Probleme bei Airbus A380
Französischer Finanzminister versagt EADS-Chef die Unterstützung

Der französische EADS-Chef Noel Forgeard wird ob der Probleme beim Vorzeigeprojekt A380 und eigener Aktiengeschäfte derzeit heftig kritisiert, lehnt einen Rücktritt aber ab. Der französische Finanzminister Thierry Breton hat ihm nun seine Rückendeckung verwehrt. Stattdessen trifft er sich mit dem deutschen EADS-Co-Chairman Manfred Bischoff.

HB PARIS. Der Frage, ob er noch Vertrauen in Forgeard habe, wich Breton in einem Interview mit dem französischen Radiosender France Inter am Donnerstag aus. „Wenn es eine Organisation gibt, in die ich Vertrauen habe, dann ist das die Finanzaufsicht AMF“, sagte er. Seine Aufgabe als Minister bestünde nicht darin, der einen oder anderen Seite gute Noten zu geben, sondern sicher zu stellen, dass alles korrekt ablaufe, wenn die AMF eingeschaltet würde. Auf die Nachfrage, ob er Forgeard unterstütze, sagte Breton: „Sollte ich als Minister irgendetwas zu sagen haben, dann sage ich es den Partnern und Anteilseignern.“

In der vergangenen Woche hatte die EADS-Tocher Airbus eingeräumt, dass es bei dem neuen Airbus A380 wegen Problemen bei der Elektronik erneut zu Lieferverzögerungen von bis zu sieben Monaten kommen könne. Die Ankündigung hatte einen Kurssturz bei der EADS-Aktie ausgelöst, von dem sich das Papier bislang noch nicht wieder erholt hat.

Forgeard war in die Kritik geraten, weil er ebenso wie andere EADS-Manager erst im März millionenschwere Aktienoptionen ausgeübt hatte. Von den Problemen bei Airbus habe er damals noch nichts gewusst, beteuerte Forgeard. Sowohl die französische (AMF) als auch die deutsche Finanzaufsicht (BaFin) prüfen, ob es sich um verbotene Insider-Geschäfte handelte. Die französiche Vereinigung für Kleinaktionäre APPAC kündigte rechtliche Schritte an, da sie eine Täuschung der Aktionäre vermutet.

Machtbalance zwischen Deutschen und Franzosen

Breton will seinen Aussagen zufolge mit Bischoff, der auch im Aufsichtsrat von EADS-Großaktionär Daimler-Chrysler sitzt, am heutigen Donnerstag erörtern, ob die Unternehmensorganisation und das Management auf dem richtigen Weg seien. Im französischen Parlament war es am Dienstag zu tumultartigen Szenen gekommen, nachdem sich Regierung und Opposition über den so genannten EADS-Aktionärspakt gestritten hatten, in dem die Machtverteilung im Konzern geregelt ist. Der französische Ministerpräsident Dominique de Villepin kritisierte den Pakt, der den Einfluss des französischen Staates bei der 2000 gegründeten EADS trotz ihres 15-prozentigen Anteils limitiert. Damals regierten die Sozialisten in Frankreich.

Der Chef der oppositionellen Sozialisten, Francois Hollande, hatte Villepin aufgerufen, sich in die Krise einzuschalten und zudem den Rücktritt von Forgeard gefordert. Zusammen mit den 7,5 Prozent des Medienkonzerns Lagardere hält die französische Seite 22,5 Prozent an EADS. Ebensoviel ist in Besitz des Stuttgarter Daimler-Chrysler-Konzerns.

Die deutsche Seite legt viel Wert auf die fein austarierte Machtbalance zwischen beiden Ländern und verhinderte im vergangenen Jahr erfolgreich die Ambitionen von Forgeard, die alleinige Konzernführung bei EADS zu übernehmen. Nach einem langen Machtkampf wurde er vor einem Jahr zusammen mit dem Deutschen Tom Enders an die Spitze von EADS berufen. Davor war er Chef von Airbus. In diese Zeit fiel auch die erste Verzögerung beim A380. Forgeard lehnt einen Rücktritt ab.

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