Privatisierung von Krankenhäusern
Bieten für Betten

Die Privatisierung von Krankenhäusern bleibt eine interessante Nische für Banken und Berater. Zwar zeigen sich die Kommunen angesichts politischer Widerstände und in Erwartung stabiler Steuereinnahmen derzeit zurückhaltend. Die meisten Fachleute sind aber überzeugt, dass dieser Zustand nicht lange anhalten wird – das Geschäft ist zu lukrativ.

FRANKFURT. „Die städtischen Krankenhäuser und die Uni-Kliniken schreiben überwiegend rote Zahlen, außerdem kann der Investitionsstau nicht von der öffentlichen Hand aufgelöst werden“, gibt etwa Peter Pommerenke, Executive Director bei der WestLB, zu bedenken. Deshalb werde das Angebot in absehbarer Zeit auch wieder zunehmen. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass derzeit rund zehn Objekte zur Privatisierung angeboten werden. „Es kommen größere Krankenhausketten im Wert von 200 Mill. bis 400 Mill. Euro auf den Markt“, erwartet Wolfgang Kazmierowski, Geschäftsführer bei der Investmentbank Close Brothers.

„Ein typischer Deal in diesem Marktsegment hat ein Transaktionsvolumen von rund 100 Mill. Euro, meist geht es um Häuser mit etwa 600 Betten“, sagt Thomas Köhler, Partner bei der Kanzlei Luther. Dabei seien bei den Deals einige Besonderheiten zu beachten. Heute verlangten die Kommunen ein medizinisches und personalpolitisches Konzept sowie hohe, rechtlich abgesicherte Investitionsverpflichtungen. Ein hoher Kaufpreis alleine reiche nicht aus, um automatisch zum Zuge zu kommen. Auch Finanzinvestoren entdeckten den Markt.

Sie kommen allerdings nur voran, wenn sie sich mit strategischen Interessenten verbünden. „Reine Private-Equity-Gesellschaften scheitern daran, dass sie kein medizinisches Zukunftskonzept mitbringen“, meint Rechtsanwalt Köhler. Was aber gehe, seien Kombinationen aus Finanzinvestoren und beispielsweise kleineren Klinikbetreibern. Die Strategie mit einer „Plattform“ zu starten und sukzessive über Akquisitionen weiterzuwachsen, könne gut funktionieren, ergänzt Köhler. Insgesamt zählen Investmentbanker bei den Auktionen rund 15 bis 20 Interessenten, darunter sind mit Asklepios, Rhön-Klinikum oder Sana bekannte Adressen. Eine der größten Transaktionen in Europa war die Übernahme der Hirslanden-Gruppe durch den Finanzinvestor BC Partners; in diesem Sommer boten dann Südafrikaner 1,7 Mrd. Euro für diese „Plattform“. Zu den heißesten Transaktionen zählt nach Branchenangaben derzeit der Verkauf des Klinikums Krefeld, wo zuletzt noch drei Bieter im Rennen waren, zwei private und die kommunalen Kliniken Köln. Das Paket besteht aus zwei Krankenhäusern, die defizitär sind und bei denen ein Investitionsstau von 150 Mill. Euro aufgelaufen sein soll.

Zu den Hürden auf dem Weg zur Privatisierung oder größeren öffentlich-rechtlichen Einheiten zählen neben politischem Gegenwind vor allem kartellrechtliche Fragen. „Das Kartellrecht ist ein großes Problem. Die Wettbewerbshüter schauen nicht nur bei einem Verkauf genau hin, sondern auch wenn mehrere öffentliche Kliniken zusammengelegt werden. Die Prüfungen gehen so weit, dass Transaktionen an vielleicht 30 Betten zu viel in einer Hand scheitern können“, sagt Köhler.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%