Private-Equity
Finanzinvestoren in Lauerstellung

Die Finanzinvestoren lassen sich von den Turbulenzen an den Finanzmärkten offenbar kaum beeindrucken. Die Zahl der Deals ist weiterhin hoch und viele Private-Equity-Firmen in Lauerstellung. Nur bei großen Transaktionen gibt es derzeit Probleme.

FRANKFURT. Von einem Winterschlaf der Branche könne keine Rede sein, sagte Joachim Spill, Leiter des Bereichs Transaction Services bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young, dem Handelsblatt. „Wir merken an unserer Beratungstätigkeit, dass die Private-Equity-Investoren nach wie vor sehr aktiv und in Lauerstellung sind.“

Spill verwies auf Daten, die am gestrigen Donnerstag von Ernst & Young vorgestellt wurden. Danach ist 2007 wegen der Probleme bei großen Finanzierungen zwar das Investitionsvolumen von Private-Equity-Firmen in Deutschland um 43 Prozent auf 29 Mrd. Euro abgesackt. Das Transaktionsvolumen sank sogar um 58 Prozent auf 8,7 Mrd. Euro. Allerdings ist die Zahl der Deals weiterhin hoch. Sie fiel nur um elf Prozent auf 166. „Trotz des aktuellen Rückgangs beim Investitionsvolumen wird Private Equity in Deutschland weiter eine wichtige Rolle spielen. Nur große Transaktionen ab einer Milliarde Euro sind derzeit kaum durchsetzbar“, sagte Spill. Wie schnell sich das ändern wird, sei nicht absehbar. „Alle im Markt haben derzeit Wetten laufen. Aber wann genau die Wende kommen wird, weiß keiner“, sagte Spill.

Große Transaktionen scheitern derzeit vor allem an der sogenannten Syndizierung, dem Weiterverkauf der den Investoren zugesagten Kredite an andere Banken und Fonds. Waren laut Ernst & Young in der ersten Jahreshälfte in Deutschland noch acht Deals mit einem Volumen von mehr als einer Milliarde Euro abgeschlossen worden, schafften die Investoren in der zweiten Hälfte 2007 gerade noch zwei Übernahmen mit einem solchen Wert.

Gleichzeitig wirken sich die Turbulenzen an den Kreditmärkten auch auf den Verkauf von Beteiligungen durch Finanzinvestoren aus. So sank die Zahl der sogenannten Exits in der zweiten Jahreshälfte von 48 auf 41. Dass die Private-Equity-Firmen in der Gesamtschau des Jahres mit 87 Verkäufen dennoch mehr Beteiligungen veräußern konnten als im Jahr zuvor (72 Exits), lag am Exit-Boom in der ersten Jahreshälfte. „Unter dem Strich würde ich 2007 von einem eher moderaten Exit-Jahrgang sprechen“, sagte Spill.

Vor allem der Weiterverkauf einer Beteiligung an einen anderen Investor – die sogenannten Secondaries – ist schwieriger geworden. „Die Banken sind vorsichtig geworden. Das erschwert natürlich auch die Finanzierung von Secondary Buy-outs“, sagte Spill. Gerade das Weiterreichen von Beteiligungen an einen Rivalen hatte bis zum Beginn der Finanzkrise zu einem der bevorzugten Ausstiegskanäle von Finanzinvestoren gezählt. Dieser Kanal bleibt vorerst versperrt. „Die Entwicklung hin zu steigenden Zinssätzen und Risikoprämien wirkt sich seit Mitte des Jahres äußerst negativ auf Realisationen aus“, äußern sich die Experten der Finanzberatungsgesellschaft SCM Strategic Capital Management ähnlich zurückhaltend wie Ernst & Young.

Auch strategische Investoren konnten diese Lücke nicht schließen. „Die Strategen sind durch die Finanzkrise bei Übernahmen wieder in eine bessere Position gekommen. Aber ich habe das Gefühl, dass sie sich noch nicht so richtig ausgiebig mit dem Kauf einer Private-Equity-Beteiligung beschäftigt haben“, sagte Spill.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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