Privat-Equity-Firmen bieten 2,4 Milliarden Euro für britische Kaufhauskette
Bieterpoker um Kaufhaus Debenhams

In Großbritannien bahnt sich eine neue Übernahmeschlacht an: Nachdem bereits das berühmte Londoner Warenhaus Selfridges verkauft wurde, seit Monaten ein Milliarden-Poker um die Supermarktkette Safeway tobt und die Spekulationen um einen Verkauf des Konsumtempels Harrod's nicht abreißen, bieten zwei Private-Equity-Lager um die Debenhams plc.

LONDON. Für die zweitgrößte Kaufhauskette auf der Insel haben nun die britische CVC Capital Partners und die US-Gruppe Texas Pacific Group mit Merrill Lynch 1,7 Mrd. £ (rund 2,4 Mrd. Euro) in bar geboten. Damit ist die Juni-Offerte der Londoner Permira-Gruppe (Wert: 2,2 Mrd. Euro) überboten.

Analysten erwarten nun einen heftigen Bieterkrieg. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Permira einfach aufgibt“, so ein Experte. Bei der Permira Advisers Ltd. heißt es, man wolle die neue Lage genau prüfen. Der Debenhams-Kurs hat bereits kräftig zugelegt und notiert bei 459 Pence. Analysten erwarten ein Gebot von bis zu 465 Pence pro Aktie, einige halten sogar 490 Pence pro Aktie möglich.

Das wäre für die Debenhams-Aktionäre ein satter Zuschlag. Denn lange Zeit sah es so aus, als finde sich kaum ein zweiter Bieter. Der Kurs verharrte lange bei gut 400 Pence.

Die Permira-Offerte vom Juni entspricht 425 Pence, das jüngste Gebot von CVC/Texas 455 Pence. Große Investoren wie Standard Life Investment haben inzwischen deutlich gemacht, dass sie damit nicht zufrieden sind.

Finanzinvestoren haben schon seit längerem ein Auge auf den britischen Handel geworfen. Zum einen verfügt die Privat-Equity-Branche über volle Kassen, gibt es auf der Insel doch sehr billige Kredite für Übernahmen. Zum anderen lässt sich diese Finanzierung mit den lukrativen Immobilien der Kaufhäuser sichern. Bei Debenhams wird der Wert der Immobilien allein auf 440 Mill. £ geschätzt. Zudem verspricht der Handel Investoren schnellen Geldzufluss durch die Tageseinnahmen.

Debenhams ist eine britische Institution. Der erste Laden wurde 1905 eröffnet, seit 1928 ist das Unternehmen börsennotiert. Heute hat der Konzern 103 Geschäfte in Großbritannien sowie zehn weitere Standorte in Europa, Asien und Mittleren Osten.

Debenhams verkauft von Küchenbedarf über Kleidung und Parfüm bis zum Ledersofa alles. Auch die britische Königin wird mit Kleidung von Debenhams beliefert. Der Umsatz pro Angestellten liegt bei dem Traditionshaus höher als etwa bei den Rivalen Marks & Spencer oder House of Frazer.

CVC/Texas haben für ihre Offerte ein Unternehmen mit dem Namen Baroness Retail gegründet. Morgan Stanley und Credit Suisse First Boston sorgen für die Finanzierung. Texas wurde durch die Übernahme der Fastfood-Kette Burger King und der Bally-Schuhläden bekannt.

Zur anderen Bietergruppe um Permira (Name Laragrove Ltd) gehört Goldman Sachs und die Blackstone Group. Permira ist in Deutschland größter Anteilseigner beim Sender Premiere und soll angeblich Interesse an Mobilcom haben. CVC/Texas hat zudem den britischen Multimillionär John Lovering verpflichtet, der – ähnlich wie der Schotte Tom Hunter oder der nach Monaco ausgewanderte Philip Green – seit Jahren als Firmenaufkäufer in den Schlagzeilen ist. Lovering hatte zuletzt vergeblich für die Supermarktkette Somerfield geboten, Hunter wollte sowohl House of Frazer als auch Selfridges kaufen, Green mischt beim Safeway-Poker mit.

Debenhams-Chefin Belinda Earl unterstützt nun das neue Angebot wie zuvor schon die Permira-Offerte. Diese Doppelstrategie war zeitweilig heftig kritisiert worden. Debenhams musste 1 Mill. £ pro Woche an Permira zahlen, um eine Alternative verhandeln zu dürfen. Die jetzt abgegebene neue Offerte rechtfertige die Taktik aber, so Fondsmanager. Earl und Finanzchef Matthew Roberts werden nun auch ihre zukünftige Rolle nach einer Übernahme diskutieren müssen.

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