Privatisierungen in Hellas
Fraport hofft weiter auf griechische Flughäfen

Der Frankfurter Flughafenbetreiber stand kurz vor der Übernahme von 14 griechischen Airports, als Athen den Deal auf Eis legte. Ein Syriza-Minister übt nun heftige Kritik. Doch Fraport gibt die Hoffnung noch nicht auf.
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FrankfurtStefan Schultes derzeitiger Lieblingsflughafen steht im russischen St. Petersburg. Dort habe man ein tolles Team beieinander, die Passagiere strömen nur so und die Investitionen in altes und neues Terminal seien absolut im Plan, schwärmt der Chef des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport.

Auf ähnliche gute Nachrichten aus dem Euro-Staat Griechenland wartet der MDax-Konzern schon lange, hat die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben, in naher Zukunft drei Flughäfen auf dem griechischen Festland und elf Airports auf beliebten Urlaubsinseln in der Ägäis übernehmen zu können.

Im November vergangenen Jahres wähnten sich die Deutschen im Verbund mit ihrem griechischen Partner Copelouzos schon fast am Ziel, als ihnen die staatliche Privatisierungsgesellschaft HRDAF gegen starke internationale Konkurrenz den Zuschlag erteilte. Im Portfolio waren die Flughäfen in der zweitgrößten griechischen Stadt Thessaloniki sowie auf Top-Inseln wie Kreta, Rhodos, Mykonos oder Santorini.

Für die Betreiberkonzession bis in Jahr 2055 sollten bei der für Herbst 2015 anvisierten Vertragsunterzeichnung 1,23 Milliarden Euro fließen.

Doch daraus, wie auch aus den versprochenen Millionen-Investitionen der Fraport, wird vorläufig nichts, denn der Deal wurde von der neuen Syriza-Regierung umgehend auf Eis gelegt. Dort liegt er immer noch - bis zur Klärung der Frage, wie denn nun griechisches Staatseigentum mit einem Volumen von angeblich 50 Milliarden Euro privatisiert werden soll. Angestrebt wird eine von den Griechen geführte und von Europa kontrollierte Treuhandgesellschaft, die dann auch die Flughäfen an den Mann bringen soll.

Am Donnerstag äußerte der griechische Infrastrukturminister Christos Spirtzis noch einmal heftige Kritik an dem Deal mit Fraport: „Bei dieser Privatisierung soll der griechische Staat 14 gewinnbringende Flughäfen verkaufen, und die anderen 30 Flughäfen, die keinen Gewinn machen und subventioniert werden müssen, bleiben beim griechischen Staat“, sagte Spirtzis dem ARD-Magazing „Monitor“. „Das ist ein Modell, das so noch nirgendwo in Europa angewandt wurde. Das passt eher zu einer Kolonie als zu einem EU-Mitgliedsland.“

Fraport-Chef Schulte will zum jetzigen Zeitpunkt trotz aller politischen Querelen und Unwägbarkeiten die Hoffnung auf jährlich rund 20 Millionen Passagiere an den Griechen-Flughäfen nicht aufgeben. Das ist etwa ein Drittel des Aufkommens an der Heimatbasis Frankfurt. „Es ist vereinbart, dass demnächst die Gespräche wieder aufgenommen werden. Schaun 'mer mal“, sagt Schulte vorsichtig optimistisch, denn so weit wie bei den Griechen war Fraport bei internationalen Ausschreibungen schon lange nicht mehr.

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