Privatmolkerei Bauer
Werbung für Joghurt setzt Konkurrenz herab

„Frischer Joghurt mild ohne Gentechnik“ ist das allerneueste Produkt aus dem Hause Bauer, das die begehrte „Ohne Gentechnik“-Kennzeichnung trägt. Das hört sich zunächst sehr schön an, wirft aber unangenehme Fragen auf.
  • 7

DüsseldorfMit der Bild-Zeitung unterm Arm kommt der Kollege heute in die Redaktion und sagt: „Das musst du dir unbedingt mal anschauen!“ Auf der Titelseite die üblichen Schlagzeilen: „Michelle: Heisse Küsse“, „Echt stark! Bier mit 57 % Alkohol“ und „Die sechs billigsten Urlaubsländer“.

Aber dann, unten rechts, springt einem die Anzeige der Privatmolkerei Bauer ins Auge. Weil die nicht nur neugierig, sondern auch stutzig macht. Dort wirbt das bayerische Familienunternehmen für seine neuen Fruchtjoghurts, die es gentechnikfrei auf den Markt bringen will. Mit dem Siegel „Ohne Gentechnik“ garantiert die Molkerei, dass alle verwendeten Inhaltsstoffe – von den Joghurtkulturen über den Zucker bis hin zu den Früchten – nachweislich gentechnikfrei sind.

„Nur von Bauer: Der erste gentechnikfreie Fruchtjoghurt Deutschlands!“

Klingt an und für sich erstmal richtig gut, stehen doch Lebensmittel ohne Gentechnik beim deutschen Verbraucher hoch in Kurs. Nur: Was bedeutet diese Werbeaussage eigentlich im Umkehrschluss? Für die Experten des Fachmagazins „Horizont“ scheint die Antwort klar: Für Bauer geht diese Aktion ins Auge. Weil das Unternehmen ein Produkt hochjubelt und seine anderen Marken damit herabwürdigt. Denn: Wenn der Bauer-Fruchtjoghurt mit frischer Milch „der erste gentechnikfreie Fruchtjoghurt Deutschlands“ ist, sind demzufolge dann alle übrigen Fruchtjoghurts, die von der Privatmolkerei produziert werden, keine gentechnikfreien Joghurts? Und was ist mit den anderen Fruchtjoghurts, die von anderen Molkereien in Deutschland produziert werden?

„Horizont“ kritisiert außerdem die Online-Werbung auf der Homepage der Privatmolkerei, wo man „aus dem Staunen gar nicht mehr heraus“ kommt. Tatsächlich sieht man dort, wie Testimonials einen ganz anderen Joghurt essen, als den eigentlich beworbenen (der am Rande ins Bild modelliert ist), der ja laut Bauer als einziger gentechnikfrei ist. Und daneben wird auch noch der „Mövenpick“-Joghurt von Bauer angepriesen. Auf einem anderen Bild taucht sogar zusätzlich „Knirps“, der kleine Weinkäse aus dem Hause Bauer auf und - man ahnt es schon - auch der Schnittkäse wird irgendwie noch untergebracht. Ob mit oder ohne Gentechnik: Bauer bleibt die Antwort schuldig.

So oder so drängt sich der Verdacht auf, dass hier gleich die ganze Bauer-Produktpalette an den Mann gebracht werden soll. Und das, so das Urteil von Horizont, ist „ungut.“ Dass es auch noch Joghurts anderer Hersteller mit Nüssen oder Schokolade gibt, die möglicherweise ebenfalls gentechnikfrei produziert werden - das sei nur der Vollständigkeit halber noch erwähnt.

Seite 1:

Werbung für Joghurt setzt Konkurrenz herab

Seite 2:

Bauer bleibt bei seiner Aussage

Kommentare zu " Privatmolkerei Bauer: Werbung für Joghurt setzt Konkurrenz herab"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Werbung für Joghurt setzt Konkurrenz herab: macht nichts, Testsieger ist ein Bio-Erdbeer-Joghurt: http://www.proplanta.de/Agrar-Nachrichten/Bio-Landbau/Bio-Produkte-gewinnen-Erdbeerjoghurt-Test_article1335766172.html

  • Na ja, aber irgendwo muss doch etwas begraben sein, was schuldhaft ist, dass Krebserkrankungen mittlerweile Standard in der Gesellschaft geworden sind und dass schon Kinder mit Allergien auf die Welt kommen.

    Ich vermute, dass hier die Ursache auch in jüngerer Vergangenheit, z.B. den 1980er Jahren liegt: damals gab es keine nachhaltige Landwirtschaft, zertifizierte Biobetriebe, artgerechte Tierhaltung oder den Verzicht auf Kunstdünger.

    Der Fokus der Öffentlichkeit war hierauf noch gar nicht eingestellt.
    Man ging damals ganz selbstverständlich in den Supermarkt und kaufte dort seine Fleisch- oder Wurstwaren. Gerne auch abgepackt.

    Hat da jemand nach Tiertransporten, 'humanner' Schlachtung oder sich über das Futter erkundigt, welches die Tiere bekommen haben, oder wo die Tiere überhaupt herkommen?

    Heute ist das Standard - damals haben wir aber auch alle schon gegessen und getrunken.

    Und man sollte nicht davon ausgehen, dass den damaligen Lebensmittelproduzenten das Wohl von Tieren oder Pestizidfreien Gemüse- und Obstwaren näher am Herzen lag, als deren Bilanzgewinn.

    Und Ökosiegel, mit denen man sich heute schmückt und auf Kundenfang geht, gab es damals bekanntlich noch nicht.


    Heute erntet der Mensch dafür die kranke Leibesfrucht.

  • Joghurts, Bier, Käse werden in der Regel mit gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt. Diese sind leistungsfähiger und so ist dies sinnvoll. Novo ist einer der bedeutendsten diesbezüglichen Anbieter. Aufgrund des hierzulande verbreiteten ökologischen Glaubens wird dies nicht offensiv publiziert.

    Grundsätzlich ist die moderne, gezielte Gentechnik effizienter und sicherer als die natürliche, zufallsbezogene Gentechnik.

    Allerdings steht die Gentechnik genau wie fossile Brennstoffe die Waldsterben und Klimahöllen verursachen, Kernkraftwerke die frevelhafte Atomstrahlen emittieren im Mittelpunkt der Oekoreligion die eine vorindustrielle Welt als Heilsbotschaft predigt.

    Somit glauben dann hierzulande viele Menschen an gräusliche Gen Kreaturen.

    Vandale

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%