Prime-Angebot in Großbritannien
Amazon wird zum Konzertveranstalter

Amazon liefert seinen Prime-Kunden in Großbritannien längst nicht nur Bücher, CDs oder Lebensmittel an die Haustür. Der US-Internetriese veranstaltet jetzt auch Konzerte. Den Auftakt macht Poplegende Blondie.
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LondonDie Zeiten, in denen der US-Riese Amazon seinen Kunden lediglich Bücher verkaufte, sind lange vorbei. Gerade in Großbritannien ist das Angebot des einstigen Online-Buchhändlers mittlerweile schier unerschöpflich: Ob selbstproduzierte Filme, Pizza oder Paprika: Amazon liefert seinen britischen Kunden fast alles bequem an die Haustür – in einigen Regionen bringt sogar eine Drohne die Bestellung. Mit einem neuen Angebot versucht Amazon nun, seine Kunden vom heimischen Sofa wegzulocken: Der US-Konzern will sich als Konzertveranstalter etablieren.

Vor 750 Amazon-Kunden werde am 23. Mai in London die US-Band Blondie auftreten, kündigte Amazon am Dienstag an. Weitere Konzerte in London sind in Planung, fest gebucht sind bereits Alison Moyet und Texas. „Wir wollen unseren Prime-Mitgliedern das beste Live-Entertainment-Erlebnis bieten, das sie je hatten“, verspricht Amazon-Managerin Geraldine Wilson. Sie sollen die Musiker „in außergewöhnlichen“ und kleinen Veranstaltungsorten so nah wie möglich kommen. Nicht mehr als 800 Leute sollen Karten für die Veranstaltungen erhalten. Blondie-Fans außerhalb von England können das Event nur online anschauen.

Im Rahmen von Amazon Prime bietet der US-Konzern in verschiedenen Ländern verschiedene Produkte und Dienstleistungen an. In Großbritannien können Konzertliebhaber auch Tickets für andere Veranstaltungen 24 Stunden vor anderen Kunden kaufen und spezielle Optionen wie Plätze in den Amazon-Logen in der O2-Arena buchen. Daneben wurde auf der Insel bereits vor gut einem Jahr Amazon Fresh gestartet, ein Lieferdienst für Lebensmittel. In einigen Städten kann man sogar Essen aus dem Restaurant bestellen.

Wie viel das Prime-Abonnement kostet, ist von Land zu Land verschieden. In Deutschland müssen Prime-Kunden 69 Euro pro Jahr zahlen, von britischen Kunden verlangt Amazon 79 Pfund. Für manche Angebote wie Amazon Fresh fallen darüber hinaus weitere Kosten an.

Auch für die Konzertkarten müssen Musikliebhaber noch einmal extra in die Tasche greifen: Tickets für Blondie kosten 150 Pfund. Fans von Alison Moyet kommen mit 95 Pfund günstiger weg. Im Laufe des Jahres sind weitere Konzerte in Großbritannien geplant. Es wird damit gerechnet, dass Amazon auch in anderen Ländern ein derartiges Angebot einführen könnte – wenn es sich denn lohnt.

Der Online-Riese hüllt sich in Schweigen darüber, wie viele seiner Kunden bereits Prime-Abonnenten sind. Doch kürzlich war das US-Unternehmen in einer Pflichtmitteilung an die Börse gezwungen, seinen Umsatz aus „Abonnementangeboten für Privatkunden“ im vergangenen Jahr zu veröffentlichen: 6,4 Milliarden Dollar. Analysten schlussfolgerten daraus, dass die Zahl der Prime-Kunden weltweit zwischen 65 Millionen und 80 Millionen liegen dürfte.

Korrespondentin des Handelsblatts.
Kerstin Leitel
Handelsblatt / Korrespondentin

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