Private Messeorganisationen können sinnvoller sein
Privatisierung der Messen gefordert

Sollten öffentliche Messegesellschaften, die am Tropf des Steuerzahlers hängen, privatisiert werden? Das Thema wird heftiger denn je diskutiert, seit bekannt wurde, dass die Musikmesse Popkomm von Köln nach Berlin zieht und in diesem Zusammenhang Subventionsvorwürfe erhoben werden.

KÖLN. Der Bund der Steuerzahler (BdSt) beantwortet die Frage mit einem klaren „Ja“. Messen seien lukrative Assets, deren Verkauf ein wichtiger Beitrag zur Sanierung der maroden öffentlichen Haushalte wäre, sagte BdSt-Haushaltsexperte Eberhard Kanski im Gespräch mit dem Handelsblatt. Zudem würden die Messen auf längere Sicht effektiver arbeiten und sich damit besser selbst finanzieren können.

Auch Messeexperten halten private Messeorganisationen für sinnvoller. Allerdings reicht es aus ihrer Sicht aus, wenn die öffentlichen Unternehmen Halleneigentümer bleiben und private Veranstalter für das operative Geschäft mit ins Boot holen, meint Jörg Beier, Leiter des Studienschwerpunktes Messewirtschaft an der Berufsakademie Ravensburg. Die Flächen sollten aber kostendeckend weitervermietet werden. „Mit der Beibehaltung subventionierter Preise wäre nicht viel gewonnen.“ Der Bund der Steuerzahler lehnt einen solchen Kompromiss ab. „Wenn Privatisierung“, so Kanski, „dann ganz.“

Das Institut für Messewirtschaft und Distributionsforschung der Universität Köln schlägt vor, dass die Messen, unabhängig von der Privatisierungsfrage, in Regionen mit hoher Messedichte, wie Nordrhein Westfalen, zumindest Netzwerke für eine engere Zusammenarbeit bilden. Es gebe aber noch keine neueren Überlegungen zu diesem Thema, erklärte Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma auf der Bilanzpressekonferenz der Koelnmesse in der vergangenen Woche. Die Messegesellschaft werde auf jeden Fall dafür sorgen, dass sie auch in Zukunft gut aufgestellt ist. Das ist auch nötig. Denn die Abwanderung von Themen aus dem Hausgeräte- und Modebereich sowie aktuell der Wegzug der Popkomm nach Berlin machen den Kölner Messeorganisatoren zu schaffen.

Das laufende Messejahr wird für die gesamte Messewirtschaft alles andere als einfach. So fürchtet der Messeverband Auma, dass die Zahl der Aussteller und Besucher um weitere 2 bis 3 % sinkt, nachdem schon 2002 Schrumpfkurs angesagt war. Zur Rechtfertigung auch solcher Messen, die sich betriebswirtschaftlich kaum rechnen – die Popkomm gehört dazu –, weisen die Messegesellschaften darauf hin, dass, neben den Umsätzen auch die zusätzlich erzeugte Nachfrage in Hotels und Gastronomie im Umfeld des Messestandortes, die so genannten Umlenkeffekte, zur Erfolgsbilanz hinzugerechnet werden müssten. Laut Auma sind das rund 10 Mrd. Euro jährlich. Private Messebetreiber würden sich ausschließlich auf das betriebswirtschaftliche Ergebnis konzentrieren.

BdSt-Sprecher Kanski lässt dieses Argument aber nicht gelten. „Wenn Messen gut sind und sich rechnen, profitiert auch das Umfeld davon.“ Fachleute fordern bereits seit langem, dass Messegesellschaften zumindest enger kooperieren und sich auch private Partner suchen. Für die Koelnmesse wäre eine Kooperation mit anderen Standorten grundsätzlich kein Problem, versicherte Messechef Jochen Witt kürzlich. Man sei grundsätzlich dazu bereit.

Messe-Experte Beier bleibt skeptisch: Er bezweifelt, dass sich das vielfach problematische Konkurrenzverhalten der Messen schnell auf eine ökonomisch rationalere Grundlage zurückbringen lässt. Es gebe, wie bereits das Gezerre um die Buchmesse zwischen München, Frankfurt und Köln gezeigt habe, unter den Messegesellschaften eine Art interkommunalen Wettbewerb, der subventioniert sei. „Und das wird wohl auch noch eine Zeit lang so bleiben.“

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