Privatjets Geschäftsflieger leiden unter Luxus-Image

Wer in Hollywood etwas auf sich hält, schwebt per Privatjet ein. Neben dem Luxus-Image stehen diese Flieger aber vor allem für zeitsparende Transportmittel. Ein Image-Wandel soll nun neue Kundengruppen erschließen.
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Derzeit gibt es allein in Deutschland 209 große bis mittelgroße Privatjets. Quelle: Reuters
Jet-Messe in Genf

Derzeit gibt es allein in Deutschland 209 große bis mittelgroße Privatjets.

(Foto: Reuters)

HannoverSie gelten als Flieger der Schönen und der Reichen, als Inbegriff des obersten Luxussegments: Privat-Jets haben ein Image, das noch oberhalb des Rolls-Royce-Status angesiedelt ist. Das ist für die Anbieter aber auch ein Problem der Extraklasse, baut es doch eher Hürden zu potenziellen Neukunden auf. Das wurde auf der gerade beendeten Fachmesse EBACE in Genf erneut deutlich: „Es gibt eine einseitige Wahrnehmung der Geschäftsluftfahrt, und das ist Teil des Problems“, erklärt die Kommunikationsexpertin des europäischen Branchenverbands EBAA, Tanya Renson-Martin.

Denn das Geschäft mit Business-Jets oder Geschäftsreiseflugzeugen ist alles andere als nur ein Transportdienst für Showgrößen oder hoch bezahlte Profi-Kicker. Geschäftsflieger, die mit ihren Angeboten weltweit eine Vielzahl von Lücken im Transportwesen füllen, setzen daher nach Jahren des Niedergangs gerade auf eine Trend- und Imagewende in der öffentlichen Wahrnehmung. „Die Branche ist bisher extrem diskret aufgetreten; die meisten haben mal davon gehört, dass Tom Cruise oder Rihana mit solchen Flugzeugen unterwegs sind, aber das war's dann“, sagt der Bonner Luftfahrtexperte Volker Thomalla.

Nach einer aktuellen Übersicht des Flugzeugfinanzierers Global Jet Capital gibt es allein in Deutschland 209 große bis mittelgroße Privatjets. Nach Großbritannien (255) wäre das in Europa die größte derartige Flotte. Insgesamt zählte das Unternehmen in einer im Mai veröffentlichten Marktstudie 1742 Privatflugzeuge in Europa, die in die mittelschwere bis große Kategorie entfallen. „Das sich verbessernde ökonomische Umfeld in Europa sowie die Tatsache, dass es mehr als 1000 große bis mittelgroße Jets auf dem Kontinent gibt, bedeutet, dass wir diesen Markt zunehmend positiver beurteilen“, erläutert Unternehmens-Manager Graeme Shanks die Zahlen.

Nach den jüngsten Statistiken des Branchenverbands EBAA liegt die Zahl der Starts von Geschäftsreiseflugzeugen seit November 2016 über den Zahlen des Vorjahresmonats. Mit 52 385 Starts in Europa gab es dabei den besten Monat April seit 2011. Denn die Reise mit dem Privatflieger ist für viele Unternehmen aus Zeit und Kostengründen ein lohnendes Investment - auch wenn sich das nur wenige Unternehmen angesichts des Luxus-Image der Nischen-Flieger öffentlich eingestehen mögen. Dabei geht es nicht nur um sieben- bis zehnsitzige Flugzeuge, sondern zum Teil auch kleinere Airbusse.

„Bei großen Messen oder auch der VW-Hauptversammlung sind hier oft große Teile des Vorfelds vollgestellt mit kleineren Privat-Jets oder Turboprop-Flugzeugen“, sagte der Chef des Flughafens Hannover, Raoul Hille. Der Manager, der selbst privat oft als Pilot am Himmel unterwegs ist, gibt den Herstellern dieser Maschinen einen Teil Mitschuld am Luxus-Image: „Die meisten Hersteller legen bei ihrer Werbung ja gerne den Fokus aufs Luxus-Interieur aus Leder, Holz und Champagner-Kühler statt auf den enormen Zeit- und Produktivitätsgewinn, den diese Maschinen bieten.“

Denn ob schnelle Transferflüge für Organspenden oder ganze Technikergruppen, die in Lappland unter Winterbedingungen Autos oder Reifen testen: Geschäftsflieger sind äußerst vielseitig einsetzbar. Und sie sind zudem alles andere als nur der kleine Bruder der großen Airline-Welt. Das beweisen die großen Hersteller Airbus und Boeing, die diverse Klassiker aus ihrer Modellpalette als geräumige Geschäftsreise-Jets anbieten. Airbus stellte in Genf gerade eine Privatjet-Version des zweistrahligen Verkehrsjets A330 vor: Die ACJ330neo kann 25 Passagiere nonstop über eine Distanz von 17 400 Kilometer transportieren - in etwa die Distanz Europa-Australien.

