Privathoteliers suchen Hilfe
Hotels flüchten unters Markendach

Einen Markennamen zu führen wird für Hotels in der angespannten Wirtschaftslage immer wichtiger. Viele Privathoteliers haben das erkannt und suchen nun Unterschlupf bei den bekannteren Hotelketten. Das Zauberwort heißt "Franchising" und verspricht Wachstum bei begrenztem unternehmerischem Risiko.

BAD BEVENSEN. Alexander von Keller, rund um die Welt erfahrener Hotelier, hat sich von drei Tannenzapfen verabschiedet. Diese zierten bis vor kurzem den Schriftzug seines Vier-Sterne-Hauses in Bad Bevensen am Rande der Lüneburger Heide weithin sichtbar an der Außenfassade wie auf Briefbögen. Statt der stilisiert dargestellten Baumfrüchte setzt der 66-jährige gebürtige Ungar mit österreichischem Pass nun auf ein zum Logo verarbeitetes "Q" - und einen Anglizismus. Das Q steht für "Quality", und sein 50-Zimmer-Hotel Kieferneck heißt jetzt Quality Hotel Kieferneck. Und damit ist es eins von über 5 000 Häusern geworden: Quality ist eine Marke der weltweit operierenden Choice-Hotels. Keller hat sein Hotel als Franchisenehmer unter das Markendach gebracht.

"Das bringt Bad Bevensen auf die internationale Karte", ist der Hotelier überzeugt - auch wenn die bislang 180 europäischen Quality-Hotels in Deutschland bei weitem nicht so bekannt sind wie andere Hotelnamen. Für Keller entscheidender: Viele Urlauber aus Skandinavien wissen etwas mit dem Q anzufangen - und Europas Norden ist für Bad Bevensen ein interessanter Markt.

Einen Markennamen zu führen wird für Hotels in der angespannten Wirtschaftslage immer wichtiger. Besonders in Deutschland gibt es Nachholbedarf: Laut Statistik des Internationalen Hotelverbandes (IHA) gibt es gut 35 000 Hotels, nur knapp zehn Prozent von ihnen sind Markenhotels. "Ein noch immer eher geringer Grad der Marktdurchdringung", findet Verbandsgeschäftsführer Markus Luthe. Allerdings: Bezogen auf den Umsatz fahren die Markenhäuser mit gut acht Mrd. Euro die Hälfte der Branchenerlöse ein.

Schon deshalb lockt der Markenauftritt viele Privathoteliers. Die Hotelketten wollen ihre Marken schnell und flächendeckend erweitern und setzen auf das in den USA und in Frankreich längst übliche, in Deutschland weniger bekannte Franchisemodell: Ein Hotel, das die Markenanforderungen hinsichtlich Ausstattung und Qualität vom Zimmerstandard über Wellnessangebote bis zum Restaurant erfüllt, darf unter dem lukrativen Markennamen auftreten.

Der Franchisenehmer bezahlt dafür eine Gebühr. Als Gegenleistung bekommt er Dienstleistungen rund um das Hotelgeschäft, wie sie sonst nur die Betriebe einer Hotelkette von ihrer Zentrale erhalten. Gleichzeitig bleibt er aber sein eigener Herr und eigenständiger Unternehmer.

Franchise gilt als ein Weg, Wachstum mit begrenztem unternehmerischem Risiko voranzutreiben. Auch Accor bietet dies an: Der französische Konzern, der Hotelmarken wie Etap, Ibis, Novotel, Mercure und Sofitel führt, sieht diese Form der Partnerschaft als Pfeiler seiner "Strategie des profitablen Wachstums", wie Accor-Manager Thomas Edelkamp beschreibt. "Mittelfristig könnte die Hälfte unserer weltweiten Hoteleröffnungen mit diesem Geschäftsmodell generiert sein. Das gilt auch für Deutschland." Dabei setzt Accor nicht nur auf bekannte Marken, sondern versucht auch, neue Produkte - so eine neue Hotelmarke All Seasons - über Franchisepartner flächendeckend einzuführen.

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