Privatisierung
Italien muss beim Alitalia-Verkauf nachlegen

Nach dem Rückzug des letzten ernst zu nehmenden Bieters für die angeschlagene Fluggesellschaft Alitalia setzt die italiensiche Regierung jetzt auf Einzelgespräche mit den bereits ausgestiegenen Interessenten. Und diese könnten sich eine Übernahme weiterhin vorstellen – allerdings nur zu anderen Bedingungen.

HB ROM. Die italienische Fluggesellschaft Air One hatte sich am Dienstag aus der Bieterrunde für den Rivalen verabschiedet. Damit bleibt von den ursprünglich elf Interessenten nur der US-Finanzinvestor MatlinPatterson übrig. Allerdings gilt es als unwahrscheinlich, dass er tatsächlich ein Gebot für Alitalia abgeben wird.

Um eine Blamage abzuwenden und für die Traditions-Gesellschaft doch noch einen finanzstarken Investor zu finden, will die italienische Regierung nun direkten Kontakt zu Firmen wie der russischen Fluglinie Aeroflot oder der US-Beteiligungsgesellschaft TPG aufnehmen. Die Unternehmen hatten bemängelt, die Bedingungen des Verkaufs seien zu restriktiv und schränkten den Gestaltungsspielraum für Sanierungsvorschläge ein. Allerdings deuteten sie auch eine Rückkehr in den seit sieben Monaten laufenden Verkaufsprozess an, sollten die Auflagen geändert werden. „Sollten die Bedingungen für die Privatisierung geändert werden, werden wir sie aufmerksam studieren“, sagte beispielsweise eine Aeroflot-Sprecherin am Mittwoch der Agentur Interfax in Moskau.

Alitalia braucht aus Sicht von Branchenexperten schnell frisches Geld, nachdem das Unternehmen seine Flugzeuge abgeschrieben und für 2006 einen Verlust von gut 600 Millionen Euro verbucht hat. Die Fluggesellschaft erwirtschaftet seit zehn Jahren keinen Gewinn mehr und macht derzeit täglich mehr als eine Million Euro Schulden. Die Aktien von Alitalia verbilligten sich am Mittwoch um vier Prozent.

In Medienberichten machten Spekulationen die Runde, Rom könne nun Luftfahrt-Riesen wie Lufthansa und Air France KLM zu gewinnen versuchen. Die Unternehmen erklärten allerdings, ihre Haltung sei unverändert: Air France KLM ist nach eigenen Angaben nur an einer profitablen Firma interessiert. Lufthansa hat Alitalia für zu teuer und mit zu vielen Problemen wie den streikfreudigen Gewerkschaften belastet befunden. Am Mittwoch kam es erneut zu Streiks von Flugbegleitern und Bodenmitarbeitern.

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