Private Equity
„Der Markt wird vernünftig“

Die Private-Equity-Branche muss sich auf härtere Zeiten einstellen: Das steigende Risikobewusstsein der Kreditgeber verteuert die Finanzierung der Deals, Renditen geraten unter Druck. Die Rückkehr zur Normalität kommt vor allem den Banken entgegen.

FRANKFURT. „Gott sei Dank, es ist vorbei. Der Markt wird wieder vernünftig.“ Mit diesem Stoßseufzer kommentierte gestern ein hochrangiger Investmentbanker in Frankfurt die jüngsten Verwerfungen an den Finanzierungsmärkten für Unternehmenskäufe. Getrieben durch die hohe Liquidität und die prall gefüllten Beteiligungsfonds der Private-Equity-Häuser war der Markt für „leveraged loans“ in den vergangenen Monaten heiß gelaufen. Die Banken mussten immer höhere Risiken akzeptieren bei gleichzeitig unangemessen niedrigen Preisen. Außerdem wurden die Schutzklauseln – im Fachjargon „covenants“ genannt – immer weiter gefasst oder gleich ganz weggelassen. Doch mit den Übertreibungen ist jetzt Schluss. „Die Risikoeinschätzung der Geldgeber für Übernahmen mit viel Fremdkapital hat sich geändert, der gesamte Markt durchläuft eine Neubewertung“, sagt Benedikt von Schröder, Partner bei der Merchant Bank Augusta & Cie.

Für die Private-Equity-Branche bedeutet das zwar nicht den Untergang, aber eine Zäsur. In Zukunft werde es wieder konservativere Finanzierungsstrukturen geben, die Zeiten des billigen Geldes seien vorbei. „Wir werden im Markt wieder höhere Eigenkapitalanteile sehen“, glaubt von Schröder. Das Lehrbuch sieht bei einem Deal mit Private Equity einen durchschnittlichen Eigenkapitaleinsatz von 60 bis 70 Prozent vor. Der Anteil hat in den vergangenen Jahren aber schrittweise abgenommen, weil sich ein riesiger Markt für Fremdkapital gebildet hat, der zu 60 Prozent von Spezialfonds und nicht mehr von Banken dominiert wird. Nach Angaben der Deutschen Bundesbank hat das Volumen neuer Kredite für fremdfinanzierte Unternehmensübernahmen in Europa mit 116 Mrd. Dollar im Jahr 2006 ein „beträchtliches Volumen“ erreicht, in den USA seien es sogar 187 Mrd. Dollar gewesen.

Hinter dem großen Kreditrad stehen institutionelle Geldgeber wie Versicherungen, Pensionskassen sowie Spezial- und Hedge-Fonds. Deren Risikoappetit war ungezügelt, bis der Markt im Juni einen Knacks bekam, ausgelöst durch die Probleme bei Immobilienfinanzierungen mit schlechter Bonität der Kreditnehmer. Diese „Subprime“-Krise sorgte dafür, dass die Geldgeber zurückhaltender wurden und allzu hohe Risiken vermeiden wollten. Auf einmal rückten Bedenken in den Vordergrund, auch bei den Private-Equity-Transaktionen könne der eine oder andere Deal schief laufen, zumal hier die gezahlten Preise astronomische Höhen erreicht haben.

Was sind nun die Folgen für die Beteiligungshäuser? Die Gründer der bekanntesten Private-Equity-Gesellschaft Kohlberg Kravis Roberts & Co (KKR) bringen die wohl wichtigste Konsequenz auf den Punkt: „Die kommenden Jahre werden härter, keine Frage. Die Renditen werden deutlich fallen“, sagte Roberts jetzt dem „manager magazin“.

Damit dürften auch die immer neuen Rekorde beim Mittelzufluss in die Fonds der Vergangenheit angehören, der Markt wird sich auf dem ohnehin schon hohen Niveau normalisieren. Denn wenn die Erträge der Finanzinvestoren wie KKR, Permira, CVC oder Blackstone sinken, verringert sich auch der Renditeabstand zu anderen Anlagemöglichkeiten mit geringerem Risiko.

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