Probleme im Frachtgeschäft
Deutsche Post kappt Gewinnprognose erneut

Streiks und die Krise im Frachtgeschäft haben den Gewinn der Deutschen Post gedrückt. Zum zweiten Mal schraubt der Konzern deshalb seine Erwartungen herunter. Doch Rückenwind naht – von einer unbeliebten Maßnahme.

BerlinDie kriselnde Frachtsparte wird für die Deutsche Post zum Fass ohne Boden und zwingt den Konzern zur erneuten Absenkung seiner Gewinnprognose. Erwartet werde nun noch ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) von mindestens 2,4 Milliarden Euro, teilte das Unternehmen am Mittwochabend mit - mindestens eine halbe Milliarde Euro weniger als bislang vorausgesagt.

Schon Anfang August hatte die Post angesichts des kriselnden Frachtgeschäfts und von Streiks die Ebit-Prognose für 2015 zusammenstreichen müssen. Das laufende Jahr sei wie angekündigt ein „Jahr des Übergangs“, versuchte Konzernchef Frank Appel die Anleger zu beruhigen.

Am Mittwochabend hieß es, für die ersten neun Monate seien Abschreibungen und Rückstellungen von insgesamt 345 Millionen Euro angefallen. Hinzu kämen Belastungen in einer Höhe von 200 Millionen Euro „überwiegend für rechtliche und regulatorische Sachverhalte“. Einer Sprecherin zufolge gehören dazu etwa Abschreibungen auf nicht genutzte Flugzeuge, aber auch für die Finanzierung der Pensionsverpflichtungen für Beamte werde angesichts des niedrigen Zinsniveaus Vorsorge getroffen.

Im weltweiten Frachtgeschäft hat die Post schon länger Probleme - seit gut zwei Jahren sinken dort die Gewinne. Konzernchef Frank Appel hatte Ende April persönlich die Verantwortung für die Sparte übernommen und will den Bereich auf Kurs bringen. Das Frachtgeschäft kämpft mit Gewinnrückgängen, ächzt unter hohem Wettbewerbsdruck und den Folgen interner Umbauten.

Frachtsparte arbeitet noch mit Papier-Dokumenten

Denn der Konzern hatte viel Geld in die Datenverarbeitung der Sparte gesteckt, die vor allem noch mit Dokumenten auf Papier arbeitet. Doch die Umstellung kommt nicht voran, 308 Millionen Euro muss die Post nun auf das Projekt abschreiben.

Noch vor wenigen Monaten hatte der Konzern gehofft, diesen Schritt vermeiden zu können: „Wir haben bis jetzt 300 Millionen Euro für die Umstellung aktiviert. Die Chance, dass wir das alles abschreiben müssen, ist sehr gering“, hatte Finanzchef Larry Rosen im August in einem Reuters-Interview dazu gesagt. Nun kommen auch noch Rückstellungen von rund 37 Millionen Euro hinzu.

„Wir verfolgen nach wie vor unverändert das Ziel, unser Frachtgeschäft zu erneuern“, unterstrich Appel. Der Umbau soll weitergehen: „Dafür ergreifen wir nun weitere Maßnahmen, um die IT-Ausrichtung am Geschäft zu orientieren“, fügte Appel hinzu. Der Konzern sei dazu weiter „in Gesprächen mit verschiedenen Dienstleistern“.

Appel hofft aber weiter auf Besserung: „Wir ergreifen diese Maßnahmen, um unsere Ergebnisziele für 2016 und 2020 zu untermauern.“ Im kommenden Jahr will der Konzern danach seinen Gewinn deutlich in die Höhe schrauben: Dann soll der operative Ertrag um mindestens eine Milliarde Euro steigen, Appel stellte erneut ein Ebit von 3,4 bis 3,7 Milliarden Euro in Aussicht.

Für Rückenwind könnte dabei auch eine Porto-Erhöhung in Deutschland sorgen. Die Post hatte jüngst angekündigt, das Briefporto im kommenden Jahr so deutlich anheben zu wollen wie seit fast 30 Jahren nicht mehr. Beim Massenprodukt Standardbrief soll das Porto zum Jahreswechsel etwa von derzeit 62 auf 70 Cent steigen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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