Private-Equity-Branche betont: „Wir sind keine Plünderer“
Finanzinvestoren grenzen sich ab

Der Bundesverband Deutscher Beteiligungsgesellschaften (BVK) versuchte gestern den Spagat. Zum einen verwahrte sich der Verband gegen den Heuschrecken-Vergleich von SPD-Chef Franz Müntefering. Zum anderen warb BVK-Geschäftsführer Holger Frommann dafür, Unternehmen aus der Private-Equity-Branche „nicht in einen Topf mit Raidern“ zu werfen.

fmd BERLIN. „Raider“, zu deutsch „Plünderer", würden Unternehmen auseinander nehmen, um die Teile dann zu verwerten. Mit diesem Geschäftsmodell habe die Private-Equity-Branche, die Unternehmen außerbörsliches Kapital zur Verfügung stellt, nichts am Hut. Die Branche setze auf Wertsteigerung bei den Unternehmen, an denen sie sich beteilige, so Frommann.

Müntefering hatte Finanzinvestoren kritisiert, die über deutsche Unternehmen wie Heuschrecken herfielen und nichts mehr von ihnen übrig ließen. Allerdings ignorierte Müntefering, dass die Bundesregierung selbst den Boden für Private Equity ebnete. So verabschiedete der Bundestag 2004 ein Gesetz zur Förderung von Wagniskapital, in dem eine im Vergleich zum Ausland wettbewerbsfähige Besteuerung von Gewinnanteilen eingeführt wurde. Zudem initiierte das Wirtschaftsministerium neue Fonds zur Förderung von Venture Capital in einem Volumen von eine Mrd. Euro.

Selbstkritisch räumte Frommann ein, dass es in der Öffentlichkeit bislang nicht gelungen sei, die Bedeutung der Private-Equity-Branche für die Volkswirtschaft herauszustellen. Die Beteiligungsunternehmen kämen Ende 2004 auf einen Jahresumsatz von 114 Mrd. Euro und würden 640 000 Mitarbeiter beschäftigen. Gut fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts würde auf diese Unternehmen entfallen.

Frommann hofft, dass die Debatte dem Standort Deutschland nicht schadet. Im ersten Quartal beliefen sich die Investitionen in Private Equity auf knapp 419 Mill. Euro. Obwohl dieser Wert unter dem des Vorjahresquartals liegt, sieht der BVK-Geschäftsführer für 2005 Chancen, das Niveau des Vorjahres zu übertreffen. 2004 lagen die Bruttoinvestitionen bei 3,77 Mrd.Euro.

Als Nadelöhr könnte sich jedoch die Beschaffung neuer Mittel herausstellen, denn die Nachfrage nach Beteiligungskapital sei in allen Segmenten ungebrochen, hieß es beim Verband. Im ersten Quartal konnten neue Mittel in Höhe von 235 Mill. Euro geworben werden, was deutlich unter dem Vorquartal (409 Mill. Euro) lag. „Die Investoren üben nach wie vor große Zurückhaltung“, bemerkte Frommann.

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