Prime Now
Amazon wird zur Hoffnung für Einzelhändler

Bislang war der Online-Riese Amazon der Schrecken aller stationären Händler. Doch das könnte sich nun ändern: Zum ersten Mal arbeitet der Versandhändler jetzt mit lokalen Geschäften zusammen.
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DüsseldorfDen Anfang für die neue Kooperation macht Berlin: Dort bindet Amazon die Lebensmittelhändler Basic und Kochhaus in seinen Abodienst Prime Now ein. Die beiden Händler bekommen eigene Shops auf der Plattform von Amazon. Wenn ein Berliner dort kauft, wird er direkt aus den Läden vor Ort beliefert.

Es ist eine Win-Win-Situation. Amazon hat durch die Zusammenarbeit die Möglichkeit, Prime-Mitgliedern ein noch größeres Sortiment und neue Dienstleistungen anbieten zu können. Auch für die Händler bieten sich ganz neue Möglichkeiten. „Mit Prime Now erreichen wir nicht nur mehr Kunden als zuvor, sondern bieten auch noch besondere Lieferoptionen“, sagt Stephan Paulke, Vorstand der Biosupermarkt-Kette Basic.

Mitglieder des Abodienstes Prime Now können sich die per App bestellten Waren in einem bestimmten Zeitfenster von zwei Stunden oder innerhalb von einer Stunde nach Hause liefern lassen. Eine Mitgliedschaft kostet 69 Euro im Jahr. Bei Lieferungen innerhalb von einer Stunde zahlt der Kunde pro Bestellung nochmals 6,99 Euro drauf.

Die verfügbaren Lieferzeiten variieren je nach Händler: Basic bietet zum Start die Lieferung von 8 bis 24 Uhr, Kochhaus liefert von 10 bis 22 Uhr. Der Mindestbestellwert bei Prime Now und in den Shops von Basic und Kochhaus beträgt jeweils 20 Euro pro Bestellung.

Auch Kochhaus setzt große Hoffnungen auf die Kooperation mit Amazon. Ramin Goo, Geschäftsführer von Kochhaus, sagt: „Die schnelle Lieferung mit Prime Now ist für unser Unternehmen eine tolle Option, um weitere Kunden schnell zu erreichen und unsere Bekanntheit zu steigern.“ Das Unternehmen bietet den Kunden neben Feinkostartikeln bereits fertig portionierte Zutaten zu ausgewählten Rezepten.

Amazon ist nicht der erste Onlinehändler, der auf die stationäre Konkurrenz zugeht. Auch Zalando testet bereits Kooperationen mit Läden, wie das Handelsblatt im Oktober vergangenen Jahres berichtete. Mit dem Programm „Integrated Commerce“ möchte das Versandhaus prüfen, wie online und offline in Zukunft zusammenarbeiten können. So kann der Kunde seine Bestellung auch von einem lokalen Schuhgeschäft erhalten, falls er das gewünschte Paar vorrätig hat.

Ob diese Kooperationsformen nun Chance oder Gefahr für den stationären Handel darstellen, bleibt abzuwarten. Amazon tritt durch den Service beispielsweise noch stärker in Konkurrenz mit Supermärkten, die eigenständig einen Lieferdienst anbieten. Gerade für kleinere Geschäfte, ohne entsprechende Mittel, ist die Zusammenarbeit mit den Online-Riesen jedoch attraktiv.

Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

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