason verweist darauf, dass Primark inzwischen Mitglied in zahlreichen Organisationen ist, die sich um seriöse Arbeitsbedingungen kümmern.

Das Management warnte jetzt, dass die Pfundschwäche wegen des geplanten britischen EU-Beitritts das Gewinnwachstum bei Primark bremse. Die Prognose für die gesamte ABF-Gruppe für das Gesamtjahr hob er aber an. Seit dem Brexit-Referendum im Juni vergangenen Jahres war der Konsum eine der Stützen der britischen Wirtschaft. Experten befürchten aber, dass die Verbraucher wegen steigender Preise im Zuge des Pfundverfalls sparsamer werden. Zudem verteuert die Pfund-Schwäche wichtige Rohstoff-Importe.

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