Private russische Fluggesellschaft
Hauptsache Platz für den Pelzmantel

Russlands erste private Fluggesellschaft weiß, was ihre Kunden anderswo vermissen: Genug Platz für russische Pelze. Mit ihren 3,2 Millionen Passagieren gehört Transaero zu den Top vier im Land. Doch die Zukunft der Airline wird sich nicht bei den Wintermänteln entscheiden, sondern bei ihrem Verhältnis zum russischen Staat.

MOSKAU. Olga Pleschakowa weiß was ein gutes Flugzeug braucht: Genug Platz für Wintermäntel. Die 41-Jährige ist Chefin von Transaero, Russlands erster privater Fluggesellschaft, die mit ihren 3,2 Millionen Passagieren zu den Top vier im Land gehört und vor allem den internationalen Markt bedient. Als Kundin westlicher Airlines musste sie immer wieder feststellen, dass deren Kabinen nicht für die Aufbewahrung russischer Pelze ausgelegt sind.

Doch die Zukunft ihrer Gesellschaft wird sich nicht bei den Pelzen entscheiden, sondern beim Verhältnis zum russischen Staat. Der möchte den Luftfahrtsektor, der nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in erhebliche Turbulenzen geraten war, wieder auf ein Niveau von internationalen Rang heben. Dabei vertraut er nicht den Kräften des Marktes, sondern mischt kräftig mit - nicht nur im Flugzeugbau, auch bei den Fluggesellschaften.

Denen geht es derzeit ganz gut: Sie profitieren vom Wirtschaftsaufschwung im Land, der die Reisefreudigkeit der Russen angestachelt hat - das Passagieraufkommen wächst 18 Prozent im Jahr. Mehr als die Hälfte des Wachstums entfällt auf den Tourismus. Allein Transaero konnte im vergangenen Jahr ein Plus von 51 Prozent bei den Fluggästen verbuchen.

"Sollte uns der Staat ein Angebot machen", sagt Pleschakowa mit einem feinen Lächeln, "dann werden wir uns dies anschauen." Den staatlichen Appetit haben bereits andere Fluggesellschaften zu spüren bekommen: Die Brüder Boris und Alexander Abramowitsch wollten ab 2006 die Branche mit ihrer Vielzahl maroder, lokaler Gesellschaften durch den Zusammenschluss von fünf Unternehmen um die in Krasnojarsk beheimatete Kras Air zur Air Union konsolidieren. Der Staatsanteil an der Gesellschaft sollte ursprünglich bei 45 Prozent liegen, doch nun ist in der russischen Presse davon die Rede, dass Air Union Teil des Staatskonzerns Rostechnologij wird.

Die Pläne der Transaero-Chefin gehen aber zunächst für die kommenden fünf Jahre von der Unabhängigkeit des Unternehmens aus. Nach ihren Angaben ist es profitabel und wird in diesem Jahr erstmals über eine Mrd. Dollar Umsatz machen.

Derzeit baut Pleschakowa ihre Flotte kräftig aus, redet sogar mit Airbus über den Kauf eines Großraumflugzeugs vom Typ A380. Bis Ende des Jahres sollen 15 neue Flugzeuge in Dienst genommen werden, darunter auch vier Boeing-Jumbos 747-400.

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