Privatjet-Branche im Zeichen der Krise
Kampf um Kundschaft
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Business-Jets werden in Asien immer wichtiger. Der junge Markt verspricht viel Potenzial und die großen Flugzeugbauer kämpfen dort erbittert um die neue Kundschaft. China ist mittlerweile der wichtigste Abnehmer im asiatisch-pazifischen Raum. Zielgruppe für diese Flieger sind Regierungen, Unternehmen und Privatpersonen.

Airbus
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Insgesamt 1200 Airbus-Flugzeuge fliegen in China, Hongkong und Macau. 20 davon sind Business-Jets. 180 Luxusmaschinen des europäischen Flugzeugbauers sind weltweit unterwegs. Sie sollen Unternehmen zu ihren Geschäftspartnern bringen und Superreichen das Reisen versüßen. Weit abseits der Economy-Class.

Für lange Reisen
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Bis 2018 kommen eine Reihe neuer Modelle des Flugzeugbauers auf den Markt. Maschinen wie die ACJ319neo können bis zu 12.500 Kilometer ohne Zwischenstopp fliegen. Zum Beispiel von San Francisco nach Peking.

Nächster Halt: Überall
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Hersteller von Business-Jets werben damit, dass die Privatjets ihre Besitzer überall hinbringen. Auch an entlegene Orte wie die Antarktis. Hier zum Beispiel zur US-amerikanische McMurdo-Station, der größten Forschungsstation des Kontinents.

Boeing
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Auch für den US-amerikanischen Flugzeugbauer Boeing ist der chinesische Markt wichtig. Dort fliegen aktuell 21 Business-Jets des größten Flugzeug-Herstellers der Welt – drei weitere sind bestellt. Seit 20 Jahren ist der Flugzeugbauer im Privatjet-Bereich unterwegs. Seit 1996 konnte er 238 Flugzeuge dieser Art weltweit verkaufen.

Individuelles Design
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Luxus oder Arbeit: Je nach den Wünschen des Kunden richten die Hersteller die Flugzeugkabinen ein. In den meisten können die Firmen in separaten Räumen Meetings abhalten und sich auf Termine vorbereiten. Privatpersonen können aus ihren Flugzeugen aber auch kleine Wohlfühl-Oasen machen.

Gulfstreram
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Der US-amerikanische Flugzeugbauer Gulfstream hat bisher 2500 Flugzeuge an Unternehmen, Privatbesitzer und Regierungen geliefert. Allein 154 im vergangenen Jahr. Besonders erfolgreich ist das Modell G550 (im Bild). Gebraucht gibt es das so ab 20,5 Millionen US-Dollar.

Wer es größer mag, für den hält die Firma Sparfell & Partners das geeignete Fluggerät bereit: vier doppelstöckige Gebrauchtflugzeuge vom Typ A380. Bei 550 Quadratmetern Fläche wäre sogar eine Kegelbahn über den Wolken drin - auch wenn diese Flugzeugklasse eher für Regierungen und ihre Delegationen gedacht sind.

„Die Branche stellt sich gerade neu auf und versucht auch durch neue Digitalmodelle, neue Kunden zu gewinnen“, sagt Volker Thomalla. Der Chefredakteur des Informationsdienstes Aerobuzz.de sieht darin eine Möglichkeit, die Kosten der kleinen, aber feinen Nischenflieger weiter zu senken. Denn als Alternative zu nervigen Sicherheits-Checks mit langen Warteschlangen in überfüllten Airports bieten Anbieter im Internet Mitflüge in Privatjets oder kleineren Propellermaschinen. Als Trendsetter gilt die 2011 gegründete Mitflugzentrale „Victor“.

  • dpa
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